INKA Stadtmagazin #165

Inka Ausgaben // Artikel vom 02.08.2022

INKA Stadtmagazin #165

Der Umbau der Stadt Karlsruhe ist in vollem Gange, auch wenn der Autotunnel in der Kriegsstraße erst im Herbst freigegeben wird und das KSC-Stadion noch unfertig ist.

Dafür ist das Staatstheater im Zeitplan. Nach dem freiwilligen Rückzug von Norbert Lenz am Naturkundemuseum gibt’s eine Restitutionsaffäre um ein Brasilienfossil. Nach dem befruchtenden Einstieg von Stefanie Patruno und einer deutlichen Belebung der Städtischen Galerie ist nun im ZKM auch die Nachfolge von Peter Weibel klar: Der Brite Alistair Hudson wird sein Nachfolger – eine schlüssige Wahl. So zeigt sich der OB aufgeräumt vor der Pressekonferenz und witzelt, wie alt wir doch beide geworden seien.

Warum nicht gleich so, möchte man sagen, wenn man an den Grabenkrieg um die Weibel-Nichtvertragsverlängerung u.a. wegen dessen Lüpertz-Äußerungen denkt. Hudson gilt als ein Mann des Ausgleichs – und soll auch für den erwünschten Popfaktor an der weltweit erfolgreichen Kunstinstitution sorgen. Treppenwitz der Geschichte: Die Lüpertz-Objekte in der U-Strab hängen jetzt – teils. Zu sehen sind abscheuliche, grässliche, dilettantische Arbeiten. Nicht jedes „Genie“ kann „Ton“.

Das Reallabor I in der temporär für Autos gesperrten Kaiserpassage ist vorerst beendet. Eine fixe Umsetzung würde kulturell (Jazzclub/Kinemathek) wie gastronomisch neue Aufenthaltsqualität in die City bringen. Aktuell läuft Reallabor II mit einer Autosperre der nördlichen Karlstraße von der Münze bis zum Stephanplatz. Ohne dessen Neukonzeption z.B. mit einer Verbindung zum Ludwigsplatz erscheint das aber wenig gewinnbringend.

Der Rheinhafen wird endlich für die Kultur geöffnet. „Werkstattpalast“ nennt sich der Kunst-, Musik- und Wissenschafts-Event von Ato und dem KIT. Von Mitte August bis Mitte Oktober wird dort auf einer eigens errichteten Holzkonstruktion Kunst gezeigt, Vorträge, Performances, Konzerte laufen. Es gibt eine Bar. Ich bin begeistert! Als wir 2018 in unserer Publikation Super INKA dafür plädierten, den Rheinhafen für Kultur zu öffnen, wurde das Thema sofort an die BNN durchgesteckt und noch vor unserem Erscheinen gab’s die Headline: „Kein Biergarten im Rheinhafen“. Das waren Zeiten. Also „waren“ ist gut. Jedenfalls ein überfälliger Schritt, um den Rhein und den Rheinhafen für die BürgerInnen nutz- und erfahrbar zu machen.

Die Stimmung in der Kulturszene ist den ungewissen Herbst vor Augen schwer getrübt. 50-prozentige Auslastungen in Punkclub oder Oper, Corona, Krieg und vor allem die Inflation setzen allen schwer zu. „Mal sehen, ob es uns alle nächstes Jahr noch gibt“, unkt ein Szenekenner. Bei Drucklegung lag die Inzidenz in Karlsruhe bei 900, das Abwasserorakel spricht vom Doppelten. Absagen durch Corona verschärfen die Situation. In dieser schwierigen Lage bringen wir – wie auch die Kollegen – natürlich so viele Events wie möglich. Nicht so die BNN. Neben der ohnehin kaum noch mit (unbezahlten) redaktionellen Inhalten versehenen „Badischen Woche“, die durch das „Amtsblatt“ der Stadt obendrein nicht nur in puncto Druckauftrag, sondern auch redaktionell und damit völlig unverhältnismäßig subventioniert wird, haben nun die BNN ihre lokalen Kulturseiten auf zwei pro Woche ausgedünnt. Rezensionen wolle kaum wer lesen. Arbeitslos sind damit auch ungezählte Kritiker.

Gleichzeitig sind weite Teile der BNN-Kulturseite regelmäßig durch Textadvertorials belegt; etwa für das Baden-Badener Festspielhaus, das seit Gründung in den BNN Textkritiken mit Logoabdruck kaufte und auch heute – ohne Logo – immer Rezensionen bekommt. Nach unserer Drucklegung nimmt die BNN am 28.7. zum Thema Stellung. In dieser durch die hohen Papierpreise prekären Situation akquiriert allen Ernstes „Kultur in Karlsruhe“ allen Ernstes gleich ein ganzes Kulturspecial für die BNN, das im September erschienen soll. Zu Dumpingpreisen, da zusätzlich durch Mitgliederbeiträge gestützt. Ein Frontalangriff auf die hiesigen Kulturmagazine. Wir haben lange vor dieser Monopolisierung der Presse und deren Substituierung durch die Stadt gewarnt, bis es keiner mehr hören konnte. Mehr im Herbst.

Vom 8. bis 10.7. genossen rund 700 Gäste unsere vitale, zeitgenössische Kunstschau „ZART“ in zwei Hallen und die schöne Atmosphäre im Open-Air-Café. Eine gute Besucherzahl, es war ja jede Menge los an diesem Wochenende. Wir hatten einen ganzseitigen Artikel in der „art“-Beilage der Zeitschrift „Monopol“, auch die BNN kündigten die Schau freundlich an. Es gab viel positives Feedback – aber schon im Vorfeld der Schau auch eine Onlinemobbingkampagne der Künstlergruppe „hart“ um Lorenz Bögle und Maximilian Martinez mit Posts, die belegbar auf Unwahrheiten und Lügen beruhen.

Wir verabschieden uns nun in die Sommerpause und wünschen allen viel Spaß mit den zahlreichen Themen und Tipps dieser Doppelausgabe!
Roger Waltz & das INKA-Team

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