Tanz Karlsruhe 2022

Bühne & Klassik // Artikel vom 08.11.2022

Sasha Waltz & Guests – „In C“  (Foto: Yanina Isla)

Der Tempel richtet die 23. Ausgabe seines Festivals „Tanz Karlsruhe“ aus.

Erstmals dabei ist die bekannteste Choreografin aus Karlsruhe: Sasha Waltz. Einen Schwerpunkt bilden Tanzstücke über und mit Technologie. Mehr auch im schön gestalteten Programm-Booklet, das von INKA mitverteilt wird. -fd

Sasha Waltz & Guests – „In C“

Zu ihrem Karlsruhe-Comeback bringt Sasha Waltz den Minimal-Music-Klassiker „In C“ von Terry Riley mit. 1964 war das eine revolutionäre Komposition, die aus vielen kleinen, frei kombinierbaren Teilen besteht. Davon ausgehend entwickelt die Sasha Waltz Compagnie ein ähnlich variables choreografisches Repertoire. „In C“ ist kein fertiges Stück, sondern ein sich stets entwickelnder Prozess, der Tanz, Musik und Raum gleichberechtigt einbezieht.
Di+Mi, 8.+9.11., 20 Uhr, Tollhaus

Cocoon Dance – „Body Shots“

Avatare, Androiden und Cyborgs sind die Puppen unserer Zeit. Entlang von ihnen wird über Biotechnologie, Videokörper, Prothesen und sogar Computerfleisch diskutiert. Das mutet bizarr und manchmal eklig an. Wo hört der Mensch auf, fängt die Maschine an? Die Company Cocoon Dance entwirft für ihre Mitglieder quasimenschliche Doubles, die die Vorbilder zwar in Größe und Bewegung nachbilden, aber letztlich seltsam anonym bleiben. Gruselig? Spannend!
Fr, 11.11., 20 Uhr, Tempel, Scenario Halle

Scenario Battle: 2 vs. 2

Der Breakdance-Battle bei „Tanz Karlsruhe“ ist nach fünf Jahren zurück! Nachdem die zurückliegende Auflage den Tempel zum Bersten brachte, treten die 16 Teams aus je zwei B-Boys oder B-Girls in der neuen großen Halle des P8 gegeneinander an. Im K.O.-Modus geht’s vom Achtel- bis ins richtige Finale – dynamisch, akrobatisch, musikalisch – und mit internationalen Teams. Kooperationspartner ist das Hip-Hop-Kulturzentrum Combo.
Sa, 12.11., 18.30 Uhr, P8

Die Szene von morgen

Der Solotanz reduziert den zeitgenössischen Tanz auf seinen Kern: Körpersprache und Ausdruck, manifestiert durch einen einzigen Körper. Die Nacht der „Szene von morgen“ präsentiert PreisträgerInnen vom „Internationalen Solo-Tanz-Theater-Festival“ Stuttgart sowie dem „International Dance Festival“ in Kopenhagen. Es tanzen Anette Toiviainen (Finnland), Adrian Popa (Rumänien), Isaiah Wilson (Luxemburg), Noah Oost (Niederlande), Zsófia Safranka-Peti (Ungarn) und Flavio Quisisana (Italien).
Mo, 14.11., 20 Uhr, Tempel, Scenario Halle

Open Lab für Medienkunst & Tanz

Technologie ist ein Leitthema von „Tanz Karlsruhe“ 2022. Im ZKM kreieren Van Grimde Corps Secrets den hybriden Menschen Eve. Durch Interaktionen mit PerformerInnen und Publikum verändert sich ihr Körper ständig. Physische und zeitliche Grenzen verschmelzen und Fragen nach der Zukunft des menschlichen Körpers in Zeiten von KI und Biotechnologie tun sich auf (Mi, 16.11., 20+21 Uhr; Do, 17.11., 19+20 Uhr, ZKM). Können wir nicht gleich außerhalb unseres Körpers existieren? Das fragt sich Alexander Whitley in seiner Performance „Anti-Body“. Digitalisierung und auch Corona haben unsere körperliche Erfahrung dematerialisiert. Werden wir irgendwann in Algorithmen aufgehen? Die Tänzer treten ein in eine virtuelle Welt, werden zu Avataren von unheimlicher Schönheit (Sa+So, 19.+20.11., 20 Uhr, ZKM).

Giselle

Mit seiner Neuinterpretation löst der britische Choreograf David Dawson den Klassiker „Giselle“ aus dem 19. Jh. und hievt ihn ins Hier und Jetzt. Giselle verguckt sich gleich doppelt in Albrecht: Sie ist unsterblich in ihn verliebt, doch er ist nicht der, für den sie ihn hält. Mit dieser Enttäuschung beginnt das Drama um Gefühle, Schuld und Vergebung.
Sa, 19.11., 19 Uhr, Staatstheater

