Heinz Mack

Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 01.10.2023

Heinz Mack (Foto: Felix Grünschloß)

Lichtfäden tanzen über die Verstrebungen in der Höhe.

Pulsierende Gewebe aus Hell und Dunkel erinnern an die vagen Schemen von Ultraschallbildern. Die Lichthöfe strahlen eine ungewohnte Ruhe aus, trotz all der sich drehenden und flimmernden Objekte, all das Licht, was in unterschiedlichen Schattierungen die Räume bevölkert. Bereits die ersten Eindrücke der Ausstellung „Mack im ZKM“ machen erlebbar, was der Künstler in verschiedensten Medien umkreist: die Immaterialität. Dabei ist Heinz Mack dem Physischen in seiner Materialität stark zugewandt.

Die Verbindung von Natur, Mensch und Technik bereits in den 50ern suchend, war es das Licht, das ihn am meisten interessierte. Mit neuen Materialien wie Aluminium, Acrylglas oder Linsen, die für die Weltraumforschung konzipiert wurden, experimentierte er damit, der ausstrahlenden Energie eine Möglichkeit des Ausdrucks zu schaffen. Die Gruppe Zero, die Mack zusammen mit Otto Piene 1957 gegründet hat, wälzte bisherige Kunstbegriffe um.

Frühe minimalistische Malereien wandeln sich in monochrome Reliefs aus Alu, eingedrückt, bis sich eine Struktur bildet. Durch die Veränderung der eigenen Position und des Lichts im Raum scheint es, als würde sich das Objekt an der Wand bewegen. Diese frühen Impulse wurden mit großer Experimentierfreude immer stärker in den Raum gebracht, quadratische Rotoren, „Licht-Dynamos“, gebaut, die mit kinetischen Prinzipien Zeit sichtbar machen; Räume, die an einen Sonnenaufgang oder eine erleuchtete Felswand erinnern.

Und – es geht raus. In der Weite der Wüste ist Raum und Sonnenlicht in purer Form zu erleben. Das Sahara-Projekt, 1968 erstmals realisiert, ist ein Pionierwerk der europäischen Land-Art. Der zweite Lichthof ist ganz davon eingenommen, eine große Sandfläche, ein Wasserkreuz, spiegelnde Objekte und viele Leuchtkästen lassen in die erhaben-schöne Welt von Sand und Sonne eintauchen. Die Ausstellung führt in zehn Kapiteln durch Macks Lichtkinetik und großformatige Installationen, die teils neu rekonstruiert und inszeniert wurden. Ein Tipp, besonders für den ersten Lichthof: Schritt für Schritt erkunden, langsam, denn die eigene Position verändert alles. -sb

bis 7.4.24, ZKM-Lichthof 8+9, Karlsruhe

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