34. Gernsbacher Puppentheaterwoche

Bühne & Klassik // Artikel vom 25.03.2023

Kasper tot. Schluss mit lustig

Mit einem neuen künstlerischen Leitungsduo und voller neuer Ideen geht die Papiermacherstadt in ihre 34. „Puppentheaterwoche“.

Bühnen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland präsentieren an 22 Vorstellungen die grenzenlosen Möglichkeiten des Puppentheaters. Für das vielfältige Programm zeichnen sich die neuen künstlerischen Leiter Jana Weichelt und Florian Kräuter verantwortlich. Beide sind als Puppenspieler und Theaterschaffende am Städtischen Puppentheater Magdeburg tätig und eng mit Gernsbach und der „Puppentheaterwoche“ verbunden.

Sie folgen auf den langjährigen künstlerischen Leiter Frieder Kräuter, der nach über 30 Jahren 2022 in den Ruhestand ging. Mit Gastspielen auf vielen auch internationalen Festivals und in Koproduktionen mit anderen Theatergruppen sind Florian Kräuter und Jana Weichelt in der Figurentheaterszene gut vernetzt und stehen für einen weiten Blick auf diese vielseitige Theaterform. Dafür steht auch die Programmauswahl dieses Festivals: Mit dem neuen, experimentierfreudigen Label „Puppe Spezial“, dem Konzert zur Festivaleröffnung, der Lecture-Performance mit Florian Feisel, zwei englischsprachigen Stücke und vermehrt jüngeren DarstellerInnen auf der Bühne soll noch stärker auch ein jüngeres Publikum angesprochen werden. Das Programm 2023 startet mit einem großen Fest, mit Ausstellungseröffnung, Theatershow und einem Konzert. Im Foyer der Stadthalle wird am Sa, 25.3., 20 Uhr, die Ausstellung der Pyromantiker-Berlin eröffnet. Das Publikum blickt ins Innere eines Gewächshauses und entdeckt dort Miniaturen, Spielzeug, Puppenstuben.

Weiter geht es im großen Saal der Stadthalle, in dem eine tschechische Produktion spielt, die bereits auf vielen Festivals zu sehen war: Das Theater Fekete Seretlek präsentiert „KAR (Repass)“, russischer Realismus nach Leo Tolstoi trifft auf Livemusik, Rauch und Feuer. Absurde Ideen werden zu einem anarchischen Kunstwerk. Nach einer Pause spielen die sechs Darsteller – alle virtuose Musiker – in einem furiosen Konzert das Publikum von den Sitzen. Unter dem neuen Programmlabel „Puppe Spezial“ werden Inszenierungen jenseits der Genregrenzen gezeigt: Wie menschlich kann eine Puppe sein? Warum frisst das Krokodil Gummipuppen? Wo wohnt die Gegenwart? Wieso ist der Kasper unsterblich? Das fragt Florian Feisel in seiner Lecture Performance „Puppen sterben besser“ (Di, 28.3., 20 Uhr).

Tags drauf folgt ein Anti-Kriegs-Puppentheater vom weltbekannten israelischen Puppenspieler Ariel Doron im englischsprachigen Stück „Plastic Heroes“ (Mi, 29.3., 20 Uhr). Lutz Großmann präsentiert mit „Kasper tot. Schluss mit lustig“ (Do, 30.3., 20 Uhr) ein Handpuppenspiel für Erwachsene auf der Grenze zwischen Leben und Tod. Die Berliner Puppenspielerin Rike Schuberty ist sicher eine der besten deutschen Akteurinnen. Sie spielte Mitte der 90er in bekannten Berliner Wohnzimmerbands wie Masha Qrella, Britta (mit Christiane Rösinger) oder Contriva und interpretiert mit dem Erwachsenenstück „Paul und Paula“ (Fr, 31.3., 20 Uhr) die wohl schönste Liebesgeschichte der DDR neu als eine sinnliche Mischung aus Theater, Livemusik und Puppenspiel. Zum großen Finale spielt das Theater auf der Zitadelle seinen fünften Teil der Berliner Stadtmusikanten: „Grand Hotel Grimm!“ (Sa, 1.4.).

Kinder- und Familienprogramm

Das Repertoire für Kinder und Familien beginnt am So, 26.3. mit zwei Inszenierungen: Das Theater Flunker-Produktionen hat um 11.30 und 15 Uhr das Stück „Sonst noch Wünsche“ im Gepäck. Eine heile Welt aus oberflächlichem Glück zieht vorbei, lässt Abgründe aufblitzen und macht den Weg frei für die eigentlichen Wunschräume im Zwischenreich von Realität und Fantasie. Am Abend um 19 Uhr folgt dann das Familienstück „Und der Hahn hat immer Recht“ von den Pyromantikern Berlin. Mit hintersinnigem Humor und virtuosem Handpuppenspiel wird die altfranzösische Tierfabel von Edmond Rostand neu erzählt. Es folgen am Di, 28.3., 15 Uhr, „Die kleine Hexe“ mit Sabine Mittelhammer, am Mi, 29.3., 15 Uhr, spielt Lutz Großmann „Die Katze, die tut, was sie will“ mit Wildtieren und einer kleinen wilden Menschenfamilie und am Do, 30.3., 15 Uhr, zeigt Rike Schuberty abermals, welch tolle Puppenspielerin sie ist. Susanne Olbrich spielt zum Abschluss des Kinderprogramms am Fr, 31.3. um 15 Uhr „Vom Fuchs, der ein Freund sein wollte“, live begleitet von Akkordeonist Hannes Lingens. -rw

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