art Karlsruhe - die dritte Säule

Kunst & Design // Artikel vom 25.02.2008

Er hat Karlsruhe zu einem attraktiven Kunsthandelsplatz gemacht und dirigiert nun zum fünften Mal als "Impressario" das gesamte Orchester: Der Galerist Ewald Karl Schrade.

Er erfüllte sich mit der art Karlsruhe einen Traum und erwies der Stadt einen großen Dienst. Seit 35 Jahren ist Schrade erfolgreicher Kunsthändler mit Galeriensitz in Karlsruhe und Schloss Mochental bei Ulm. Sein Messe-Konzept, klassische Moderne mit zeitgenössischer Kunst zu paaren, setzte sich durch.

Anerkennung fanden auch die zahlreichen One-Artist-Shows sowie die Präsentation von Skulpturen. Anfänglich belächelt, kann die art Karlsruhe zum Jubiläum beste Zahlen vorweisen: Mit 35.000 Besuchern 2007 war ein Höhepunkt erreicht, 300 Galerien bewarben sich für die fünfte Auflage, rund die Hälfte wurde von einer Jury auserkoren, in den lichtdurchfluteten Hallen ihre Künstler zu zeigen.

Manche Kritiker fanden bislang überwiegend „Flachware“ fürs betuchte Wohnzimmer, doch renommierte Kunstblätter feiern inzwischen die art Karlsruhe zu Recht als den Trendsetter der Branche. Zeit für eine Bilanz und ein Gespräch von Ute Bauermeister mit dem Gründervater Ewald Karl Schrade.

INKA: Herr Schrade, sind Sie mit der Entwicklung der art zufrieden?
Schrade: Die art hat sich zur dritten Säule im deutschsprachigen Kunstmessegeschehen entwickelt. Zwischen Köln und Basel einen Kunstmarkt zu etablieren war überfällig. Ich habe zwar keine Lawine losgetreten, aber einen Stein ins Rollen gebracht. Den Anfangsbonus gibt es jetzt nicht mehr. Wir müssen uns noch mehr anstrengen, denn nun wird uns nichts mehr nachgesehen. Die Herausforderungen wachsen von Jahr zu Jahr.

INKA:  Erweckt die art Karlsruhe auch überregionales Interesse?
Schrade:
Wir waren vom Ansatz her immer im überregionalen Denken platziert. Die Rheinschiene hat eine lange Tradition der Kunst, und die Fächerstadt liegt geografisch sehr güns­tig. Mit dem TGV ist es ein Katzensprung nach Paris. Auch München oder die Schweiz sind schnell erreichbar. Wir haben von Anfang an große Galerien aus angrenzenden Ländern dabei gehabt. Dieses Jahr wurden 44 neue Galerien zugelassen, darunter so hochkarätige Namen wie Salis und Vertes aus St. Moritz, Gunzenhauser aus München mit Künstlern wie Horst Antes, Otto Dix, Lovis Corinth oder Hans Platschek, und die Stuttgarter manus presse, die den jungen Simon Pasieka vertritt, aber auch Fotografien des spanischen Regisseurs Carlos Saura.

INKA: Wie attraktiv ist die art Karlsruhe für Sammler?
Schrade:
Sie gewinnt zunehmend an Interesse auch für renommierte Sammler, davon hängt der Erfolg ab. Es ist immer meine große Sorge, dass genügend wichtige Sammler kommen. Natürlich müssen die Galerien auch gut verkaufen, um zufrieden nach Hause zu gehen. Es kamen im vergangen Jahr auch Sammler aus Berlin, die Werke erwarben.

INKA:  Wie ist die Stimmung?
Schrade:
Viele Aussteller behaupten, dass man in Karlsruhe bestens bedient werde. Ich verstehe ihre Sprache und ihr Anliegen. Wir schaffen es auch, die Besucher mitzuziehen, zu begeis­tern. Es gab regen Austausch, viele Gespräche, eine freundschaftliche Atmosphäre – und die Geschäfte sind gut gelaufen.

INKA:  Was wünschen Sie sich für die Zukunft der art?
Schrade:
Ich bin weit weg von einer Ikarus-Mentalität. Es wurde bereits weit mehr gemacht als ich dachte. Wenn wir die bisherige Popularität erhalten, wäre das sehr gut. Wir können nicht ständig wachsen, die Anzahl der teilnehmenden Galerien soll nicht größer werden. Auch die Besucherzahlen sind schon fantastisch, wir überlegen allerdings, wie wir den Donnerstag noch attraktiver gestalten. Es kommt jedoch nicht auf Quantität, sondern auf Qualität an. Alle, die mit der Messe in ihrer Qualität mitwachsen, sind noch dabei. Hier wurde der richtige Weg geebnet, den wir nun mit ungebrochenem Elan weiterverfolgen.

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