art Karlsruhe 2015

Kunst & Design // Artikel vom 15.02.2015

„Wo sich Kunst trifft“ lautet das Motto der „art Karlsruhe“ 2015.

19 Skulpturenplätze und 160 One-Artist-Shows zeigen nach bewährtem Konzept die Wichtigkeit und Vielfalt der zeitgenössischen Bildhauerei, präsentieren aber auch singuläre Positionen im Kunstbetrieb. Zum achten Mal bereits wird der „art Karlsruhe“-Preis für die überzeugendste One-Artist-Show verliehen, ein Preis, der gleichermaßen Künstler und Galerist ehrt und aus dessen Mitteln die „art Karlsruhe Collection“ in der Städtischen Galerie ein weiteres Kunstwerk erhält (Fr, 6.3., 17 Uhr). Ebenfalls zum achten Mal wird auch der „Hans Platschek-Preis für Kunst und Schrift“ verliehen (Do, 5.3., 17 Uhr), der dieses Jahr an Rikuo Ueda geht. Der japanische Künstler beschäftigt sich seit einer Weltreise Anfang der 70er Jahre mit Wind, den er mit Installationen und Zeichnungen vom Naturphänomen in Kunst transformiert.

Um die Orientierung innerhalb der Hallen zu verbessern, wurde nicht nur der Hallenplan mit farbigen Markierungen versehen; darüber hinaus führte Ewald Schrade mit dem Beirat zusammen auch den Begriff der „Modernen Klassik“ als Bindeglied zwischen Klassischer Moderne und der Gegenwartskunst ein. So lässt sich das 20. Jahrhundert gut in drei sowohl in die Zeit vor 1900 als auch in die ersten Nullerjahre ausgreifende Epochen unterteilen, die sich aber durchaus überschneiden. Impressionismus und Expressionismus als Aufbruch in die Abstraktion kann so abgegrenzt werden zu den Positionen der ersten Nachkriegszeit und zur etablierten Gegenwartskunst sowie zu den ganz aktuellen, noch nicht museal abgesicherten künstlerischen Experimenten.

Embedded Journalism & coole internationale Kunst
Robert Capa besuchte die Kriegsschauplätze des beginnenden 20. Jahrhunderts als Fotoreporter, schuf ikonische Bilder des spanischen Bürgerkriegs, dokumentierte den chinesischen Aufstand gegen die japanische Besatzung und begleitete fotografisch die Landung der Alliierten in der Normandie. Er starb 1954 in Indochina durch eine Landmine. Seine Bilder haben ikonische Qualitäten, weil sie schlagwortartig einen Krieg mit einem Foto verbinden. Das Robert Capa Center, 2013 in Budapest gegründet, und das Ungarische Nationalmuseum sind neben zwei Fotogalerien zu Gast auf der „art Karlsruhe“. Nach Fotografien aus der Sammlung von Arthur de Ganay, Modefotografie aus dem Bestand von Camera Work Berlin und den Fotografien von Gisèle Freund ist Robert Capa jetzt ein weiterer Höhepunkt im musealen Begleitprogramm der art, das auch den Stellenwert der Fotografie innerhalb der zeitgenössischen Kunst
dokumentiert, für deren Etablierung sich Ewald Schrade seit Beginn der „art Karlsruhe“ einsetzte.
Nachdem im vergangenen Jahr der Blick gen Norden ging, die Sammlung Nannen aus Emden zu Gast war, präsentiert sich 2015 eine weitere umtriebige baden-württembergische Sammlung: Das Ehepaar Schaufler aus Sindelfingen betreibt seit 2010 auf dem Werksgelände ein eigenes Museum, dessen Ausstellungen immer wieder für Überraschungen gut sind. Der Titel der Sonderschau „Some like it cool“ bezieht sich einerseits auf das Kühltechnik-Unternehmen Bitzer, dessen Geschäftsführer Peter Schaufler ist, andererseits und ganz wesentlich auf die Kunstwerke selbst, die eine kühle Ästhetik aufweisen. Hauptwerke der Sammlung, aber auch bislang noch nie präsentierte Kunstwerke werden in Halle 1 zu entdecken sein, die natürlich auch Lust dazu machen will, das Schauwerk Sindelfingen und sein spannendes Ausstellungsprogramm zu besuchen (siehe unsere gesonderte Rezension im Kunstteil). Rund 30 Arbeiten, unter anderem von Gary Webb, Jason Martin, Sylvie Fleury und Imi Knoebel aus Metall und mit Spiegeln dokumentieren das Besondere der Sammlung Schaufler: Für das Sammlerpaar ist Ästhetik, das Schöne und Klare ein wichtiges Kaufkriterium.

