Dokka 3

Kino & Film // Artikel vom 24.05.2016

Die dritte Ausgabe von Deutschlands erstem Dokumentarfestival könnte auch die letzte sein.

Sollten die angekündigten Kürzungen der städtischen Zuschüsse amtlich werden, gibt es zumindest 2017 kein „Dokka“. Gespräche über einen möglichen zweijährigen Turnus laufen, dazu müssten allerdings die Gelder zweier Festivals gebündelt werden. 9.000 Euro gab es fürs laufende Jahr, auf Dauer so nicht haltbare 10.000 Euro haben die Macher um Vereinsvorstand Nils Menrad durch Sponsoren und Stiftungen bislang selbst zusammengetragen und ohne die mit rund 50.000 Euro bezifferte ehrenamtlich geleistete Arbeit wäre das Festival ohnehin nicht denkbar. „Dokka 3“ eröffnet in der ebenfalls akut gefährdeten Kinemathek mit dem Dokumentarfilm „Les Sauteurs (Those Who Jump)“ (Di, 24.5., 19 Uhr), der den Malier Abou Bakar Sidibé beim Versuch beobachtet, die Grenzanlage nahe der spanischen Enklave Melilla zu überwinden.

Das Programm der vier Folgetage spiegelt vielfach die weltpolitische Lage wider: „Arlette. Mut ist ein Muskel“ (Sa, 28.5., 19 Uhr) filmt eine 15-jährige Zentralafrikanerin, deren Kriegsverletzung in Deutschland behandelt wird; „Hostages To Misfortune“ (Sa, 28.5., 17 Uhr) porträtiert das syrische Paar Leila und Selim samt ihrer sieben Kinder im jordanischen Flüchtlingscamp Zaatari; „MyEscape“ (Fr, 27.5., 19 Uhr) zeigt Refugee-Schicksale von Syrern, Afghanen und Eritreern aus der Handy-Video-Sicht und „Souvenirs de la Géhenne“ (Fr, 27.5., 17 Uhr) rekonstruiert aus dem Protokoll des Strafverfahrens einen rassistisch motivierten Mord in Frankreich. „Zeltstadt-Projektionen“ (Do, 26.5., 14 Uhr, Architekturschaufenster) heißt Shpresa Faqis Installation, die das Alltagsleben der Flüchtlinge in Kassel-Calden zeichnerisch festgehalten hat, weil Kameras dort nicht zugelassen sind, und „Dokument: Hoyerswerda – Frontex“ (Sa, 28.5., 15.30 Uhr, Hintere Kaiserpassage) konfrontiert Archivmaterial der Anschläge von 1991 mit aktuellen Aufnahmen der Grenzschutzorganisation.

Außerdem sehenswert: „Die Geträumten“ (Do, 26.5., 19 Uhr), der über den Briefwechsel zwischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann und Lyriker Paul Celan Hörspiel und filmische Dokumentation vereint, „Procedere“ (Do, 26.5., 17.30 Uhr) aus dem Archivschrank der Karlsruher ARD-Redaktion von „Recht und Justiz“ sowie der Sachsen-Anhalts Polizeischüler durchs ers­te Ausbildungsjahr begleitende Kinofilm „Staatsdiener“ (Do, 26.5., 21.15 Uhr).

Eine von sechs Hördokumentationen ist „P=ϕ(ABγ) – Ein Schuldenwiderstandsoratorium“ (Mi, 25.5., 21.15 Uhr), in dem internationale Schuldner mit Gläubigern und Politikern die globalen Finanzmärkte besingen; als Gratisdreingabe präsentiert „Warum...“ (Do, 26.5., 11 Uhr) die Gewinner des auf dokublog.de ausgeschriebenen SWR2-Kurzhördoku-Wettbewerbs. Und im Anschluss an die Preisverleihung (Sa, 28.5., 21.15 Uhr) gibt’s bei der Festivalparty (22 Uhr, Iuno) mit DJ Monsieur U für alle etwas zu feiern! -pat

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