Die Maler des Heiligen Herzens

Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 28.07.2022

Camille Bombois, Derrière le rideau, 1928, 81 × 59 cm

Sie waren Zöllner, Postbote, Gärtner, Haushälterin, Knecht und Jahrmarktringer.

Und nebenbei machten sie Kunst. 1928 kuratierte der Kunstkritiker Wilhelm Uhde die Ausstellung „Maler des Heiligen Herzens“ in Paris und zeigte dort Kunst von AutodidaktInnen. Uhde, der bereits frühe Werke von Pablo Picasso ausstellte, empfand den Kunstbetrieb seiner Zeit als aufgeblasen, „verbildet“ und kommerziell. In den Arbeiten von nichtakademisch ausgebildeten Künstlern sah er mehr Authentizität, mehr „Menschentum“, als in den von Kanon, Trends und Markt geprägten Werken des Kunst-Establishments.

Die Ausstellung im Museum Friedrich Burda rekonstruiert den Kreis um Uhde anhand von fünf wichtigen Personen: Louis Vivin, André Bauchant, Séraphine Louis, Camille Bombois und als bekanntester Künstler Henri Rosseau. Ihre Malereien zeugen von Sehnsüchten nach einem freien Leben jenseits ihrer bürgerlichen Realität. Diese drücken sich aus in Naturidyllen, verklärten Stadtszenen, mythologischen Motiven, Stillleben, aber auch lustvollen Beobachtungen der Halbwelten von Zirkus und Bohème. Oft belächelt, erfährt diese „Outsider Art“ durch die Ausstellung im Burda-Museum jetzt eine neue Wertschätzung. -fd

bis 20.11., Museum Frieder Burda, Baden-Baden

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