Blickkontakt & Karl Weysser

Kunst & Design // Artikel vom 20.09.2018

Wie vielfältig die Gesichter einer Kunstsammlung sind!

Da gibt es die verschiedenen Motive und Gattungen der Werke, aber auch Epochen und gesellschaftlichen Anforderungen, in denen Kunst entsteht. Die Städtische Galerie präsentiert ihre umfangreiche Sammlung jedes Jahr aus einer besonderen Perspektive neu: Nach Fotografie und Skulptur steht nun das Porträt in Malerei und Grafik im Fokus. Gezeigt werden Werke aus eigenem Besitz und aus der Kollektion des Kölner Sammlerpaares Ute und Eberhard Garnatz, die einen Bogen über 150 Jahre Kunstgeschichte spannen. Damit gelingt nicht nur ein Querschnitt durch die Zeit, sondern auch ein Blick auf die Entwicklung der Gesellschaft. Welche Wünsche richteten etwa Adel und Bürgerschaft an die Porträtkunst? Welche Formen der Selbstpräsentation etablierten sich, nicht zuletzt auch bei den Künstlern selbst?

Denn anders als eine Auftragsarbeit erlaubt das Selbstporträt eine freie Entfaltung der Darstellung, moderne Entwicklungen lassen sich vor allem hier früh beobachten. Ein kuratorischer Kniff ermöglicht diese Begegnungen in der Sammlungsausstellung: Die Hauptachse bildet eine in Petersburger Hängung beidseitig gestaltete Wand, in der Gemälde chronologisch und – für den heutigen Blick – „ungeordnet“ unter- und übereinander hängen. Nicht das einzelne Exponat steht im Vordergrund, sondern die Gesamtheit der Sammlung. Dennoch werden natürlich auch einzelne Werke herausgelöst und vorgestellt. Zudem lädt das Thema der Schau zum Philosophieren ein, auch zur „Instagramisierung“ des Gesellschaft.

Im Rahmen von „Blickkontakt“ findet am Do, 20.9., 19.30 Uhr, in Koop mit dem Kohi ein Poetry Slam statt. Am Start sind die Slammer Philipp Herold (HD), Sylvie le Bonheur (MA), Anna Teufel (KA), Stefan Unser (Malsch), Marvin Suckut (KN) und Nik Salsflausen (ES). Ein „Geheimtipp“ ist die Kabinettausstellung von Karl Weysser im Obergeschoss der Galerie. Hier kann man dem „badischen Spitzweg“ über die Schulter schauen, ein einst sehr bekannter, beliebter Maler des Südwestens, den es sehr lohnt, nach langer Ausstellungspause wieder zu zeigen: Kleinformatige Ölstudien und frühe Fingerübungen zeigen seinen Blick auf die Welt, die er sich bei ausdehnten Reisen erschloss. Seine Impressionen zeigen Natur, Landschaft und immer wieder Stadtansichten und Architektur in erstaunlicher Detailtreue – und auch Durlacher Motive. -sk

Die Städtische Galerie Karlsruhe bleibt aus betrieblichen Gründen von Mo, 24.9. bis einschließlich Di, 2.10. geschlossen. Ab Mi, 3.10. ist das Museum zu den üblichen Öffnungszeiten wieder zugänglich.

Blickkontakt, bis 20.1.2019, Poetry Slam: Do, 20.9., 19.30 Uhr; Karl Weysser: bis Frühjahr 2019, 24.9.-2.10. geschlossen, Städtische Galerie, Karlsruhe

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