art Karlsruhe 2017

Kunst & Design // Artikel vom 16.02.2017

art Karlsruhe (Foto: KMK/Jürgen Rösner)

Entdecken. Lieben. Sammeln.

210 Galerien aus zwölf Ländern bespielen bei der 14. „art Karlsruhe“ die vier Messehallen mit 19 Skulpturenplätzen und 180 One-Artist-Shows. Dabei hat sich der internationale Anteil auf über 70 Prozent gesteigert, wobei ein deutlicher Schwerpunkt auf europäischen Galerien und insbesondere auf dem deutschsprachigen Ausland liegt. Natürlich ist auch Baden-Württemberg mit rund 20 Prozent der Galerien als „das“ Sammlerland stark vertreten. Das diesjährige Motto zielt auf den Sammler und Liebhaber, der auf der „art Karlsruhe“ mit ihrem breiten Angebot sicher auf seine Kosten kommt.

Das Motto zeigt aber auch, dass sich die Aufregung um die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes und um das Kulturgüterschutzgesetz (vorerst) gelegt hat, dass es – auch beim „Artima art Meeting“ und der Auswahl der Sonderschauen – wieder um die Kunst gehen wird. Und gerade in Zeiten der Null-Zins-Politik ist das Kunstsammeln eine unter Umständen lukrative Art, sein Geld zu vermehren. Allerdings mit dem für die Öffentlichkeit bitteren Beigeschmack, dass ihr Kunstwerke oft auf Jahrzehnte entzogen werden, weshalb der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich auch von den „zwei Leben“ eines Kunstwerks spricht. Zeitgenossenschaft wird auf der art groß geschrieben.

Ihr Fokus liegt traditionell auf dem 20. und 21. Jahrhundert, von Fotografien und Original-Editionen in einem eher günstigen Preissegment (auch) für Einsteiger bis zur Klassischen Moderne über die Klassiker der Nachkriegszeit bis zu ganz jungen Künstlern. Auffallend ist, dass sich gerade französische Galerien dieses Jahr in politischen Statements üben und Künstler dabei haben, die Position gegen die Terroranschläge beziehen. Bewährt hat sich die im Vergleich zu anderen Kunstmessen recht großzügige Verteilung der Galerien auf insgesamt vier Hallen und die Auflockerung mit Skulpturenplätzen, die immer wieder die Kojenreihen aufweiten. Ein erfolgreiches Konzept ist außerdem die Einteilung der Hallen in vier verschiedene Bereiche: In Halle 1 sind Fotografien und Original-Editionen zu finden, Halle 2 wartet mit „Moderne Klassik und Gegenwartskunst“ auf, Halle 3 bietet der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst eine Plattform und Halle 4 präsentiert mit „Contempory Art 21“ jüngste Positionen.

Vier Hallen für Kunst ab 1900 bis heute - so lässt sich das Konzept der Hallen-Belegung griffig umschreiben. Und jede Halle hat mit Neuzugängen Spannendes im Portfolio! Neu dabei ist zum Beispiel in Halle 1 die Edition Staeck (H1/W10) des im vergangenen Jahr ausführlich in Karlsruhe gezeigten Plakatkünstlers Klaus Staeck aus Heidelberg. Am Stand werden nicht nur seine erschwinglichen Auflagenwerke gezeigt, sondern auch Arbeiten von Kirsten Klöckner. Spannendes verspricht auch der Spagat zwischen arriviert und aktuell, den die Berliner Galerie Springer in Halle 1 macht, indem sie Arnold Odermatt und Georges Rousse zusammen präsentiert. Dagegen hat sich die junge, seit 2010 bestehende Greifswalder Galerie STP konsequent der Künstlerförderung und der Kunst aus Osteuropa verschrieben (H1/U07). In Halle 2 ist Brigitte March aus Stuttgart zum zweiten Mal dabei, die unter anderem Christo & Jeanne-Claude, Timm Ulrichs und Lawrence Weiner zeigt (H2/E05).

Nach einer Messe-Pause nimmt auch wieder die Chemnitzer Galerie Oben teil (H2/E23), die mit Clara Mosch nicht eine Künstlerin, sondern ein Kunstkollektiv aus der DDR zeigt, das sich neben der staatstragenden Kunst von Heisig und Tübke etablierte. „Die Galerie“ aus Frankfurt zeigt auf dem Skulpturenplatz H2/A27 die Gruppenschau Kopf – Profil – Gesicht, während die in Mannheim und Dresden ansässige Galerie Döbele (H2/D07) mit Xanti Schawinsky einen omnipräsenten Bauhäusler neben Margit Abele, Ulrike Michaelis und Igor Oleinikov präsentiert. Gildens Art aus London steht auch dieses Jahr für ausgesuchte Stücke von Klassikern und hat unter anderem Alexander Calder im Programm (H3/F22). Ausschließlich Per Kirkeby ist bei Michael Werner (Berlin/Köln, H3/H14) zu finden, während der Bad Homburger Galerist Christian Scheffel dieses Jahr auf Nigel Hall setzt (H3/J03). Einen spannenden Akzent setzt auch Art Affair aus Regensburg (H4/R04), die Landschaftsbilder in Weiß aus Island von Peter Lang zeigt.

