„Menschen mit geistiger Behinderung schaffen Kultur“

Bühne & Klassik // Artikel vom 01.04.2013

Da INKA-Interview mit Steffi Lackner zum zehnjährigen Bestehen von Die Spinner.

„Nichts über uns ohne uns“ lautete das Motto des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung im Jahr 2003. Steffi Lackner, künstlerische Leiterin des Sandkorn-Theaters, verstand das Motto damals als Aufforderung, die von der Stadt Karlsruhe angefragte Inszenierung zum Jahresthema der EU gemeinsam mit Menschen mit Behinderung umzusetzen.

Die Karlsruher Lebenshilfe stieg als Partnerin mit ein und so entstanden Die Spinner – das integrative Theaterprojekt unter der Leitung von Steffi Lackner mit derzeit sieben Schauspielern mit geistiger Behinderung, drei professionellen Schauspielern und zwei Mitarbeitern der Lebenshilfe. INKA sprach mit Steffi Lackner über ihr Engagement.

INKA: Zehn Jahre Spinner, das sind neun abendfüllende Produktionen seit 2004 und tausende Stunden Arbeit, die Sie teilweise ehrenamtlich in das Projekt investiert haben. Was motiviert Sie zu diesem Engagement?
Steffi Lackner: Es ist das ungeheure Engagement der Schauspieler mit Behinderung, ihre kompromisslose Präsenz und ihr Ehrgeiz, auf der Bühne alles zu geben. Dies zu erleben ist eine phantastische Erfahrung, die ich niemals missen möchte.

INKA: Wie entstehen die Stücke der Spinner?
Lackner: Die Themen greifen entweder eine gesellschaftliche Entwicklung oder ein persönliches Anliegen unserer Schauspieler auf. Den Stoff sammeln wir gemeinsam mit Hilfe von Recherchen und Exkursionen, die Handlung entsteht im Rahmen von Improvisationen zum Thema. Meine Aufgabe ist es, die Ideen der Schauspieler in einen inhaltlichen Zusammenhang zu bringen und szenisch umzusetzen. Dann beginnen die eigentlichen Proben einschließlich Körper- und Sprechtraining, die in eine Intensivprobewoche kurz vor der Premiere münden.

INKA: Wie integriert sind die Spinner im Sandkorn-Theater?
Lackner: Durch die Proben vor Ort gibt es einen regelmäßigen Kontakt zum gesamten Sandkorn-Team. Die Offenheit von Menschen mit geistiger Behinderung macht eine Begegnung mit ihnen leicht. Insofern mussten wir gar nichts dafür tun, sie zu integrieren, sie haben sich einfach selbst Anerkennung in unserem Theaterbetrieb verschafft.

INKA: Was braucht es, um solch ein integratives Theaterprojekt langfristig voranzutreiben?
Lackner: Engagierte Kollegen – unsere Profis in der Truppe machen das immerhin auch weitgehend ehrenamtlich –, einen verlässlichen Partner wie die Lebenshilfe und Förderer, die das Projekt finanziell unterstützen.

Jubiläumsaufführung „Wünsch dir was“ mit Party: Di, 9.4. 19 Uhr, weit. Aufführungen: Di, 9.4., 10 Uhr, Mi, 10.4., 15+19 Uhr, Do, 11.4., 10 Uhr

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