Clubszene bekommt neues Image

Clubkultur // Artikel vom 16.02.2020

Lange Jahre haben sich Clubbetreiber unverstanden gefühlt.

Laut der Süddeutschen Zeitung wurden sie bis dato immer wieder auf ein Stufe gestellt mit Casinos und Bordellen. Das soll sich nun ändern, wie die Zeitung online berichtet. Vor wenigen Tagen hatten sich Clubbetreiber zusammengetan und gemeinsam den Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen im Bundestag kontaktiert. Besonders Berlin ist von der derzeit schwierigen Situation betroffen, in der gerade Techno-Clubs stecken. Sie werden von Kritikern nicht nur verpönt, sondern müssen sich zudem ähnlichen Regularien stellen wie Spielhallen und Bordelle. Das will man sich nun jedoch nicht mehr gefallen lassen.

Techno-Clubs künftig „Anlagen für kulturelle und sportliche Zwecke“

Der zuständige Ausschuss soll im Bundestag Änderungen herbeiführen, denn so wie es jetzt ist, kann es nicht mehr weitergehen. Bereits in den vergangenen Monaten waren diverse Clubs gezwungen, ihre Pforten für immer zu schließen. Dabei sind es gerade sie, die die Clubszene Berlins über viele Jahren hinweg geprägt haben. Den Eigentümern der Gebäude ist jedoch offenbar mehr daran gelegen, die Immobilien gewinnbringend zu veräußern. Bisher gelten Clubs laut Gesetz als Vergnügungsstätten. Jedoch gibt es hier nicht einfach beliebte Spielautomaten, wie eben in einem Casino. Vielmehr geht es in den Techno-Clubs um Kultur. Darauf plädieren die Betreiber. Sobald man die Clubs als „Anlagen für kulturelle und sportliche Zwecke“ anerkennt, gilt für eben diese Stätten ein besonderer Schutz – auch und gerade vor willkürlichen Kündigungen oder horrenden Mieterhöhungen.

Betreiber setzen auf Imagewandel

Unter Vergnügungsstätten verstehen Laien vorrangig Casinos, Spielhallen oder eben Bordelle. Clubs mit diesen Etablissements gleichzustellen, hat bereits jetzt fatale Folgen – und das sicher nicht allein in Berlin. Dies wurde nun im Gespräch mit dem Ausschuss verdeutlicht, der alles daransetzen will, die Einstufung von Clubs zu ändern und die Unternehmen künftig vor Kündigungen zu schützen. So reizvoll die Clubszene noch in den 1990er Jahren war, so sehr gibt es heute eine Verdrängung der Branche. Damit soll Schluss sein, denn immerhin hängen zahllose Existenzen an der Willkür, die derzeit noch immer vorherrscht. Die Betreiber wollen sich nicht mehr wie Vergnügungsstätten behandeln lassen. Schlussendlich ist Musik genauso Kultur wie das Tanzen, um das es bekanntlich in den Clubs geht. Geselliges Beisammensein muss also vom Bundestag gefördert werden, ehe eine ganze Ära den Bach runtergeht.

Bundestag strebt schnelle Lösung an

Festivals, Clubs & Co. sind Teil unserer Geschichte. Dass es immer noch zahlreiche Fans gibt, zeigen die jüngsten Ausstellungen zu Themen wie „No Photos On The Dance Floor“. Besucher rannten den Clubbesitzern geradezu die Türen ein. Heute jedoch gibt es in Berlin und auch in weiteren Teilen des Landes kaum mehr nennenswerte Clubs, die diese Kultur weiter pflegen dürfen. Umso wichtiger, dass der Bundestag eingreift. Das wird er offenbar schneller tun als es sich die Betreiber erhofft hätten. Clubs bringen nicht zuletzt dem Land große Summen ein. Man kann also davon ausgehen, dass die Änderung bald erfolgen wird. Die dann als Anlagen für kulturelle und sportliche Zwecke geltenden Clubs dürften Immobilienbesitzern zwar ein Dorn im Auge sein, sind aber für die Kassen weiterhin wertvoll. Der besondere Schutz, der künftig gilt, sichert langfristig vor allen Dingen zahllose Existenzen. Alle bereits geschlossenen Clubs stehen bis dahin vor einer ungewissen Zukunft. Doch vielleicht wird der eine oder andere in Berlin sogar über eine Neueröffnung nachdenken, wenn es der Platzbedarf zulässt. Das zumindest wäre Tanzbegeisterten und Techno Fans Fans zu wünschen.

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