Beyond The Shadows, Imaginary Island & Fool For A Plant

Kunst & Design // Artikel vom 08.08.2022

Johanna Wagner

Ein kleines Wohnzimmer im zweiten Obergeschoss der Städtischen Galerie lädt weiterhin zum Verweilen ein.

Diverse Mid-Century-Möbelstücke, Bildbände auf einem Couchtisch, ein Schirmständer und Blumenvasen bilden die Kulisse für die dreiteilige Fotoserie „Beyond The Shadows“ des Künstlerinnenduos Elsa & Johanna. Die Fotografien zeigen Alltagsszenen, die durch ihre Komposition und Ausleuchtung an Filmausschnitte erinnern. Elsa Parra und Johanna Benaïnous stellen sich mal allein und mal gemeinsam zur Schau – und wirken dabei erstaunlich bekannt und vertraut, wohl auch durch das heimische Setting. Die Selbstinszenierungen dienen als Dialog mit gesellschaftlichen Repräsentationssystemen, die die BetrachterInnen mit ihren eigenen Erwartungen und Vorurteilen konfrontieren.

Ulrich Okujeni ist einer der beiden Künstler, denen dieses Jahr das „Karlsruher Kulturstipendium“ verliehen wurde. Die damit verbundene Einzelausstellung „Imaginary Island“ zeigt die abstrakte Malerei des Künstlers in allen denkbaren Größen: Von kleinen Zeichnungen bis hin zu großformatigen, wirkungsvollen Leinwänden zieht die vermeintliche Insel der Imagination die Besucher in ihren Bann. Comichafte Elemente treffen auf expressive Umrisslinien, zarte Farbverläufe auf knallige Farbflächen. In manchen Werken steht die Komposition aus Formen im Vordergrund, an anderer Stelle wird es figurativer: Hände, die durch einen Farbraum schweben, auftürmende Wellen bei untergehender Sonne, fliegende Vögel und kauernde Menschen – dem Assoziationsspiel sind beim Betrachten von Okujenis einladend arrangierten Arbeiten keine Grenzen gesetzt.

Johanna Wagner, die zweite Stipendiatin, befasst sich in ihren aktuellsten Arbeiten – wie der Ausstellungstitel „Food For A Plant“ bereits erahnen lässt – mit Themen wie Natur, Biosphäre, Fortpflanzung und (Bio-)Diversität. Zu sehen sind Fotografien, Videoinstallationen und Objekte aus Keramik, die zu den Besuchern in mystischem Singsang sprechen und die tiefgründige, aber auch humorvolle Arbeitsweise der Künstlerin verdeutlichen. Ebenso wie die „ASMR-Music-Video-Cooking-Show“, die den Titel „Bloom ’n Broom“ trägt und zeigt, wie Gemüse auseinandergebrochen, Küchenrezepte ins Mikrofon geflüstert und rhythmisch ein Rettich zerrieben werden. In zwei Serien aus jeweils 18 Fotografien posiert Wagner zudem in Noppenschaum gekleidet in tänzerischen Figuren, die an einen Ameisentanz angelehnt sind. Eine abwechslungsreiche und ansprechend inszenierte Einzelschau, die neugierig auf mehr macht! -sab

bis 25.9., Städtische Galerie, Karlsruhe

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