Das erste Kulturzentrum der Nachkriegszeit

Kunst & Design // Artikel vom 13.10.2011

Fast auf den Tag genau vor 50 Jahren wurde das Reuchlinhaus in Pforzheim eingeweiht.

Zahlreiche kulturelle Institutionen, die aufgrund der fast vollständigen innerstädtischen Zerstörung seit 1945 heimatlos gewesen waren, fanden hier ihr neues Domizil: Heimat- und Schmuckmuseum, Stadtbibliothek, Kunst- und Kunstgewerbeverein und die Zünfte waren anfänglich in den vier unterschiedlich großen Kuben untergebracht, die sich um das zentrale Foyer gruppieren. Ein Haus für die gesamte Bevölkerung sollte es sein, einladend, offen für jedermann und viele Interessen ansprechend.

Die meisten der im Gebäude ursprünglich untergebrachten Funktionen sind zwischenzeitlich ausgezogen, denn sowohl die international renommierte Schmucksammlung als auch die Stadtbibliothek drohten aus allen Nähten zu platzen. So wird das Reuchlinhaus seit 2006 nur noch vom Schmuckmuseum und dem Kunstverein bespielt – doch am Jubiläum lässt sich gut nachvollziehen, welch wunderbarer Ort für Veranstaltungen das sich an vielen Stellen nach außen öffnende, lichte Gebäude ist.

Den gesamten Tag über wird das Reuchlinhaus bespielt: mit Musik, Theateraufführungen, Führungen, Mitmach-Aktionen und vielem mehr. Anlässlich des Jubiläums wird im Kunstverein die Ausstellung „Third Transition Zone“ eröffnet, bei der die Architektur Manfred Lehmbrucks in den Dialog mit Kunstwerken seines Vaters Wilhelm, aber auch mit jenen junger Künstler tritt. Die Plastiken von Wolfgang Flad loten die Balance zwischen „offen“ und „geschlossen“ aus und greifen damit wichtige Aspekte des Gebäudes auf.

Martin Pfeifle schafft aus unterschiedlichen Materialien temporäre Räume und nimmt so das Materialspiel der Lehmbruck’schen Architektur auf. Ebenfalls an diesem Tag wird die von Dr. Chris Gerbing konzipierte Dauerausstellung in der Galerie über dem Museumsshop eröffnet, die die Geschichte und Architektur des Reuchlinhaus und den Architekten Manfred Lehmbruck auf ganz ungewöhnliche Art und Weise präsentiert.

Dort, wo früher in Büchern der Stadtbibliothek mit Blick auf die Freihandausleihe geschmökert werden konnte, zeigt sich nun auf kleinstem Raum, auf welche Vorbilder Lehmbruck zurückgriff, wie sich das Gebäude im Entwurfsprozess veränderte und wie es im Lauf der 50 Jahre seines Bestehens vom multifunktionalen Kulturzentrum zum „Schmuckmuseum im Reuchlinhaus“ wurde.

Weitere Highlights des Tages sind der Fachvortrag von Prof. HG Merz, mit dessen Umbau der ehemaligen Stadtbibliothek das Schmuckmuseum seine Räumlichkeiten deutlich erweitern konnte, und die Architekturführung, bei der u.a. Christine Rotermund-Lehmbruck ihre ganz persönliche Sicht auf die Architektur ihres Vaters darlegen wird. -rw

So, 23.10., 11-19 Uhr, Reuchlinhaus Pforzheim, Eintritt frei; 11 Uhr: Vortrag Prof. HG Merz, Eröffnung der Ausstellung „Third Transition Zone“; 14 Uhr: Licht – Beton – Glas. Architekturführungen mit Christine Rotermund-Lehmbruck, Dr. Christoph Timm und Dr. Chris Gerbing; 16 Uhr: „Mit Skizzenblock und Zirkel“. Eröffnung der Dauerausstellung durch Dr. Chris Gerbing

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