Independent Days 16 Filmfest

Kino & Film // Artikel vom 30.03.2016

Weniger ist mehr.

Mit dieser Maxime hat sich das Karlsruher Low- und No-Budget-Filmfest zu einem der wichtigsten internationalen Festivals für hochwertige Independent-Filmproduktionen entwickelt. 144 Kurz- und Langfilme aus 37 Ländern werden bei der 16. Ausgabe präsentiert – so viele wie nie zuvor! Genreübergreifende Appetithäppchen liefert das „Filmfest Opening“ (Mi, 30.3., 17 Uhr); dann warten die thematisch geordneten Filmblöcke auf Publikumssegen und Preisregen.

No-Budget-Wettbewerb
Diese 31 Wettbewerbsbeiträge sind quasi aus dem Nichts entstanden: „Ich, die Medien und die Welt“ (Mi, 30.3., 21.15 Uhr) beschäftigt sich vornehmlich mit den Auswüchsen des digitalen Zeitalters. Guantanamo Babys, mittelose Iraner-Kinder, ein Teenie mit Milchdrüsen-Dysfunktion und andere traurige Gestalten bevölkern die „Bad Lifelines“ (Do, 31.3., 21.15 Uhr) und auch die kausalen Wirkkräfte des „Butterfly Effects“ (Fr, 1.4., 21.15 Uhr) verheißen selten Gutes. Welchem Film das Publikum am meisten abgewinnen konnte, offenbart sich beim No-Budget-Finale (Sa, 2.4., 19.15 Uhr), dessen Sieger die „Goldene ID“, den mit 500 Euro dotierten „Filmpreis der Stadt Karlsruhe“, entgegennehmen darf. Auf der anschließenden „Independent Nights“-Filmparty (21 Uhr, Die Stadtmitte, mit ID-Ticket Eintritt frei) haben dann aber alle was zu feiern!

Low-Budget-Wettbewerb
Gleichfalls in drei Blöcken starten die 18 Anwärter auf den mit 1.000 Euro dotierten „Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe“: Die Kinners aus „Kids“ (Mi, 30.3., 19.15 Uhr) sind mitunter alles andere als unschuldig und können sich schon mal als Sensenmännchen entpuppen. Nicht zwingend tödlich, aber immer überraschend enden die „Short Goodbyes“ (Do, 31.3., 19.15 Uhr), zu denen der mit einem „Student Academy Award“ in der Kategorie „Bester ausländischer Film“ prämierte „Sadakat“ gehört, bevor nach dem herzschmerzenden „Bittersweet Love“ (Fr, 1.4., 19.15 Uhr) auch der Low-Budget-Block ins Finale (So, 3.4., 19 Uhr) einzieht. Die Zeit zur Stimmauszählung schafft Spielraum für den fünften „Film- & Vision-Schul-Contest“: „Wären doch bloß alle Schüler Zombies!“ heißt der von Achtklässlern des Rüppurrer Max-Planck-Gymnasiums zusammen mit Filmemacher und Medienpädagoge Holger Metzner produzierte nicht ganz genretypische Untoten-Vertreter.

Freies Kurzfilmprogramm
Keinen Deut weniger Unterhaltungswert als die Wettbewerbsbeiträge haben die außer Konkurrenz laufenden Kurzfilme: In jeder Hinsicht abgedreht sind die Protagonisten aus „Auf der Couch / Patchwork Families And Psychofreaks“ (Mi, 30.3., 23.15 Uhr) und bei „Chaos im System“ (Fr, 1.4.,15.15 Uhr) geht’s ebenso drunter und drüber. Wie das vermeintlich schwache Geschlecht seinen Mann steht, zeigt „Strong Women In A Crazy World“ (Do, 31.3., 15.15 Uhr) und hinter „Hidden Secrets“ (Fr, 1.4., 17.15 Uhr) lauern fünf dunkle Geheimnisse. Erstmals en bloc: „Best Microfilms“ (So, 3.4., 15 Uhr). Und weil es besonders herausfordernd ist, eine Geschichte in maximal fünf Minuten zu erzählen, wird der „Best Of The Best“ bei der von Markus Brock moderierten abschließenden Preisgala zusammen mit dem „Newbie-Award“ für den „Besten Erstlingsfilm“, dem „Female Award“ für die „Beste weibliche Regiearbeit“ und dem „Indie-Award“ für den „Besten Feature Film“ ausgezeichnet und erhält darüber hinaus noch 500 Euro. Unter variierenden Titeln obligatorisch im ID-Programm: „Modern Love Stories“ (Sa, 2.4., 13 Uhr), „Die große Trickfilmshow“ (17 Uhr), „Die wundervolle Welt des Trashs!“ (21.15 Uhr) und die nicht jugendfreien „Horror Stories“ (Fr, 1.4., 23.15 Uhr), in denen diesmal Spukhäuser, mörderische Selfies und Kreaturen der Nacht umgehen.

Feature Film
Von der sechsköpfigen ID-Jury für den „Indie-Award“ als „Bester Feature Film“ nominiert sind der Thriller „Blink“ (Do, 31.3., 17.15 Uhr), das niederländische Brüderdrama „Lost In Laos“ (So, 3.4., 17 Uhr), der auf dem russischen Klassiker „The Hero Of Our Time“ beruhende „Pechorin“ (Sa, 2.4., 15 Uhr), die indische Produktion „The Answer“ (So, 3.4., 13 Uhr) über Guru Paramhansa Yogananda und „Dirty Games“ (Do, 31.3., 23.15 Uhr), in dem Benjamin Best aufdeckt, wie fifaesk es zugeht, wenn Basketball und Boxhandschuhe im Spiel sind. Außer Wertung: das bittersüße dänische Roadmovie „In-Between“ (Fr, 1.4., 13.30 Uhr) und für alle Volljährigen „Sleepwalkers“ (Sa, 2.4., 23.15 Uhr), der fünf todgeweihte College-Studenten auf einen Spring-Break-Trip in die Wälder Floridas schickt.

Workshops
Neu im Festivalprogramm: kostenlose Workshops für alle Filminteressierten. Zur Wahl stehen „Storytelling im Kurzfilm“ (Fr, 1.4., 11.30 Uhr), „Microfilms – The Future Of Cinema“ (Sa, 2.4., 11.30 Uhr), „Videoclips – Erfolg im Zeitalter des Internets“ (So, 3.4., 12 Uhr, alle Schauburg) und der zwischen Schauspiel, Happening und Doku gratwandernde „Art Is An Expression Of Diversity“ (Do, 31.3., 11.30 Uhr, Filmhaus). -pat

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