art Karlsruhe 2016

Kunst & Design // Artikel vom 18.02.2016

Mensch – Markt – Kunst lautet das Motto der 13. „art Karlsruhe“.

Sie hat sich etabliert, ist ein fester Bestandteil der Kunst-Reiseroute, die von Karlsruhe nach Maastricht, London, Basel und Köln führt. Und sie sorgt mit ihrer zentralen Lage in Mitteleuropa, den luftigen Hallen und den Skulpturenplätzen für große Zufriedenheit unter den Austellern und Sammlern gleichermaßen! Etliche der über 200 Galeristen aus 13 Ländern halten der „art Karlsruhe“ seit Jahren die Treue, aber auch Sammler schätzen die entspannte Atmosphäre und reisen deshalb gern ins Badische. Dass Kunst und insbesondere zeitgenössische Kunst mittlerweile als Geldanlage gesehen wird, schlägt sich in den Preisen nieder, die die Granden der Gegenwartskunst in Auktionen erzielen. Jenseits dessen konstatiert auch der TEFAF Art Market Report 2014, dass der Kunstmarkt bereits im Erscheinungsjahr des Reports ein absolutes Rekordhoch erreicht hat und die Klassische Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst noch zulegen.

Weltweit machen die Galerien mittlerweile gut 40 Prozent ihres jährlichen Umsatzes auf Messen – etwa 180 mit internationalem Fokus jährlich. Da fällt, so sollte man meinen, auch ein wenig auf jene Galeristen ab, die sich in Karlsruhe präsentieren, die nach dem Willen der Messe-Chefin Britta Wirtz (und damit dem Trend entsprechend) noch mehr den Fokus auf die Zeitgenossen legen, dennoch aber bei der klassischen Moderne stark bleiben. Um den Kunsthandel in Deutschland dreht es sich auch beim „Artima Kunstmeeting“ , das an zwei Tagen (18.+19.2., jeweils 14 Uhr) unterschiedliche Aspekte thematisiert: Ist die erste Gesprächsrunde den politischen Stolpersteinen wie Mehrwertsteuer, Folgerecht, Künstlersozialkasse und Kulturgutschutzgesetz gewidmet, geht es in der zweiten Podiumsdiskussion um die Sicht der Museen – bei nur geringen Ankaufsetats der „Öffentlichen“ und potenten privaten Mitstreitern im Wettbewerb um die Aufmerksamkeit des Kulturpublikums ein ganz aktuelles Thema!

Flankiert wird die theoretische Auseinandersetzung von zwei Sonderschauen, die aus beiden angesprochenen Feldern stammen: Die „Messmer Foundation“ aus dem südbadischen Riegel präsentiert Arbeiten von André Evard, einem Schweizer Pionier der konkreten Kunst, dessen Nachlass der Unternehmer Jürgen Messmer bereits 1978 hatte erwerben können. Das Kunstschaffen Evards changiert zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, wobei er stark beeinflusst wurde durch die Künstler des „De Stijl“ – allerdings verlor er während des Börsencrashs 1929 sein gesamtes Vermögen, was mit dazu beitrug, dass er (der nun nicht mehr reisen und an den avantgardistischen Zirkeln in Paris partizipieren konnte) zunehmend in Vergessenheit geriet. Mit der Eröffnung der Kunsthalle Messmer 2009 rückte das Werk Evards wieder ein wenig in den Fokus der Öffentlichkeit. Einen weiteren Avantgarde-Künstler zeigt die zweite Sonderschau, die das Kirchner Museum Davos präsentiert. Allerdings lenkt diese den Blick auf eine eher unbekannte Facette des expressionistischen Malers und Grafikers, denn gezeigt wird Kirchners fotografisches Schaffen.

Wie bereits im vergangenen Jahr gibt es in den vier Hallen die Unterteilung in „Klassische Moderne + Gegenwart“ (Halle 3), gepaart mit „Moderne Klassik + Gegenwart“ (Halle 2) – ein Wortpaar, dessen unterschiedliche Verwendung deutlich macht, dass die Moderne zwar zu Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt, etliche Künstler nach 1945 aber bereits zu modernen Klassikern geworden sind, ohne bis in die jüngste Gegenwart zu reichen: Man denke an die Künstlergruppe Zero, das Informel und den Tachismus, alles Kunstgattungen, die gerade stark im Kommen sind. Wer den Schwerpunkt auf heutiges Kunstschaffen legen möchte, ist dagegen bei „Contemporary Art 21“ (dm-Arena) gut aufgehoben, während bei „Fotografie & Original-Editionen“ (Halle 1) Kunstwerke zu Einsteigerpreisen dabei sein dürften.

Bewährt haben sich auch die beiden auf der Messe verliehenen Preise, der „art Karlsruhe“-Preis für die beste One-Artist-Show sowie der Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift, der mittlerweile schon zum neunten Mal verlieren wird. Nominiert ist für 2016 der in München lebende amerikanische Künstler Justin Almquist, dessen Zeichnungen irgendwo zwischen Comic, Gesellschaftskritik und Satire anzusiedeln sind. Almquist, der 2012 Artist in Residency in der von Donald Judd begründeten Chinati Foundation in Marfa/Texas war, thematisiert in seinen Zeichnungen gesellschaftliche Themen wie Alkoholismus, Nacktheit und sozial abweichendes Verhalten. Oft transferiert er diese in den Bereich des Ameisenstaats – diese können dann auch zum Turnschuh mutieren oder Auto fahren. Die Ameise, der bessere Mensch? -ChG

Do-Sa, 18.-20.2., 12-20 Uhr, So, 21.2., 11-19 Uhr, Messe Karlsruhe, Eintritt: Tageskarte 20 Euro, im Vorverkauf 18 Euro (erm. 16 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei), Abendkarte ab 17 Uhr (So ab 16 Uhr) 14 Euro, Zwei-Tages-Karte 28 Euro (erm. 24 Euro), Dauerkarte 34 Euro (erm. 30 Euro), Familienkarte 44 Euro
www.art-karlsruhe.de
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