„Kunst ist der Heilige Geist“

Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 10.03.2011

Das INKA-Interview mit „art“-Kurator Ewald Karl Schrade.

Seit 35 Jahren ist Ewald Karl Schrade Kunsthändler mit Galeriensitz in Karlsruhe und Schloss Mochental bei Ulm, im achten Jahr „art“-Kurator. Mit Patrick Wurster sprach er über regionale Verwurzelung, internationale Anerkennung und Karlsruhe als „Drehscheibe der Kunst“.

INKA: Jahr um Jahr übertrifft sich die „art“ in Sachen Besucher. Wie lange können Sie Ihre selbstgewählte Doktrin, nicht weiter wachsen zu wollen, aufrecht halten?
Ewald Karl Schrade: So lange, wie ich diese Messe mache. Wenn wir zulegen, dann nur in der Qualität. Noch mehr Aussteller würden den Rahmen sprengen. Bereits im vergangenen Jahr habe ich gesagt,
dass die Wachstumsgrenze erreicht wurde. Das gilt. Die Messe ist in Umfang wie Wegführung perfekt.

INKA: Immer mehr Galerien drängen auf die „art“. Aus rund 350 Bewerbungen wählte das Kuratorium knapp über 210 Aussteller. Wird diese Wahl angesichts der angebotenen Qualität nicht immer mehr zur Qual?
Schrade: Heute sind wir auf dem Stand, dass es für viele Galerien zum Usus gehört, auf der „art“ vertreten zu sein. Bis zu 85 Prozent der Aussteller kommen wieder. Und über diese Entwicklung bin ich natürlich sehr glücklich – schließlich ist Karlsruhe aus dem Nichts zum vielbeachteten Kunsthandelsplatz geworden. Gespannt sein darf man auf die Neuzugänge Samuelis Baumgarte, die Galerien Hilger und Leu sowie die East2Gallery. Allerdings gibt es durchaus noch Häuser, für deren Teilnahme ich nach wie vor werbe.

INKA: Lässt sich das Erfolgskonzept auf erlesene, weitgehend mehrheitsfähige und bezahlbare Kunst herunterbrechen?
Schrade: Basis für den Erfolg ist neben der Qualität die regionale Verwurzelung, für die wir anfangs belächelt wurden. Sie ist mir ebenso wichtig wie internationale Anerkennung. Und die „art“ hat sich auch einen Namen gemacht, weil die Skulptur gleichwertig zur zweidimensionalen Kunst behandelt wird.

INKA: Mit Camera Work, der Berliner Galerie für Fotografie, konnten Sie ein weiteres Highlight als Sonderschau akquirieren. Was erwartet die Besucher bei „Fashion – Modephotographie aus neun Jahrzehnten“?
Schrade: Eine hochklassige Sammlung mit 150 Lichtbildern aller Fotografen, die Rang und Namen haben: von Edward Steichen, Man Ray, Brassaï, Horst P. Horst, Irving Penn, Helmut Newton und Peter Lindbergh bis zu David Drebin.

INKA: „Permanent Trouble“ ist der Titel der zweiten Sonderausstellung. Was bringen die Münchner Sammler Annette und Herbert Kopp in die dm-arena?
Schrade: Hohe Kunst und niedrige Gefilde. Aufregende, aufrührende und bisweilen auch verstörende Arbeiten von ehemaligen Außenseitern wie Philip Guston, Andreas Hofer, Mike Kelley, Paul McCarthy und Jonathan Meese.

INKA: Zum dritten und letzten Mal gibt sich die „Art From Berlin“ ein Stelldichein. Wie lautet Ihr Fazit?
Schrade: Der „Berliner Block“ hat einen großen Beitrag zur Vervollständigung der „art“ geleistet. Nun läuft die Förderung durch den Berliner Senat aus, die Rechnung ist aufgegangen: Die im „Berliner Block“ vertretenen Galerien Hunchentoot, Sandmann sowie Wagner+Partner haben sich dieses Jahr erstmals zu einer eigenständigen Teilnahme entschlossen.

INKA: „Drehscheibe der Kunst“ ist das aktuelle Motto. Ein deutlicher Verweis auf die Universalität der „art“, während andere Messen spezialisiert und nur für eine bestimmte Klientel interessant sind?
Schrade: Ich habe beim Konzept immer auf den Dialog von Alt und Neu, Malerei und Skulptur geachtet. Das Bild der Drehscheibe steht aber auch für Lebendigkeit, für eine Kunst in Bewegung. Früher wäre ein solcher Slogan vermessen gewesen, heute können wir so selbstbewusst auftreten. Wir sind elitär, aber nicht überheblich.

INKA: Inwieweit sehen Sie die „art“ auch als Kunstvermittler?
Schrade: Das erste Kunstwerk ist immer das schwerste. Wir wollen Besuchern die Scheu vor dem Kauf nehmen. Aber auch wenn jede Kunst ihren Preis hat, sollte man sich identifizieren, aus Emotionalität kaufen. Abgesehen davon engagieren sich bei uns neben den Galeristen alle Kulturträger – Akademie, Kunstverein, Museen und Verbände. Die von Kollegialität und Solidarität getragene „art“ bündelt diese Kräfte. Kunst kennt keine sprachlichen oder territorialen Grenzen. Insofern wirkt sie nicht nur anregend, sondern auch verbindend. Die Kunst ist der Heilige Geist im Leben. Sofern man denn eine gute Meinung vom Heiligen Geist hat.

Do-So, 10.-13.3., 12-20 Uhr, So 11-19 Uhr, Messe Karlsruhe, Eintritt: Tageskarte 16 Euro (erm. 12 Euro), Abendkarte ab 17 Uhr 10 Euro, 2-Tageskarte: 24 Euro (erm. 20 Euro), 3-Tageskarte: 30 Euro, Gruppe (ab 10 Pers.) je 12 Euro, art-Nacht: Sa, 12.3., 20-24 Uhr, Eintritt: mit art-Ticket hausübl. Erm., mit VIP-Ticket freier Einlass, After-art-Party: Sa, 12.3., 22-5 Uhr, Café Max, Eintritt: 5 Euro
www.art-karlsruhe.de

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