Ludwigsburger Schlossfestspiele 2020

Bühne & Klassik // Artikel vom 07.05.2020

Alondra de la Parra (Foto: Peter Rigaud)

Ein Fest der Künste, Demokratie und Nachhaltigkeit sollen sie werden, die „Ludwigsburger Schlossfestspiele“ unter der Leitung von Jochen Sandig.

Der gebürtige Esslinger ist neuer Intendant des 88 Jahre alten Festivals. In Berlin war er u.a. Mitgründer und Programmverantwortlicher des Kunsthauses Tacheles, gründete ebenso die Sophiensäle wie das Radialsystem V und leitete weiterhin mit seiner Frau Sasha Waltz die Compagnie Sasha Waltz & Guests. Ein spartenübergreifender Geist prägt auch seine Idee der erneuerten „Schlossfestspiele“: Nachhaltigkeit ruft Sandig als Schwerpunktthema auf und meint damit, den vielschichtigen globalen Veränderungen wie Klimawandel, Migration und der Bedrohung demokratischer Werte konstruktiv und künstlerisch zu begegnen. In mehrjährig angelegten Kooperationen mit KünstlerInnen, aber auch gemeinsam mit dem Publikum und den Bürgern sollen gesellschaftliche Zukunftsvisionen entwickelt werden. Dafür erhalten die „Schlossfestspiele“ als eine der ersten Kulturinstitutionen in Deutschland, die die 17 UN-„Sustainable Development Goals“ als unmittelbare Grundlage der Programmentwicklung verwenden, vom Staatsministerium für Kultur und Medien von 2020 bis ’22 eine einmalige Förderung über drei Millionen Euro.

Inhaltlich bleibt es bei der Mischung aus klassischer und zeitgenössischer Musik, Tanz, Theater und Performance: Die Eröffnungsproduktion kommt von Sasha Waltz & Guests. Die Choreografin bringt in „Dido & Aeneas“ (Do-Sa, 7.-9.5.) die gleichnamige Oper von Henry Purcell mit tänzerischen Elementen zusammen. Die Barockoper (Vocalconsort und Akademie für Alte Musik Berlin) stellt den zeitlichen Bezug zum Ludwigsburger Residenzschloss her, die dargestellten Emotionen von Freude bis Verzweiflung sind zeitlos. Auch im Requiem von Johannes Brahms stecken solch universelle Gefühle. In seiner Inszenierung „Human Requiem Brahms“ (So+Mo, 24.+25.5.) löst Sandig mit dem Rundfunkchor Berlin die Grenzen zwischen Publikum und Chor zugunsten einer intensiven, gemeinschaftlichen Erfahrung auf. Von der individuellen Suche nach Glück erzählt das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch in deren aus Wim Wenders’ Bausch-Film bekanntem Stück „Vollmond“ (Do-Sa, 28.-30.5.). Alle Länder Europas sind im Chamber Orchestra Europe vertreten. Mit dem jungen Pianisten Jan Lisiecki führt es an zwei Abenden alle fünf Klavierkonzerte Beethovens auf (Fr+Sa, 12.+13.6.).

Der ist in seinem Jubiläumsjahr mehrfach im Programm vertreten: Die Konzert- und Performanceinstallation „Pixel Sinfonie Beethoven“ (Sa+So, 9.+10.5.) lässt eine Neuinterpretation der „Pastorale“ (6. Sinfonie) im Ludwigsburger NH Hotel und über geöffnete Fenster auch auf dessen Vorplatz ertönen. Das Kammerorchester Basel führt die 5. Sinfonie und das Tripelkonzert mit Isabelle Faust, Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout auf (Sa, 23.5.), die Gaechinger Cantorey und die Radio-Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern bringen die 9. Sinfonie mit Schönbergs „Friede auf Erden“ zusammen (So, 31.5.). Auch ein Zyklus aller Streichquartette von Schostakowitsch mit dem Mandelring Quartett (Fr-So, 15.-17.5.), eine neue Interpretation von Bachs Goldberg-Variationen mit dem Ensemble Urban Strings und Soundscapes, Licht plus Video (So, 7.6.) sowie ein Abend mit der Sopranistin Marlis Petersen (Fr, 15.5.) sind im Programm. Das weist mit dem „Klassik Open Air“ mit Dirigentin Alondra de la Parra (Sa, 20.6.) des Orchesters der „Schlossfestspiele“ und dem einzigen 40-Jahre-Tour-Stopp der Einstürzenden Neubauten (So, 21.6., MHP Arena) in Ba-Wü zwei weitere Highlights auf. Das finale Programm wird am 14.2. veröffentlicht, der VVK läuft. -fd

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