Clublandschaft Karlsruhe: Kommen, gehen, bleiben?

Clubkultur // Artikel vom 23.11.2019

Shahrokh Dini (Foto: Gabor Markert)

Schon immer kamen Clubs und gingen wieder – das war und ist auch in Karlsruhe nicht anders.

In diesem Herbst prallen hier zwei gegenläufige Entwicklungen aufeinander: Der Erdbeermund wird im November 30, das Topsy Turvy von Volker Hasch feiert als ältester Club Süddeutschlands sogar sein 50-Jähriges – und Shahrokh Dini schließt nach dem „Closing Weekend“ (Fr+Sa, 29.+30.11.) seine Monk Bar. Der Erdbeermund in der Baumeisterstraße übt sich derweil in Understatement: Hätten die Residents von der „Großen Rhythmusshow“ nicht auf das Jubiläum hingewiesen, keiner hätte was gemerkt. Keine Verlautbarung, kein großes Geburtstagswochenende, es wird einfach ganz normal getanzt wie eh und je in dem Südstadt-Club, wo nach ehemals punkigen Jahren seit langem Techno und artverwandte Genres dominieren. Einen regelmäßigen Bedarf dafür gibt es in Karlsruhe anscheinend allwöchentlich neben dem Gotec auch in innerstädtischen Bezirken, der Erdbeermund deckt ihn.

Die Veranstaltungen der Monk Bar, in der vor allem Techno, House, Disco, Soul und Funk aus den Boxen schallt, waren zwar in der letzten Zeit zunehmend gefragt; auf Dauer erzielten sie aber doch weniger Umsatz, als es für ein finanzielles Überleben notwendig gewesen wäre. Da half der schick eingerichteten Club-Bar auch die zentrale Lage direkt am Europaplatz nicht mehr. Dini, der in den Nullerjahren die legendäre Mood Lounge und später das Hardtwald-Restaurant Mood In Wood betrieben hat, stellt ein verändertes Ausgehverhalten fest: „Man geht weniger weg und die Auswahl im Privaten ist größer. Das größte Problem sind aber die Festivals, überall sprießen neue aus dem Boden. Die Leute sind fünf Tage auf dem einen, am nächsten Wochenende auf dem anderen Festival. Wenn sie dann irgendwann zurückkommen, sind die Clubs kaputt, weil sie den Sommer nicht überlebt haben.“

Letztlich verlängerte der Vermieter nicht mit Dini, womit seine Entscheidung, die Monk Bar nach dreieinhalb Jahren zu schließen, unausweichlich war. Dennoch ist der DJ und Produzent nicht unzufrieden: „Es war eine harte Erfahrung, aber trotzdem eine Bereicherung. Wir hatten Highlightabende mit Glenn Underground, Richard Dorfmeister, Tobias Thomas oder Delano Smith.“ Am Sa, 30.11. steigt die finale Party mit House-Altmeister Mr. Raoul K., der derzeit auf Âmes Innervisions releast, den jungen Locals Manic und Frische Ernte sowie Shahrokh selbst. Danach will er erst mal keinen Laden mehr in Karlsruhe betreiben und sich auf wenige Groß-Events wie die „After-art-Party“ beschränken.

Die Monk Bar ist nicht der einzige hiesige Club, der derzeit vor Problemen steht; die Folgen der „Festivalitis“ bekommen alle zu spüren. Christiane Ohnemus vom Club Die Stadtmitte macht weitere Gründe aus, die dazu führen, dass sich auch in Christian Pulkerts Location ein Publikumsschwund feststellen lässt: Allein die Baustellen erzeugten innerhalb weniger Jahre einen Besucherschwund von weit über 50 Prozent, ein Großteil des Umlands brach weg. Doch auch die Karlsruher Crowd ist nicht mehr so einfach zu bekommen. Aus der Sicht von Ohnemus hat sich eine Umsonstmentalität unter den jungen Leuten ausgebreitet, zu viele kostenlose und subventionierte Veranstaltungen würden von der Stadt angeboten und gäben dadurch ein Zerrbild ab. „Die Kosten, um einen Club zu betreiben, ein Konzert zu veranstalten oder allein für Personal und Miete sind so kaum noch zu decken. Dazu herrscht eine Schieflage zwischen subventionierten Locations und den ganz freien wie uns. Karlsruhe bräuchte dringend einen Nachtbürgermeister, der sich um solche Themen kümmert.“

Eine Nische hat sich die Fettschmelze eingerichtet. Die Location auf dem Schlachthof veranstaltet nur einmal pro Monat eine Party mit elektronischer Musik – die ist dafür in der Regel gut besucht und füllt auch oft musikalisch eine Leerstelle. Mehr wäre zwar möglich, doch definiert sich die Fettschmelze nicht allein als Club, sondern als multifunktionaler Ort, der u.a. mit Gastro und Coworking weitere Standbeine hat. Möglicherweise entspricht es auch den Ausgehgewohnheiten vieler Leute, einmal im Monat gezielt auf eine Party zu gehen – mit der Bereitschaft, dafür dann auch Geld auszugeben. Es lohnt sich, der Fettschmelze auf die Finger zu schauen: Die Vernetzung mit der lokalen Szene ist eng. Man besucht sich gegenseitig auf Veranstaltungen und bekommt so einen Riecher dafür, welche Musik oder Partykonzepte gewünscht sind, ohne plump Trends zu bedienen. Die Fettschmelze nimmt sich nicht als Institution für eine Musikrichtung wahr, sondern lebt einen kollaborativen Gedanken, was sich auch in den Koops mit Veranstaltern oder lokalen DJs ausdrückt. So heißt es vom Schlachthof aus: „Wir können in Karlsruhe etwas schaffen!“ -fd

„Monk Bar“-Closing: Fr, 29.11., 22 Uhr, mit Sil houette, Toby O. Rink, Marlon, Ru-z, Francesco Rizzi; Sa, 30.11., 22 Uhr, mit Mr. Raoul K, Shahrokh Dini, Frische Ernte, Manic; Fettschmelze: Sa, 23.11., 23 Uhr, Komotan mit Pascy; Sa, 14.12., 23 Uhr, „Bias“ mit Shanti Celeste, Karlsruhe

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