art Karlsruhe 2014

Kunst & Design // Artikel vom 11.02.2014

Von Karlsruhe in die Welt – Sonderschauen auf der „art Karlsruhe“.

So könnte man Ewald Schrades Ausspruch zum Standort Karlsruhe interpretieren. Immer wieder werden – von Ausstellern und Besuchern gleichermaßen – die Luftigkeit der Hallen, die möglichen Ausblicke nach draußen und die Integration von Skulpturenplätzen als besonders angenehm hervorgehoben. Besonders ist außerdem, dass nicht nur Galerien die Arbeiten der von ihnen vertretenen Künstler zum Verkauf anbieten, sondern dass gleichzeitig einzelne Sammler und herausragende Künstler mit eigenen Ausstellungen geehrt werden.

In den vergangenen Jahren konnten so hochkarätige Arbeiten aus der Sammlung von Rüdiger Hurrle, Harald Falckenberg, Gunter Sachs und Marli Hoppe-Ritter bestaunt werden. Gleichzeitig sollen diese kuratierten Präsentationen Anregung dazu sein, selbst möglichst früh Kunst zu sammeln und auf diese Weise die Liebe zur ihr zu vertiefen. In diesem Jahr ist nun die Sammlung Nannen in Halle 1 („Limited“) zu Gast.

Eske Nannen, die Witwe des „Stern“-Gründers Henri Nannen, traf selbst die Auswahl unter den von ihm „immer aus dem Bauch heraus“ gekauften Kunstwerken. Dabei sammelte der 1996 verstorbene Nannen, der im Dezember 2013 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, nicht nur die Expressionisten, sondern auch Kunst der Glasnost-Zeit. Das entspricht durchaus seinem Anspruch, denn er war der Meinung, gute Kunst zeichne aus, dass sie „Antworten zu geben sucht auf die Urfragen unseres Seins.“ – Eine Tatsache, die jenseits des künstlerischen Stils zutreffend ist!

Parallel zur Nannen-Sonderschau wird die „Contemporary Art“-Halle (Halle 4) zur Aktionsfläche der Stuttgarter Medienkünstlerin und Bühnenbildnerin Rosalie, wenn diese ihre Lichtskulptur „LightScapes“ präsentiert. Wer die verschiedenen Arbeiten, die Rosalie für das ZKM realisierte, kennt, der ahnt schon, was den Besucher erwartet: ein dreidimensionales Illusionsgebilde, das in permanenter Verwandlung Malerei, Grafik, Plastik, Skulptur und Architektur gleichermaßen interpretiert und mithilfe von Licht, Farbe, Form, Bewegung und Rhythmus eine immaterielle Lichtlandschaft entstehen lässt. Der Holografie vergleichbar wird die Matrix aus Licht über mehrere Ebenen generiert – damit schlägt Rosalie auch einen Bogen in die Stadt, gerade ins ZKM, wo nämlich derzeit Holografien aus der hauseigenen Sammlung präsentiert werden (bis 5.10.).

One-Artist-Shows, Preise, Kunst-Talk
Es ist ein besonderes Wagnis, auf einen einzigen Künstler zu setzen, sich zur Messe ausschließlich auf diesen zu konzentrieren und das übrige Galerieprogramm dafür in den Hintergrund rücken zu lassen. Denn letztlich geht es bei aller Stimmigkeit, Atmosphäre und kollegialen Solidarität für die sich präsentierenden Galerien auch ums Geldverdienen. Der Vorteil liegt trotzdem auf der Hand: Der eine Künstler kann ins rechte Licht gesetzt, besonders hervorgehoben und damit herausragend präsentiert werden. 160 Künstler und ebenso viele One-Artist-Shows gibt es. Diesem speziellen Wagnis trägt die „art Karlsruhe“ insofern Rechnung, dass sie jährlich die beste Einzelausstellung auszeichnet (Fr, 14.3., 17 Uhr). Preisgeld, ein Ankauf für die „art Karlsruhe“-Collection und öffentliche Wahrnehmung für Galeristen und Künstler gleichermaßen inklusive. Schon zum siebten Mal wird auf der art zudem der Hans Platschek-Preis vergeben, der Künstler mit Arbeiten an der Schnittstelle von Kunst und Schrift auszeichnet. In diesem Jahr wird er an die Züricher Künstlerin Sandra Boeschenstein verliehen, die mit ihren zeichnerischen Traumwelten die Ränder menschlicher Wahrnehmung ausleuchtet (Do, 13.3., 17 Uhr).

Bühne frei für die Skulptur
21 Galerien und ebenso viele Skulpturenplätze sorgen dafür, dass die Bildhauerei in Halle 2, 3 und 4 ins rechte Licht gerückt wird. Dabei sind Arbeiten aus Holz und Bronze, aber auch dreidimensionale Szenarien zu entdecken. Karl Friedrich Rennertz wird beispielsweise von der Berner Galerie Rigassi präsentiert, Schloss Mochental zeigt Arbeiten von Erich Hauser (Halle 2). Nachdem letztes Jahr die Bad Homburger Galerie Scheffel mit Auto-Skulpturen von Stefan Rohrer für Aufsehen sorgte, zeigt sie nun Tier-Skulpturen der besonderen Art von Laura Ford und die an überdimensionierte Handschmeichler erinnernden großformatigen Arbeiten von Masayuki Koorida (Halle 3).

Artima art meeting
„Malerei – mehr als ein immer wiederkehrender Trend?“ ist der Titel des diesjährigen, von Carl Friedrich Schröer moderierten Kunst-Talks, der mittlerweile fest zur „art Karlsruhe“ gehört. In insgesamt sechs Gesprächen, verteilt auf zwei Tage, kommen Sammler, Kuratoren und Künstler zu Wort und reflektieren den art-Schwerpunkt ebenso wie das jüngste Revival des traditionsreichen Mediums. Den Anfang macht Eske Nannen am Donnerstag, 13.3. um 14 Uhr, während am Freitag neben dem Sammler Paul Maenz auch der künstlerische Leiter der documenta 12, Roger M. Buergel, und der Künstler Franz Ackermann zu Wort kommen. -ChG

Do-So, 13.-16.3., 12-20 Uhr, So 11-19 Uhr, Messe Karlsruhe, Eintritt: Tageskarte 18 Euro (erm. 14 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei), Abendkarte ab 17 Uhr (So ab 16 Uhr) 12 Euro, Zweitageskarte 26 Euro (erm. 22 Euro), Dauerkarte 32 Euro (erm. 28 Euro), Shuttle-Bus Do-Sa 12-20 Uhr und So 11-19 Uhr kostenfrei ab/bis Hbf im 20-Minuten-Takt und über ZKM/Kunsthalle im Stundentakt (Fotos: art Karlsruhe - Jürgen Rösner)
www.art-karlsruhe.de

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