Das melancholische Mädchen

Kino & Film // Artikel vom 26.07.2019

Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) / www.dffb.de/films/das-melancholische-maedchen

Immer wieder gibt es Filme, die abseits des klassischen Mainstreams angesiedelt und für den Zuschauer eher schwer nachvollziehbar sind.

Mit dem Titel „Das melancholische Mädchen“ ist ein solcher Film in die deutschen Kinos zurückgekehrt. Es ist schon beinahe überraschend, dass die Produktion von einer deutschen Nachwuchsregisseurin stammt. Dabei gelingt es gerade den Kino-Einsteigern immer wieder mit dem nötigen Abstand zum bewährten Storytelling schlichtweg Filme zu machen, die erfrischend anders und abwechslungsreich sind. Es fällt überraschend schwer, „Das melancholische Mädchen“ von Anfang bis Ende zu verfolgen. Susanne Heinrich ist die Macherin hinter dem Film. Sie arbeitet selbst als Schriftstellerin und hat neben dem Film jeweils zwei Erzählbände und Romane veröffentlicht. In „Das melancholische Mädchen“ stellt sie ihr Talent eindrucksvoll unter Beweis und zeigt einmal mehr, wie brüchig Geschichten sein können.

Protagonistin kämpft mit Schreibblockade

Maria Rathscheck spielt die Protagonistin. „Die Hauptdarstellerin ist selbst Schriftstellerin, befindet sich aktuell aber in einer Schreibblockade und hat über den ersten Satz des zweiten Kapitels hinaus noch nichts zu Papier gebracht. In dem Film begibt sie sich auf die Suche nach einem Schlafplatz, denn ihre aktuelle Wohnsituation gibt diesen nicht ohne Weiteres her“, weiß Ida Becker von Heimkinoheld zu berichten.

In 14 verschiedenen Episoden greift der Film gesellschaftlich wichtige Themen auf: So wird die Hauptdarstellerin mit Depressionen konfrontiert, setzt sich mit dem Rückzug der Frauen auseinander und begegnet der Mutterrolle. Aber auch der Selbstoptimierungswahn sowie die Auswüchse der Warenwelt werden in einzelnen Episoden aufgegriffen und finden sich in Settings wieder, die beinahe übertrieben stilisiert sind. Die Szenenbilder erinnern ein wenig an die verschiedenen Werbespots, die bei den Zuschauern sonst eher für Frustration sorgen.

Die Protagonistin wirkt in dem Film immer ein wenig abwesend. Durch die 14 Episoden plaudert sie sich beinahe vollkommen ohne jede Äußerung von Emotionen. Sie trifft in den verschiedenen Geschichten auf unterschiedliche Charaktere. Meistens handelt es sich um Großstadt- und Profilneurotiker. Wenn sie ihnen mit ihrer zynisch-depressiven Art ihre Geschichte erzählt, arbeiten die Macher dahinter mit diversen Frontalaufnahmen. Durch diese Aufnahmen entsteht immer das Gefühl, dass sie als Hauptdarstellerin in erster Linie Selbstgespräche führt.

Experimentelle Komödie mit hohem Unterhaltungswert

Natürlich ist „Das melancholische Mädchen“ ein vollkommen anderer Film; doch die Entscheidung dafür haben die Macher dahinter bewusst getroffen. Letztlich ist hier auch eine Komödie entstanden, die einen gewissen Witz hat und zugleich durch experimentelle Dinge auffällt. Die Komödie versteht sich darin, zwischen den verschiedenen Genres hin und her zu springen. So zeigt sie sich mit einem Anflug von Satire, erinnert oft aber auch an einen Popsong.

Der Film ist frisch, poppig und zugleich auch einfach unheimlich verspielt. Umso überraschender ist es, dass die Produktion mit einem extrem knappen Budget umgesetzt wurde: Rund 25.000 Euro standen zur Verfügung. Der Qualität der Produktion tut das keinen Abbruch. Diese ist unumstritten gut und zeigt, dass Kino heute eben auch noch ganz anders aussehen kann. Dabei wird mittlerweile in der Tat vieles darangesetzt, um genau solche Produktionen aus der deutschen Kinowelt zu verbannen. Umso erfreulicher, dass es „Das melancholische Mädchen“ auf die große Leinwand geschafft hat!

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