ZKM | Zentrum für Kunst und Medien

Porträt
BioMedien. Das Zeitalter der Medien mit lebensähnlichem Verhalten,  Katrin Hochschuh & Adam Donovan, Visual: The Rodina, Foto: Felix Grünschloß

Was ist eigentlich Leben? Was macht ein Lebewesen aus? Wir denken dabei meist an einen Organismus, der sich bewegt und atmet, der auf seine Umwelt reagiert und vielleicht sogar lernt. Oder gar an ein Wesen, das kommuniziert, denkt – fühlt? Je weiter dieses noch frische, zukunftsvolle 21. Jhd. fortschreitet, desto mehr geraten die althergebrachten Antworten auf die Fragen nach der Definition von Leben ins Wanken. Denn mit der rasanten technologischen Entwicklung und Digitalisierung vervielfältigen und verfeinern sich auch die Möglichkeiten, das Leben und das Lebendige zu simulieren. Künstliche Intelligenzen, virtuelle Agenten und Mediensysteme interagieren mit uns biologischen Lebewesen und miteinander; sie entwickeln sich aus eigenem Antrieb weiter und passen sich an. Manche von ihnen simulieren nicht nur Rationalität, sondern sogar Empathie – sie imitieren das Leben, sind bio-mimetisch (lebennachahmend) – Biomedien. In der gleichnamigen Ausstellung am ZKM präsentieren sich „Bio-Medien“ verschiedener Ausprägung von Roboterschwärmen über Soundskulpturen zu interaktiven virtuellen Unterwasserwelten und Quantencomputern.

Selbst ein simples Verbindungskabel wird hier einer Schlange gleich zu einem Wesen mit scheinbar eigenem Willen. Diese Phänomene zu bestaunen, macht Spaß, erstaunt, fasziniert. Doch wer beim Wandeln durch multimediale Lebensräume oder der Interaktion mit den Werken kurz innehält, wird sich vielleicht auch fragen: Wenn dies die Gegenwart ist, welche Wunder wird die Zukunft noch bringen? Wie werden wir als Menschen mit diesen neuen Lebe-Wesen, den Biomedien, zusammenleben? Und was sagt ihre Beschaffenheit über unsere eigene Existenz als biologische Lebewesen aus? Diese und ähnliche Fragen werden mit der Ausstellung aufgeworfen und im flankierenden Begleitprogramm vertieft. Die These: Mensch und Maschine schließen sich nicht aus, sondern sind längst in ihrem Dasein miteinander verschränkt.

Die Herausforderung des Menschen der Zukunft wird sein, das künstliche Leben in seine ökologischen und sozialen Netzwerke einzubeziehen. Die künstlichen Lebewesen wiederum können unsere MediatorInnen, Regulatoren, Gestalter, Begleiter oder Betreuer werden. Denn in einer Zeit, in der unser Planet existenziell bedroht ist, ist die Suche nach neuen Konzepten und Definitionen des Lebens mehr als nur ein philosophisches Unterfangen; sie ist zu einer Verantwortung gegenüber dem Leben selbst geworden. -red


Kontakt

Lorenzstr. 19
76135 Karlsruhe

Mi-Fr 10-18 Uhr
Sa+So 11-18 Uhr

0721/810 00
www.zkm.de

Bio-Medien: bis 28.8.
www.zkm.de/biomedien


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