Renaissance 3.0

Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 01.04.2023

Renaissance 3.0 (Foto: Sabine Adler)

Spinnen verfügen über einen schlechten Seh-, aber dafür äußerst ausgeprägten Tastsinn.

Durch Erschütterungen, die sie durch ihre Netze senden und empfangen, gewinnen sie ihr Bild der Welt. Die Netzarchitektur von Spinnentieren diente Tomás Saraceno als Vorbild für dessen Klanginstallation: Ein großer, weißer Raum, durchzogen von schwarzer Schnur – ein begehbares Saiteninstrument, an dessen Knotenpunkte die BesucherInnen zupfen dürfen, um es zum Erklingen zu bringen. So ertönen unterschiedliche Harmonien im Rahmen einer gemeinsamen Jamsession. Wie gut sich Kunst und Wissenschaft ergänzen und wie ästhetisch Wissenschaft inszeniert werden kann, zeigt die Ausstellung „Renaissance 3.0“ – die letzte vom künstlerisch-wissenschaftlichen Leiter Peter Weibel konzipierte.

Ausgehend von der arabischen und der italienischen Renaissance zeigt die Werkschau, wie Künstler und Wissenschaftler im digitalen 21. Jh. arbeiten; nämlich mit den gleichen Werkzeugen, dem gleichen „Pool Of Tools“, wie Weibel es bezeichnet. Tools können in diesem Zusammenhang nicht nur Apparate sein wie Mikroskope oder Messgeräte, sondern auch wissenschaftliche Methoden und innovative Technologien aus den verschiedensten Disziplinen. So basieren die gezeigten Kunstwerke bspw. auf Erkenntnissen der Biochemie, Mathematik und der Neurowissenschaften. Ein zentrales Element im Ausstellungsraum bildet ein interaktives Wissensfeld, ein „begehbares Buch“. Besucher können inmitten der Ausstellung Begriffe, die von Beamern auf den Boden projiziert werden, mit ihren Schritten ansteuern und sich genauer erläutern lassen. Es entsteht eine experimentelle Kollaboration zwischen Mensch und Maschine; eine interaktive Installation, bei der menschliches und maschinelles Lernen in Aktion zueinander treten.

Zwischen Laborsituationen, Ästhetisierung der Wissenschaft und dem Vergleich der menschlichen und der von Menschen gemachten Evolution werden in „Renaissance 3.0“ Arbeiten von 35 Künstlern gezeigt: Ein Industrieroboter zeichnet ein Panorama der Mars-Oberfläche, Fische werden mit Röntgenstrahlen durchleuchtet und auf Papier gebracht, Plankton wird in makroskopischen Filmaufnahmen mit Sounds hinterlegt und aus kultivierten Algen mithilfe eines 3D-Druckers gewonnene Skulpturen präsentiert. Alle ausgestellten Werke ziehen Verbindungslinien zu historischen Wissensfeldern und beschäftigen sich intensiv mit innovativen Forschungsbereichen. So lädt die interaktive Ausstellung auf vielfältige Art zum gemeinsamen Entdecken, Erkennen, Erforschen und Experimentieren ein. -sab

bis 7.1.24, ZKM-Lichthof 1+2, Karlsruhe

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