Artima art meeting
Passend zur Privatsammlung von Peter und Christiane Schaufler ist der Titel des diesjährigen Kunst-Talks „Sammeln – mehr als eine Leidenschaft?“. Der Kunstjournalist Carl Friedrich Schröer moderiert neuerlich die öffentlichen Einzelgespräche mit prominenten Gästen, zu denen unter anderen die Sammler Marli Hoppe-Ritter und Friedrich E. Rentschler, der kunstsinnige Urheberrechtsanwalt Peter Raue, der Fernsehjournalist und Museumsleiter Walter Smerling sowie die FAZ-Kunstredakteurin Rosemarie Gropp zählen.

Karlsruher Galerien auf der „art Karlsruhe“
Fünf Karlsruher Galerien präsentieren sich mit ihrem Programm auf der diesjährigen „art Karlsruhe“; dass Meyer Riegger fehlt, dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass die Galerie auf der zeitgleich stattfindenden „Independent“ in New York und im Anschluss auf der Art Basel Hongkong zugegen ist. Trotzdem und was die „art Karlsruhe“ betrifft: Die Region an sich ist vom Mannheimer/Heidelberger Raum bis nach Straßburg und Basel gut vertreten. Und natürlich ist während der Messe auch innerhalb der Stadt einiges geboten: Gallery artpark zeigt nicht nur auf der art Norbert Huwer, sondern hat ihm eine Solo-Schau in der Galerie eingerichtet. Die Ausrichtung einmal auf Asien und zum anderen auf deutsche Künstler zeigt sich im art-Programm: Jeong Min Suh und Regina Draschl bestücken zusammen die One-Artist-Show. Bode präsentiert in diesem Format auf der art Emil Wachter, der zusammen mit Cristina Kahlo, Madeleine Heublein und vier anderen Künstlern unter dem Titel „7 Künstler – 7 Positionen“ in der Galerie gezeigt wird. Bei Knecht und Burster bekommt Irmela Maier die One-Artist-Show, in der Galerie sind aktuell Thaddäus Hüppi und Wilhelm Neusser ausgestellt. Michael Oess zeigte zuletzt in seiner Neue Kunst Gallery Arbeiten der österreichischen Künstlerin Billi Thanner, die 2014 mit der besten One-Artist-Show der „art Karlsruhe“ ausgezeichnet wurde; parallel zur art ist Nikolai Makarov zu sehen, den er zusammen mit Daniel Moriz Lehr als One-Artist-Show am Stand zeigt. Die Galerie Schrade, sowohl in Mochental als auch in Karlsruhe vertreten, zeigt am Skulpturenplatz Jörg Wiele und widmet die One-Artist-Show dem Aktionskünstler HA Schult, in der Karlsruher Dependance ist derweil die Gedächtnisausstellung zu K. J. Overkotts 90. Geburtstag zu sehen. Martin Mertens, mit seiner Projektgalerie MM Projects seit Anfang 2013 in Karlsruhe, ist auf der art mit seinem Berliner „Haupthaus“ und der Karlsruher Künstlerin Bettina von Witzleben vertreten; in der Galerie zeigt er derweil Radu Belcin. -ChG

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Kommentar von Sandra Friedrich |

Das sieht nach einer äußerst sehenswerten Ausstellung aus. Werde ich mal einplanen. Danke!

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