Dokka 7

Kino & Film // Artikel vom 30.09.2020

Die siebte Ausgabe der Karlsruher Dokumentarfestivals geht gezwungenermaßen mit der Corona-Zeit.

Und ist bis auf eine Ausnahme als reine Online-Ausgabe konzipiert. Um die 19 Programmpunkte anzusehen und anzuhören, wird ein Festivalpass benötigt, mit dem sich die ZuschauerInnen ihren Spielplan individuell zusammenstellen können. Die 23 Stunden Laufzeit umfassenden Wettbewerbsbeiträge spiegeln aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussionen wider; vor allem ökologische sowie soziale und sozioökonomische Themen sind in zahlreichen Arbeiten vertreten: „Bewegungen eines nahen Berges“ porträtiert in ruhigen Bildern einen Mechaniker, der Ersatzteile von Österreich in seine nigerianische Heimat exportiert. Der Film „Taste Of Hope“ öffnet die Türen einer Teefabrik, die von den Angestellten als Kooperative übernommen wurde.

„Kunst kommt aus dem Schnabel wie er gewachsen ist“ zeigt das detailgenaue Bild einer Berliner Behinderten-Kunstwerkstatt. „The Whale And The Raven“ thematisiert in beeindruckenden Landschafts- und Tieraufnahmen die durch eine Ölfirma bedrohte Arbeit zweier Walforscher in Kanada. Das Radiofeature „Die Kinder von Station 19“ sucht nach den Opfern einer Verwahrungspsychiatrie im Leipzig der 70er. Weitere Arbeiten befassen sich mit dem Hambacher Forst, dem ländlichen Strukturwandel, der wachsenden Immobilienknappheit oder blicken auf die Opiatkrise in den USA und deren Gefahren für Europa.

Wie so oft im Dokumentarischen spielt der Blick ins Private eine wichtige Rolle: In „100 und Mama“ spricht die Autorin des Radiofeatures 20 Jahre nach dem Zugunglück von Eschede mit ihren beiden Schwestern über jenen Tag, an dem ihre Mutter ums Leben kam. Neben den Film- und Tonarbeiten stehen im Vorfeld von der Auswahlkommission um Festivalleiter Nils Menrad geführte „Dokka-Talks“ mit allen Künstlern zum Abruf bereit. Um dem Publikum auch einen Austausch zu ermöglichen, finden an verschiedenen Abenden „Dokka-Treffpunkte“ (21.30 Uhr) via Zoom statt. Und „Dokka-Extra“ präsentiert Selbsterfahrungsvideos, die im Rahmen eines Online-Seminars an der KIT-Architekturfakultät entstanden sind. Der Gewinnerfilm wird am Mi, 14.10. um 19 Uhr in der Kinemathek gezeigt. -pat

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