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Kino & Film // Artikel vom 05.04.2007

Bei der Berlinale 2007 hatte mancher ein "Déjà vu". 2006 hatte zur Mitte des Festivals eine Comicverfilmung der Warner Bros. Premiere "außer Konkurrenz", und nach einem ebensolchen Ereignis 2007 darf man spekulieren, ob das zur guten Tradition werden soll.

Das fragliche Werk, das man kaum noch als Film, sondern eher als Animation mit Menschen bezeichnen kann, ist entweder reaktionär oder sensationell, für einige mag es auch den Geschichtsunterricht ersetzen. Manch Geplagter mag sich noch erinnern an die "Schlacht bei den Thermopylen", verbunden mit dem Satz "Wanderer kommst Du nach Sparta". Aus der historisch verbürgten blutigen Auseinandersetzung ist mit dieser Verfilmung einer thematisch entsprechenden "graphic novel" ein sensationelles Bild- und Tonwerk geworden, state of the art, atemberaubend, mit einem wilden Soundtrack und ultrabrutal.

Erzählt wird die fantastische Geschichte vom König Leonidas, der sich vom gottähnlichen persischen König der Könige und Schah-Vorgänger Xerxes herausgefordert sah und mit 300 Soldaten gegen 20.000 "Asiaten", wie es heißt, in den Krieg zog. Mit einer Art Igeltaktik gelang es den Spartanern zunächst, die riesige Streitmacht in Schach zu halten, dann musste man sich aber doch ergeben und bezahlte dies mit dem Tod.

Der Film zeigt das als ein Extremgemetzel in unnatürlichen Farben und ungewohnten Inszenierungen, wobei hier die dreidimensional erscheinenden Bilder aus "Matrix" auf eine neue Stufe der Perfektionierung gebracht werden. Die Spartaner sind ganze Männer, die mit blanker Brust den Feind niederzuzwingen versuchen, und wenn sie sich gelegentlich versichern, "als Frau" hätte der Partner ganz gut gekämpft, bekommt das einen direkten homoerotischen Unterton.

Parallel sehen wir die Menschen zu Hause in Sparta, die beinahe einem Verräter auf den Leim gehen, welcher persisches Geld genommen hat und versucht, Leonidas' Frau als Hure zu diskreditieren. Um einen Fernsehkoch zu zitieren: das sieht alles sehr sehr gut aus, setzt aber in Sachen Zeitlupen-Beschreibung von Lanzenstößen und Kopfabhacken eine neue Marke.

Sieht man es umgekehrt, dann wird aus dem Film jedoch ein reaktionäres Machwerk, denn er ist nichts anderes als eine Aufforderung an den Demokraten, gegen den Iran (Persien) in den Krieg zu ziehen, der "asiatische Horden" (Monstermenschen, Verschleierte) um sich geschart hat. Der Westen setzt dagegen tapfere Boys, die mit ihren Bodies und Haarschnitten wie kalifornische Surfer daherkommen. Dumm nur, dass die Warner-Brüder nicht bedacht haben, dass ein Iran-Krieg zu Zeitpunkt der Herausbringung des Films keine Mehrheit mehr in der US-Bevölkerung hätte. -A.O.F

USA 2007, Regie: Zack Snyder, Buch: Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael Gordon, mit Gerard Butler, Lena Headey, David Wenham, Dominic West, Vincent Regan.

Ab Do, 5.4. in der Schauburg www.schauburg.de

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