Sidi Larbi Cherkaoui – „Nomad“

Der belgisch-marokkanische Choreograf Sidi Larbi Cherkaoui ist seit zwei Jahrzehnten eine der ganz großen Nummern im internationalen Tanz. Seine Arbeiten sind oft interdisziplinär und genreübergreifend. „Nomad“ ist der dritte Teil einer Reihe mit nahöstlich beeinflusster Musik von Felix Buxton und zeigt die Poesie, die in scheinbar trostlosen Wüstenlandschaften steckt. Es tanzt Charkaouis eigene Kompanie Eastman.
Mi, 23.11., 20 Uhr, Tollhaus

De Spiegel – „Boks“

Zwei Menschen sitzen in einer engen Kiste und kommen nicht raus. Sie kennen sich nicht und wollen sich eigentlich auch gar nicht kennenlernen. Es kommt zu Streit und innerem Rückzug. Doch plötzlich ertönen erste gemeinsame Lacher. „Boks“ ist eine musikalische Tanztheaterproduktion mit einer immer wieder neu entstehenden Klanglandschaft. Sie lässt staunen, weckt Neugier und regt die Fantasie an – für Menschen von zwei bis 99.
So, 27.11., 15+18 Uhr, Tempel, Scenario Halle

Streetperformances

Mit den Streetperformances entert „Tanz Karlsruhe“ den öffentlichen Stadtraum. Ist nicht bereits jeder Einkaufsbummel, jeder Sprint zur U-Strab eine kleine Tanzeinlage im Alltag? Das Physical Theatre Karlsruhe zeigt vor der Kaiserstr. 145 (Höhe Marktplatz) seine Performance „If I Don’t Take Care Of It...“ über die Last der unsichtbare Arbeit – jene, die mental und emotional verrichtet wird (So+Mo, 20.+21.11., 14/15/16 Uhr). „Tanz – solange die Parkuhr läuft“ von der Tanztribüne spielt sich vor und hinter dem trennenden Glas einer Schaufensterscheibe in der Kaiserstr. 243 ab (Mo, 21.11., 20 Uhr).

Kiesecker & Hoess – „Leer, dicht, leer“

Die Redewendung vom halbleeren Glas ist für Sarah Kiesecker und Dominik Höß ein Mythos. Leere ist absolut. Kann man Leere überhaupt spüren? Vielleicht fühlt sie sich an, wie die Zeit nach einem Konzert oder einer Premiere, die man selbst gegeben hat. Oder nach einem Pokalsieg. Leere ermöglicht Widerhall. In ihrem Stück „Leer, dicht, leer“ stellt das 2021 formierte Duo Kiesecker und Höß die Leere in Kontrast zur Dichte.
Do+Fr, 1.+2.12., 20 Uhr, Tollhaus

Die lange Nacht der kurzen Stücke

„Grenzenlos“ lautet die Losung, wenn sich die regionale und trinationale Tanzszene rund um Karlsruhe in einem kurzweiligen Abend mit Stückminiaturen vorstellt. Moderner, klassischer und experimenteller Tanz, Schauspiel und akustische Räume bilden einen bunten Flickenteppich. Beteiligt sind 13 Kompanien aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
Fr+Sa, 25.+26.11., 19 Uhr, Tempel, Scenario Halle

Workshops

„Tanz Karlsruhe“ wird von Workshops für alle Tanzinteressierten flankiert. Mitglieder von Sasha Waltz geben Einblicke in die Arbeitsweise der Compagnie (Mo, 7.11., 19-22 Uhr, Staatstheater). Álvaro Esteban López (Cocoon Dance) führt in die „Move App“ ein (Sa, 12.11., 10-12.30 Uhr, Tanztribüne). Alex Hauk gibt am So, 13.11. Workshops zu Social Media für Tänzer (11-14 Uhr) und zu Lichtgestaltung auf der Bühne (16-21 Uhr, Tempel, Scenario Halle). Van Grimde Corps Secrets halten einen Workshop im Neureuter Space (Di, 15.11., 18-21 Uhr), Isabelle van Grimde erzählt in ihrem Vortrag mehr über das Stück „Eve 2050“ (Mi, 16.11., 17 Uhr, ZKM-Medialounge) und bei Karel van Rambeeck geht es um Bühnenformate für ein junges Publikum (So, 27.11., 10.30-13 Uhr, Tanztribüne im Tempel).

Filme

Der Tanzfilm ist ein Genre für sich. Die Kinemathek zeigt drei Beispiele: „Remember Me“ von Kerstin Hamburg (, Michael Baudenbacher und Paul White handelt von einer Friedrich-Engels-Statue aus China. „Touched“ von Jukka Rajala-Granstubb und Marc Wagenbach ist eine Annäherung an Pina Bausch (Fr, 10.11., 19 Uhr; Sa, 12.11., 17.30 Uhr; jeweils in Anwesenheit von Hamburg). Salar Ghazis „In Bewegung bleiben“ führt in die Zeit kurz vor dem Mauerfall, als Birgit Scherzer mit dem Stück „Keith“ 1988 einen riesigen Erfolg an der Komischen Oper in Ost-Berlin feierte (Sa, 19.11., 15 Uhr; So, 20.11., 18 Uhr; jeweils in Anwesenheit von Ghazi).

8.11.-2.12., Tempel/Tollhaus/ZKM/Kinemathek/P8, Karlsruhe
www.kulturzentrum-tempel.de

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