art Karlsruhe 2017

Kunst & Design // Artikel vom 16.02.2017

Viel Kunst in lichtdurchfluteten Hallen und großzügige Standzuschnitte, die den Galerien museale Präsentationen ermöglichen, gehören zu den Erfolgsgeheimnissen der inzwischen drittwichtigsten Kunstmesse im deutschsprachigen Raum.

Um ihre Internationalität zu stärken, wurde sie vom angestammten März-Termin auf den Februar vorverlegt, was den Messe-Machern gleich 30 Neuzugänge bescherte. Der in Frankfurt, Erfurt und Jena Galerien betreibende Jörk Rothamel, der der „art Karlsruhe“ seit langem die Treue hält, schwärmt: „Karlsruhe ist weltweit einer der wenigen wirklich offenen, nicht durch Syndikate kontrollierten Kunsthandelsplätze. Es geht fair zu.“ Die Nähe zu Frankreich und der Schweiz sowie das Sammlerland Baden-Württemberg im Rücken machen Karlsruhe zu einem äußerst attraktiven Standort für die Messe. 211 Galerien aus elf Ländern wurden in diesem Jahr durch den Beirat ausgewählt, darunter sind Galerien aus dem europäischen Ausland, aber auch aus Fernost.

Majolika & Karlsruher Galerien
Insgesamt fünf Karlsruher Galerien – Artpark, Knecht und Burster, Meyer Riegger, Clemens Thimme und die Neue Kunst Gallery – schlagen zusammen mit den sich in Halle 1 präsentierenden Karlsruher Museen und der Majolika Manufaktur den Bogen in die Stadt hinein. Während artpark (H2/E31) in diesem Jahr auf der Messe überwiegend auf koreanische Künstler setzt, sind in seiner Galerie „in kleinem Format“ Norbert Huwer und vier weitere regionale Positionen zu sehen (bis 25.2.). Knecht und Burster (H3/F4) zeigen mit Hans Baschang (One-Artist-Show) und Franz Bernhard (Skulpturenplatz) die Generation der Nachkriegskünstler, während in ihrer Galerie mit „Kurzpassspiel“ drei junge Maler präsentiert werden (bis 4.3.). Meyer Riegger (H2/B09) hat u.a. Eva Kot’átková, Meuser und Daniel Roth dabei; die One-Artist-Show findet in der Galerie statt, wo er Daniel Knorr zeigt (bis 4.3.). In der Koje der Neuen Kunst Gallery (H2/D25) ist Igor Oleinikov (der aktuell eine Solo-Schau in der Galerie hat) ebenso zu finden wie die Pop-Artisten Van Ray und zir0. Die Majolika ist mit „ihren“ Künstlern vertreten. Dabei stehen Hannelore Langhans und Thaddäus Hüppi sicher für das Freche, das Keramik auch bedeuten kann. Mit Hirofumi Fujiwara und Stephan Balkenhol werden recht klassische bildhauerische Positionen in die weiche Materie übertragen, während Isa Dahl und Franziska Schemel für die malerischen Aspekte verantwortlich sind. Noch ein Karlsruher Maler, der von einer Kölner Galerie präsentiert wird: Als Mann der blauen Bilder könnte man Sandro Vadim bezeichnen, denn ein Großteil seiner Bilder ist in dieser Farbe gehalten. Der Karlsruher, der vor einiger Zeit ein INKA-Cover gestaltete, wird bei der Kölner Galerie Luzia Sassen (H4/L06) mit einer One-Artist-Show präsentiert.

Sonderschauen: Tomi Ungerer & Retour de Paris
Passend zum diesjährigen Programm wird einer der prominentesten regionalen Kunstsammler mit einer Ausstellung präsentiert: Der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth, der seit den 1960er Jahren Kunst sammelt, zeigt aus seiner opulenten Sammlung Tomi Ungerer mit Zeichnungen, Collagen und Objekten. Der überzeugte Europäer Ungerer, bekannt vor allem für seine teils bissigen Zeichnungen und Kinderbuch-Illustrationen, wird dieses Jahr von gleich zwei Sonderausstellungen flankiert, die einen Schwerpunkt setzen: „Retour de Paris“ feiert 2016 sein 30-jähriges Jubiläum. Aus den jährlich acht Stipendien, mit denen Künstler jeweils sechs Monate in Paris arbeiten können, wird anlässlich des runden Geburtstags ein Querschnitt gezeigt. Und angeregt durch Frank-Thomas Gaulin (Kunsthaus Lübeck) wird ebenfalls in Halle 1 eine „Sonderschau Druckgrafik“ präsentiert. Mit Druckgrafiken aus den an der „art Karlsruhe“ beteiligten Galerien soll der Brückenschlag zu den anderen Hallen gelingen.

Veranstaltungen auf der „art“
Das „Artima art Meeting“ greift in zwei Podiumsdiskussionen Themen auf, die aktuell in der Branche diskutiert werden. Am Do, 16.2. wird der „Bananensprayer“ Thomas Baumgärtel mit Meinrad M. Grewenig (Generaldirektor Weltkulturerbe Völklinger Hütte) und Ulrike Groos (Kunstmuseum Stuttgart) über „Malerei in politischen Zeiten“ diskutieren. Am Fr, 17.2. geht es dann um „Gestaltung in digitalen Zeiten“. Auf dem Podium sitzen neben Daniel Hornuff (HfG Karlsruhe) der Künstler Björn Melhus und Susanne Pfeffer (Kuratorin des deutschen Pavillons, Biennale Venedig 2017). Moderiert werden die um 14 Uhr in Halle 4 stattfindenden Diskussionsrunden von Carl Friedrich Schröer. Ebenfalls am Donnerstagnachmittag (17 Uhr) wird Jonathan Meese mit dem Hans Platschek-Preis für Kunst und Schrift ausgezeichnet. Das „enfant terrible“ des deutschen Kunstgeschehens, der 2011 mit seinem „Totalstkarlsruhe-Saalmanifest“ (aufgeschrieben am Morgen vor dem art meeting in der Badewanne) zur „Machtergreifung durch die Kunst“ aufgerufen hatte, wird für seine barock-opulente Lust, Sprache in aberwitzige Bildtitel zu überführen und sie für Manifeste zu verwenden, ausgezeichnet. Meese wird zudem am Freitag um 13 Uhr zum Artist Talk in der Lounge Foyer Ost anwesend sein. Eine wahre Herkulesaufgabe steht der Jury für den „art Karlsruhe“-Preis bevor: In diesem Jahr hat sie aus insgesamt 193 One-Artist-Shows die beste zu wählen, die das mit 15.000 Euro dotierte Preisgeld erhält. Am Freitag um 17 Uhr wird der Preisträger gekürt (Halle 4), der dann am Samstag zum „Monopol Talk“ geladen ist (18.2., 14 Uhr, Lounge Foyer Ost). Die Besucher der art dürfen sich zudem auf 2018 freuen, wo dann die insgesamt zehn künstlerischen Positionen, die sich auf über 40 Kunstwerke verteilen, in einer Ausstellung präsentiert werden. -ChG

Do-Sa, 16.-18.2., 12-20 Uhr; So, 19.2., 11-19 Uhr, Messe Karlsruhe, Eintritt: Tageskarte 20 Euro, im Vorverkauf 18 Euro (erm. 16 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei), Abendkarte ab 17 Uhr (So ab 16 Uhr) 14 Euro, Zweitageskarte 28 Euro (erm. 24 Euro), Dauerkarte 34 Euro (erm. 30 Euro), Familienkarte 44 Euro
www.art-karlsruhe.de
www.facebook.com/artkarlsruhe

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