Degas

Kunst & Design // Artikel vom 02.01.2015

Mehr als nur Ballettmädchen und Tutu.

Edgar Degas sei unbestrittener Höhepunkt der Kunsthalle im Ausstellungsjahr 2014, findet deren Direktorin Pia Müller-Tamm. Außerdem füge er sich gut ins Programm ein. Nachdem die Kunsthalle erste monografische Ausstellungen zu Corot und Fragonard gezeigt habe, liege der Fall bei einem der „Lieblingskinder des Museumspublikums“ ein wenig anders. Degas ist tatsächlich ein Spin Off, eine Idee, die aus der im letzten Jahr gezeigten Ausstellung „Déjà Vu“ entstanden ist. Denn dort war bereits ein Degas-Gemälde nach Georges de la Tour aus eigenen Beständen zu sehen, das als Impulsgeber für die neuerliche Auseinandersetzung mit Degas fungierte.

Insgesamt sieben Werke des französischen Künstlers befinden sich in der hauseigenen Sammlung, hochkarätige Arbeiten aus aller Welt, darunter selten ausgeliehene aus Boston und Los Angeles, kamen dazu. 120 Kunstwerke aus über 50 Jahren künstlerischen Schaffens, dazu 20 Werke von Vorläufern und Zeitgenossen ermöglichen einen neuen Blick auf einen Künstler, der zu Lebzeiten den Kunstmarkt sehr selektiv bediente – und damit letztlich selbst dazu beitrug, dass er als Maler der „Ballettmädchen“ Bekanntheit erlangte. Dass das nicht alles ist, sondern Degas ein weit breiteres Spektrum an Motiven bediente, zeigt die Ausstellung aufs Eindrücklichste.

Sie leitet ein mit einem Selbstporträt, das bereits die inneren Zweifel des Malers offenbart. Einerseits war er unbestreitbar ein Dandy, andererseits brauchte er aber die Rückversicherung seiner Kunst: Er suchte sich „Bundesgenossen in der Kunstgeschichte“, so Alexander Eiling, Kurator der Ausstellung, „und wir hoffen, dass unsere Besucher am Ende der Ausstellung mit Degas nicht mehr nur die Tutus verbinden, sondern auch den Landschafts-, Historien- und Portraitmaler.“ Degas saugte die Neuerungen und Veränderungen seiner Zeit, des 19. Jahrhunderts, wie ein Schwamm auf, diese heterogenen Einflüsse spiegeln sich in seinem Werk wider, verschränken sich ineinander und machen seine Aufmerksamkeit gegenüber Zeitgenossen und seinem Lebensumfeld deutlich.

Wie aus den jungen Spartanerinnen die Posen der Ballettmädchen wurden, zeichnet die Ausstellung beispielsweise einfühlsam nach – und wer dann Lust bekommen hat, sie selbst nachzuempfinden, ist in die Junge Kunsthalle eingeladen. Unter dem Titel „Wie malt Degas?“ kann, wer mag, sich spielerisch an den Franzosen herantasten, der – letztlich wohl zu Unrecht – mit den Impressionisten in einem Atemzug genannt wird. Denn spontan, auch das wird deutlich, war Degas keinesfalls in seinem Arbeiten. „Degas entdecken“ heißt es dann auch in den Weihnachtsferien: Vom 2.-4.1. können Kinder ab acht Jahren wie Degas malen und drucken; an den Wochenenden bietet die Kunsthalle noch weitere Aktivitäten im Open Space an. -ChG

verlängert bis 15.2., Kunsthalle Karlsruhe; Weihnachtsferien-Angebot „Degas entdecken“: 2.-4.1., 14.30-17 Uhr, Junge Kunsthalle

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