Florian König, Ballettmanager & Stellvertreter der Ballettdirektorin am Badischen Staatstheater Karlsruhe

Porträt
Florian König (Foto: Felix Grünschloß)

„Als Karlsruhe bei mir als Thema aufkam, war das tatsächlich ein wichtiger Punkt: Wunderbar, man ist gleich im Schwarzwald!“, freut sich Florian König noch heute. „Man denkt es auf den ersten Blick nicht, aber auch das Ruhrgebiet ist sehr grün. Das war mir dann auch an Karlsruhe wichtig.“ Rund ein Jahrzehnt hatte der Hesse im Pott gelebt und gearbeitet, sechs Jahre davon als engster Vertrauter von Bridget Breiner am Ballett im Revier Gelsenkirchen.

Als Breiner das Angebot vom Staatstheater Karlsruhe erhielt, dort die Nachfolge von Birgit Keil als Ballettdirektorin anzutreten, wollte sie König unbedingt mitnehmen. Es ist eher ungewöhnlich, dass eine Ballettdirektorin noch gleich eine zweite Person mit sich bringt. Doch sind die beiden unabdingbar füreinander. „Das Geheimnis unserer Zusammenarbeit ist, dass wir uns gegenseitig die besten Sparringspartner sind“, verrät König. „Die Chemie stimmt. Wir haben ganz ähnliche Vorstellungen von Kunst und auch darüber, wie wir das Publikum an den Tanz heranführen.“ Als Manager ist er zunächst für das Wirtschaftliche und Organisatorische verantwortlich. Doch Breiner bezieht ihn auch in ihre künstlerischen und dramaturgischen Pläne ein. „Wir spielen uns in allen Entscheidungen die Bälle gegenseitig zu.“  Die Pandemie hat die beiden noch enger zusammengeführt, wie König bekundet. Fast ihre gesamte Zeit am Staatstheater fand unter speziellen Bedingungen statt, die schon so manche Premiere verhagelt oder immer wieder in die Zukunft verschoben hat.

Das zeigt sich auch beim Ballett-Festival „Aufgefächert“, das im Juli im dritten Anlauf endlich stattfinden kann. Noch im Februar ersetzte der Ballett-Abend „Per Aspera ad Astra“ (Premiere: 24.4.) die eigentlich geplante Produktion „Maria Stuart“. Diese sollte nicht nur das Ballettensemble und die Staatskapelle, sondern auch den Staatsopernchor einbeziehen – zu riskant noch dieser Tage. So schaffte es „Per Aspera ad Astra“ auch gleich ins Programm von „Aufgefächert“, das an drei aufeinanderfolgenden Abenden einen Überblick über das Ballett-Schaffen am Staatstheater bietet. Schaut man genau hin, so verstecken sich gleich sieben Stücke in den drei Terminen: „Movers & Shakers“ (Premiere: 28.5.) besteht aus drei Choreografien und geht der Frage nach, was Ballett im 21. Jhd. ausmacht; David Dawsons „A Million Kisses To My Skin“ zeigt hierbei den klassischsten Ansatz; Cathy Marstons Handlungsballett „The Suit“ basiert auf einer Kurzgeschichte des südafrikanischen Autors Can Themba und „Elementary Particles“ von Irin Marguerite Donlon bezieht sich auf Texte des Physikers Stephen Hawking. Die drei Stücke in „Per Aspera ad Astra“ funktionieren zusammen wie ein Sinfoniekonzert: Kevin O’Day, Artist In Residence am Staatstheater, choreografiert „Unfoldings“ zu Musik von Johann Sebastian Bach. Glen Tetleys neoklassisches „Voluntaries“ von 1973 bringt zugleich Francis Poulencs Konzert für Orgel, Streicher und Pauke zu Gehör, und auch in Breiners „Blessed Unrest“ ist die Orgel präsent, als Klangfarbe in der Orgelsinfonie von Camille Saint-Saëns.

„Poulenc und Saint-Saëns sind von Bach inspiriert, O’Day bezieht sich wiederum auf die zwei anderen Choreografien“, erzählt König. „Dieser Abend ist auch eine Erzählung über Inspiration und wie sich Tanz dadurch über die Jahrhunderte entwickelt hat.“ Gemeinsam mit Breiner brachte König einige Anliegen nach Karlsruhe – ganz vorne dabei: den Kontakt zum Publikum suchen und auch neue BesucherInnen für das Ballett zu begeistern. Das geschah bereits in der von ihm initiierten Reihe „Feierabend mit“, die zum lockeren Gespräch mit Gesichtern des Staatsballetts lädt, oder auch mit Aufführungen im Citypark, bei denen die Anwohner von ihren eigenen Balkons oder beim Spaziergang kostenlos in den Tanzgenuss kamen. „Anders als im Ruhrgebiet gibt es in Karlsruhe schon eine große Ballett-Fanbase. Die hat auch uns als neues Duo liebgewonnen. Jetzt versuchen wir, unsere Leidenschaft für den Tanz auch noch einem anderen Publikum zu vermitteln“, sagt König, der noch eine zweite Leidenschaft pflegt: die Musik. Lange spielte er in verschiedenen Ensembles Violine, hätte sogar fast Musik studiert. In Karlsruhe geht er dem Geigenspiel derzeit im feierabendlichen Musizieren mit Kollegen nach – am liebsten Beethoven.

Doch auch zeitgenössische Klänge begeistern den Ballettmanager mit künstlerischer Ader (2016 trat er auch als Choreograf in Gelsenkirchen in Erscheinung). So sollen zeitgenössische Musik oder elektronische und poppige Sounds in Zukunft öfter die Tanzschritte am Staatstheater begleiten. Den Anfang macht bereits der Soundtrack von Ensemblemitglied Paul Calderone, der die Musik zu „Elementary Particles“ bei „Movers & Shakers“ produziert. Noch eine Parallele zwischen dem Ruhrgebiet und Karlsruhe hat Florian König entdeckt: „Man tauscht sich an beiden Orten viel aus. Die Tanzszene in Karlsruhe ist toll und vielfältig. Es freut mich, Teil davon zu sein.“ -fd


Kontakt

Hermann-Levi-Platz 1
76137 Karlsruhe

Tickets: 0721 9333 33
www.staatstheater.karlsruhe.de


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