Karlsruher Galerien auf der „art“
Die Galerienszene Karlsruhes hat sich in den letzten Jahren ein wenig ausgedünnt und natürlich sind längst nicht alle der in der Fächerstadt heimischen Galerien auf der „art Karlsruhe“ vertreten. Knecht und Burster, artpark, Meyer Riegger, die Neue Kunst Gallery, Schrade und Clemens Thimme zeigen dieses Jahr ihr Programm, wobei sich Alfred Knecht und Rita Burster einen Skulpturenplatz teilen. Nachdem Burster im vergangenen Jahr zusätzlich in Berlin eine eigene Galerie eröffnete, bespielt sie die eine Hälfte der Fläche mit Manfred F. Strieder, Alfred Knecht die andere Hälfte mit Franz Bernhard.

Sonderschauen
Passend zum diesjährigen Programm wird einer der prominentesten regionalen Kunstsammler mit einer Ausstellung präsentiert: Der schwäbische Unternehmer Reinhold Würth, der seit den 1960er Jahren Kunst sammelt, zeigt aus seiner opulenten Sammlung Tomi Ungerer mit Zeichnungen, Collagen und Objekten (Halle 1). Der überzeugte Europäer Ungerer, bekannt vor allem für seine teils bissigen Zeichnungen und Kinderbuch-Illustrationen, wird dieses Jahr von gleich zwei Sonderausstellungen flankiert, die einen Schwerpunkt setzen: „Retour de Paris“ feiert 2016 sein 30-jähriges Jubiläum. Aus den jährlich acht Stipendien, mit denen Künstler jeweils sechs Monate in Paris arbeiten können, wird anlässlich des runden Geburtstags ein Querschnitt gezeigt. Und angeregt durch Frank-Thomas Gaulin (Kunsthaus Lübeck) wird ebenfalls in Halle 1 eine „Sonderschau Druckgrafik“ präsentiert. Mit Druckgrafiken aus den an der art Karlsruhe beteiligten Galerien soll der Brückenschlag zu den anderen Hallen gelingen.

Preise auf der art Karlsruhe
Beide auf der „art Karlsruhe“ verliehenen Preise feiern dieses Jahr Jubiläum: Zum zehnten Mal werden sowohl der Hans Platschek-Preis, als auch der nach der Kunstmesse benannte Preis verliehen. Letzterer geht an eine der teilnehmenden Galerien, die für die überzeugendste One-Artist-Show ausgezeichnet wird. Hier zählt nicht der Überblick über das Galerieprogramm, sondern der Fokus auf eine Position – die natürlich immer Gefahr birgt, potenziell nicht zu gefallen. Für den Mut zur Beschränkung wird sowohl der Galerist als auch der ausgestellte Künstler ausgezeichnet (Fr, 17.2., 17 Uhr). Während der Preisträger des art Karlsruhe-Preises während der Messe gekürt wird, steht mit Jonathan Meese schon fest, wer dieses Jahr den Hans Platschek-Preis erhält (Do, 16.2., 17 Uhr). Er habe eine „wunderbar überbordende Lust an der Sprache“, seine Texte sind „in ihrer Wildheit, ihrer kühnen Sprachverbiegung, ihrem scheinbaren Irrwitz von größter Präzision und Schönheit“, so Florian Illies vom Berliner Auktionshaus Villa Grisebach in seiner Begründung. Meese wird übrigens ebenfalls mit einer Solo-Schau ausgezeichnet (H1/T07). -ChG

Do-Sa, 16.-18.2., 12-20 Uhr; So, 19.2., 11-19 Uhr, Messe Karlsruhe, Eintritt: Tageskarte 20 Euro, VVK 18 Euro (erm. 16 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei), Abendkarte ab 17 Uhr (So ab 16 Uhr) 14 Euro, Zweitageskarte 28 Euro (erm. 24 Euro), Dauerkarte 34 Euro (erm. 30 Euro), Familienkarte 44 Euro
www.art-karlsruhe.de
www.facebook.com/artkarlsruhe

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