14. Tempel-Tanzfestival

Bühne & Klassik // Artikel vom 04.11.2014

Ausgehend vom Mühlburger Kulturzentrum Tempel und der Tanztribüne wird Karlsruhe vom 5. bis 25.11. zum 14. Mal für drei Wochen Zentrum des zeitgenössischen Tanzes im Südwesten.

Das ungebrochene Interesse am spartenübergreifenden „Internationalen Tanzfestival“ ermöglicht den Machern Martin Holder und Hans Traut, seit dem Zehnjährigen neben der Scenario Halle des Tempels zusätzlich die komplexere Produktionen erlaubenden Schauplätze ZKM und Tollhaus zu bespielen; die Kinemathek begleitet das Livegeschehen auf der Bühne filmisch, außerdem zeigt der Club Vanguarde die Ausstellung „Tanzsequenzen“ mit Zeichnungen und Aquarellen von Heinz Möllinger (Vernissage: Do, 6.11., 19 Uhr; Fr+Sa, 7.+8.11., 15-24 Uhr).

Scenario Halle
Den Eröffnungstanz geben Judith Sánchez Ruiz und Edivaldo Ernesto: Im neuen Duett „There Is A Name For It“ (Mi, 5.11., 20.30 Uhr) vereinen die beiden Ensemblemitglieder der Compagnie Sasha Waltz & Guests die kulturellen Ähnlichkeiten ihrer beiden Heimatländer Kuba und Mosambik. Mit Olaf Schmidt bietet das Festival einen weiteren in Karlsruhe bestens bekannten Namen: Der ehemalige Ballettchef des Badischen Staatstheaters hat „Kaspar Hauser“ (So, 23.11., 20 Uhr) choreografiert. Das vom Ballettensemble des Theaters Lüneburg aufgeführte Stück kombiniert historisch belegte Lebensstationen in chronologischen Bildern mit der durch Kompositionen von Schubert, Schostakowitsch, Mozart und Bach ausgedrückten Gefühlswelt des 1833 an einer Stichverletzung gestorbenen Wolfskinds. Den Flamenco-Part deckt in diesem Jahr die Spanierin Carina la Debla ab, wobei ihr neues Programm „Flamenco por libre“ (Mo, 24.11., 20.30 Uhr) mit einer Vielzahl tänzerischer Zitate und humorvoller Anspielungen (auch aufs klassische Ballett) begleitet von Sänger, Gitarrist und Perkussionist unerwartete Brücken zwischen dem stark ritualisierten Flamenco und dem Modern Dance schlägt.

Die Szene von morgen präsentiert sich mit den Preisträgern des 18. „Internationalen Solo-Tanz-Theater Festivals Stuttgart“ (Di, 25.11., 20.30 Uhr): Israeli Tom Weinberger („Nemek“), der Kanadier Josh Martin („Leftovers“), Franzose Jann Gallois („P=mg“), Jain Souleymane Kone („Maa Labyrinthe“) aus Burkina Faso und Loukiani Papadaki („Before Panic, Rest.“) aus Griechenland performen zeitgenössischen Tanz in seiner Urform, reduziert auf Körpersprache und Ausdruck. Die regionale Tanzszene rund um Karlsruhe stellt sich in zehnminütigen Quickies bei den erfahrungsgemäß ruckzuck ausverkauften „Langen Nächten der kurzen Stücke“ (Fr+Sa, 7.+8.11., 20 Uhr) vor: Der Festivalklassiker verspricht einmal mehr ein buntes Mosaik aus modernem, klassischem und experimentellem Tanz, Schauspiel und akustischen Räumen. Mit Sarah Kiesecker kommt eine junge Karlsruher Choreografin, die in eben jener „Langen Nacht“, in Patricia Wolfs „Summer Dance“ und dem „Young Choreographer’s Evening“ im Rahmen der ZKM-Sonderausstellung „Sasha Waltz – Installationen, Objekte, Performances“ ihre Vielseitigkeit und Ausdrucksstärke bewiesen hat. „7ieben“ (Fr+Sa, 21.+22.11., 20.30 Uhr), ihre erste eigene abendfüllende Produktion, steht unter der Prämisse, dass sich das Wesen eines Menschen innerlich wie äußerlich alle sieben Jahre verändert. Es tanzt die Company Jazzaret. Und beim „Scenario Battle“ (Sa, 15.11., 18.30 Uhr) treten auf Initiative von Tempel und dem HipHop-Kulturzentrum Combo 16 internationale Breakdance-Teams zum European Championship gegeneinander an.

