„Keimzelle der Kreativität“

Bühne & Klassik // Artikel vom 28.03.2011

Das Sandkorn-Theater ist seit über 50 Jahren eine feste Institution in Karlsruhe.

Wie es zu seiner Gründung kam, was das Theater ausmacht und wie man sich dort engagieren kann, hat Martha Giemza für INKA bei Intendantin Steffi Lackner und dem Freundeskreis-Vorsitzenden und Kabarettisten Martin Wacker erfragt.

INKA: Wie und wann entstand das Sandkorn-Theater?
Steffi Lackner: Siegfried Kreiner gründete das Sandkorn in den 50ern als christliche Laiengruppe, die schon damals unheimlich engagierte Stücke auf die Bühne brachte und sich sehr schnell etablierte. In den 80ern professionalisierte sich das Theater und zog in das Gebäude, wo es heute noch ist. Das Haus war damals nicht ausgebaut: Im Winter war es kalt, es gab nur einfache Holzbänke und die Heizung röhrte so laut, dass man sie während der Vorstellungen ausmachen musste.

INKA: Hat das Theater ein bestimmtes Motto oder eine Philosophie?
Lackner: Wir haben keinen Slogan, aber eine Philosophie. Wichtig ist für uns der generationsübergreifende Anspruch. Ich freue mich sehr, wenn ich im Zuschauerraum junge und alte Menschen zusammen sitzen sehe. Außerdem wollen wir Jugendlichen die Chance geben, Theater zu spielen – auch wenn unser Team inzwischen fast ausschließlich aus Profis besteht. Deshalb haben wir auch unseren Jugendclub gegründet, in dem viele professionelle Schauspieler mal angefangen haben.
Martin Wacker: Das Sandkorn ist eine richtige Keimzelle der Kreativität – denn viele sind von hier auf die ganz großen Bühnen gegangen. Ich denke da an Susanne Buchenberger oder Philipp Mauritz.

INKA: Sie haben derzeit sechs festangestellte Schauspieler und acht freie professionelle Schauspieler. Wie wird man engagiert?
Lackner: Wenn man auf einer Schauspielschule gewesen ist, kann man ganz regulär bei uns vorsprechen. Bei einem solchen Casting bin ich dabei, Siegfried Kreiner und oft ein Regisseur für die anstehenden Stücke. Ausgesucht wird einerseits nach ganz formalen Kriterien – wie stellt sich der Mensch als Schauspieler dar, wie ist er vom Typ –, aber auch danach, ob es sich um jemanden handelt, der in unseren Kleinbetrieb passt. Er muss mit der Enge des festen Ensembles zurechtkommen und Aufgaben von außerhalb übernehmen können, wie zum Beispiel mal den Kassendienst zu machen. Das kann nicht jeder, und deshalb fragen wir das im Casting ab.

INKA: Wie und nach welchen Kriterien werden die Stücke ausgesucht?
Lackner: Bei Gastspielen achte ich vor allem darauf, nichts Theaterfremdes zu buchen. Wenn man ins Sandkorn geht, soll man wissen, dass man Theater bekommt. Was die Eigenproduktionen angeht, treffe zwar letztlich ich die Entscheidung, doch ein Theater ist ein Team und ich gehe immer auf die Vorschläge ein, die aus diesem Team kommen. Was die Stücke betrifft, ist natürlich der Unterhaltungswert wichtig, doch müssen sie auch immer einen gewissen Anspruch haben. Man sieht das an unseren Kinderstücken, die abwechselnd unterhaltend sind oder sich mit einem konkreten Thema wie ADHS oder Gewalt befassen.
Wacker: Wichtig ist, dass das Sandkorn keine bloße Abspiel- und Gastspielstätte ist, sondern ein Theater, das einen gesellschaftlichen Beitrag zum kulturellen Leben in dieser Region leistet. Das ist ein ganz großer Unterschied zu vielem, was es sonst noch gibt. Und auch ein ganz entscheidender Punkt, sich hier zu engagieren.

INKA: Um das zu tun, kann man in den Freundeskreis eintreten. Was sind seine Ziele und wie kann man sich dort einbringen?
Wacker: Der Freundeskreis ist eine seit rund 30 Jahren bestehende Gruppe von momentan ungefähr 200 Personen, die sich aktiv oder finanziell für das Theater einsetzen. Wir sammeln mit verschiedenen Aktionen Geld für das Theater. Als Freundeskreismitglied bekommt man außerdem Premiereneinladungen, nimmt an verschiedenen Veranstaltungen teil und bekommt Freikarten. Den Betrag, den man einbringt, kann man steuerlich absetzen. Es ist also eine rundum lohnende Sache.
Lackner: Und das Tolle ist, dass man sich aussuchen kann, wie sehr man sich engagiert. Ob man das Sandkorn still mit Geld unterstützen möchte oder ob man richtig aktiv mitarbeitet und dabei einen spannenden Blick
hinter die Kulissen werfen kann.

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