Bildhauerinnen – Von Kollwitz bis Genzken

Kunst & Design // Artikel vom 16.12.2018

Rebecca Horn, Einhorn, 1970-72, Foto: Achim Thode, VG Bild-Kunst,Bonn 2018

Kann Kunst unweiblich sein?

Sollte etwa ausgerechnet der so liberale freischaffende Kunstbetrieb nicht „geschlechterneutral“ sein? Tatsächlich finden sich eher wenig weibliche Namen in den „Kunst-Bestseller-Rankings“. Das ist nicht schön. Aber die Bildhauerei ist nun mal nichts fürs schwache Geschlecht – oder?! Die Ausstellung „Bildhauerinnen – Von Kollwitz bis Genzken“ in der Heilbronner Kunsthalle Vogelmann, ein Gemeinschaftsprojekt der Städtischen Museen Heilbronn, dem Gerhard-Marcks-Haus und der Museen Böttcherstraße, Bremen, gibt erstmals einen Überblick über die moderne Skulptur von Bildhauerinnen in Deutschland.

Seit 2015 arbeiten die drei Häuser an diesem Projekt. Über Jahrzehnte währende kunsthistorische Forschungsergebnisse wurden zusammengetragen und mit neuen Erkenntnissen zur Entwicklung der Bildhauerei der Moderne in Deutschland ergänzt und bereichert. Hinzu kommen exemplarische Aspekte der Sozialgeschichte. Denn tatsächlich stellte die Bildhauerei als vermeintlich „unweiblichste aller Künste“ die Künstlerinnen seit jeher vor besondere Herausforderungen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern konnten sie in Deutschland erst relativ spät ihre Arbeit selbstverständlich ausüben. Käthe Kollwitz’ plastische Arbeiten kennt man, Isa Genzken ist auch ein Begriff.

Auch die Namen Emy Roeder, Charlotte Posenenske und Rebecca Horn haben Kunstkenner schon gehört. Aber wie sieht es mit Angelica Facius, Elisabeth Ney, Anna von Kahle, Lilli Wislicenus-Finzelberg oder Minnie Goossens aus? Wir haben hier einfach querbeet ohne Wertung zitiert. Rund 50 professionell arbeitende Künstlerinnen über drei Generationen hat die Ausstellung versammelt, jede von ihnen mit etwa zwei Werken. Wir kennen nicht alle, legen aber dringend den Blick ins Ausstellungsprogramm nahe. So viel sei aber noch gesagt: Die Auswahl der Kunstwerke beginnt um 1900 und reicht bis in die Gegenwart. Damit zeigt die Ausstellung, ganz nebenbei, auch einen Querschnitt durch über 100 Jahre Kunstgeschichte, denn sie ist vor allem – eine umfassende Kunst-Ausstellung. -sk

bis 7.4., Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn

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