Tollhaus
Mit dem ihm eigenen Humor, der filmischen Bildersprache und noch subtiler als in seiner berühmten Produktion „Political Mother“ entwirft der israelische Star-Choreograf Hofesh Shechter eine emotionale und oftmals zornige Welt: Sein neuestes Werk „Sun“ (Mo, 17.11., 20 Uhr) verwandelt die Tänzer in streitbare Player, während der Zuschauer durch eine eigens kreierte atmosphärische Partitur, die u.a. Shechters elektronische Klanglandschaften einbezieht, in eine Art akustische Hypnose versetzt wird.

ZKM Medientheater
Nachdem sein eigenes Projekt „There Is A Name For It“ das Tempel-Tanzfestival eröffnet hat, lässt sich der aus den Reihen der Compagnie Sasha Waltz & Guests stammende Tänzer Edivaldo Ernesto bei „An Encounter Of Improvised Music & Dance“ (Mi, 12.11., 20.30 Uhr) auf ein improvisiertes künstlerisches Zwiegespräch mit dem international gefeierten Pianisten und Komponisten Volker Bertelmann ein, der unter seinem geläufigeren Pseudonym Hauschka zwischen Klangkunst und experimentellen Sounds, Postklassik und Kammermusik, Pop, Minimal Techno und House oszilliert. Eine nach der Performance begehbare digitale Installation entsteht während „Hakanaï“ (Fr, 14.11., 20.30 Uhr), der zwischen Traum und Wirklichkeit wandelnden Soloperformance von Adrien Mondot und Claire Bardainne. Dabei bewegen sich Tänzer zu animierten Mustern, die wiederum den Rhythmen der Livemusik folgen. Eine äußerst ungewöhnliche Aufforderung läutet „The Smartphone Project“ (So, 16.11., 20.30 Uhr) ein: „Bitte schalten Sie Ihre Mobiltelefone nicht aus!“ Denn Fabien Prioville, Choreograf der gleichnamigen Dance Company, hat gemeinsam mit dem ehemaligen Pina-Bausch-Tänzer Pascal Merighi und Schauspielerin Florence Minder eine Fusion aus zeitgenössischem Tanz, Medientechnologie und Performance entwickelt, bei der das Publikum während der Vorstellung mit den Protagonisten auf der Bühne via App interagiert.

Kinemathek
Zwei Tänzerpersönlichkeiten stehen im Mittelpunkt des filmischen Begleitprogramms im Studio 3 der Kinemathek: Der 2013 gestartete Kinofilm „Tanja – Life In Movement“ (Sa, 15.11., 19 Uhr; Di, 18.11., 21.15 Uhr) porträtiert das Leben der 1977 in Stuttgart geborenen Tänzerin und Choreografin Tanja Liedtke, die 29-jährig zur künstlerischen Leiterin der Sydney Dance Company ernannt wurde und noch bevor sie die neue Stelle antreten konnte bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Sophie Hyde und Bryan Mason ist anhand von Interviews mit Freunden, Weggefährten und Angehörigen sowie Archivaufnahmen von Proben und Aufführungen eine berührende und mehrfach ausgezeichnete Dokumentation gelungen. Außerdem wird eine der bekanntesten Choreografinnen Europas vorstellig, die ihre familiären Wurzeln in Karlsruhe hat: Tanzfilm-Regisseurin Brigitte Kramer zeichnet in „Sasha Waltz – Ein Portrait“ (Mi, 19.11., 19 Uhr; Fr, 21.11., 21.15 Uhr) die Karriere der wichtigsten Tanztheater-Erneuererin nach Pina Bausch von 2006 bis heute nach. -pat

5.-25.11., Kulturzentrum Tempel/ZKM/Tollhaus/Kinemathek/Vanguarde, Karlsruhe
www.kulturzentrum-tempel.de

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