Live-Hörspiel: „Die Vögel nach Oskar Sala“

Bühne & Klassik // Artikel vom 10.11.2010

Wieder kein echtes Vogelgeschrei.

Dafür der Meister selbst, in Erzähllaune, verwoben mit sphärischem, elektronischem Flirren. Nur wenige Minuten nach Beginn des Hörspiels von Ammer & Console kommt Hitchcock zu Wort. Auszugsweise eingeflochten wird ein Interview zwischen dem Filmemacher und seinem glühenden Verehrer, Regisseur François Truffaut, nebst Übersetzerin.

„Helen, erzählen Sie Truffaut, dass ich am Ende eines Films immer ein neues Drehbuch diktiere – ein Tondrehbuch.“ Natürlich: Auch beim Klassiker „Die Vögel“ nahm sich Hitchcock alle dramaturgischen Freiheiten. „Ein lautloser Mord, genau das sagen die Vögel. Genau das sollten mir die elektronischen Musiker in Tönen liefern.“ Genau das liefern Ammer & Console mit „Die Vögel nach Oskar Sala“.

In Oskar Sala fand Hitchcock das Mastermind, das er suchte und das ihm dabei half, sein Werk zu einem psychologischen Horrorfilm der Extraklasse zu machen – ganz ohne echtes Gezwitscher oder gar „profane“ Filmmusik. 1.800 analoge Bänder auf dem selbst entworfenen Instrument „Mixturtrautonium“ (einer Art Synthesizer) hat Oskar Sala, der Pionier der elektronischen Musik, eingespielt; sein kompletter Nachlass lagert im Deutschen Museum München. Ammer & Console konstruieren anlässlich seines 100. Geburtstags den Film „Die Vögel“ als Hörspiel neu, indem sie Hitchcocks Szenenerklärungen, Salas Notizen und Musik (Mix von Console), nacherzählte Situationen und O-Töne verweben.

Seit mehr als zehn Jahren produzieren Ammer & Console herausragende Hörspiele – darunter preisgekrönte Werke wie „Bugs, Beats & Beasts“ und „Spaceman 85“. Hinter dem Gespann stecken Autor Andreas Ammer und sein kreativer Gegenpol, der Weilheimer Musiker und Electro-Soundtüftler Martin Gretschmann alias Console (u.a. The Notwist). Beide sind bekannt dafür, starre Genregrenzen kurzerhand auszuhebeln und mit den Erwartungen des Publikums zu spielen.

So auch in „Die Vögel nach Oskar Sala“, einem Auftragswerk des WDR mit dem Deutschen Museum München. Die Redaktion hatte Martina Müller-Wallraf. Danach Party mit DJane ?pek ?pekçio?lu aus „EklektikBerlinistan“ und Nomad SoundSystem, die eine schnittige Melange aus Electro-Grooves und arabischer Livemusik bieten – Soundclash zwischen Orient und Okzident (22 Uhr, HfG Lichthof 4).

Do, 11.11., 21 Uhr, ZKM-Medientheater, Karlsruhe
www.ard.de/radio/hoerspieltage

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