Designer In Residence 2017

Kunst & Design // Artikel vom 28.06.2017

Designer In Residence (Foto: Winfried Reinhardt)

Schon zum zweiten Mal hat die Stadt Pforzheim in Kooperation mit der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim und dem Design-Center Baden-Württemberg dieses Stipendium ausgeschrieben, das angehenden Designern ermöglicht, die einmalige Kreativ-Infrastruktur Pforzheims zu nutzen.

Von April bis Juni leben und arbeiten die Mode-, Schmuck- und Produktdesigner in der Goldstadt, haben Arbeitsplätze und Werkstätten im Emma Kreativzentrum und können die Angebote der Hochschule nutzen. Die Ausstellung bildet den End- und Höhepunkt der dreimonatigen Arbeitsphase. In diesem Jahr kommen die Stipendiaten aus Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Israel. Mathilde Humbert, 1993 geboren, wuchs in Saint-Aupre in den französischen Alpen auf. In ihren Mode-Entwürfen setzt sie sich mit der Sichtbarmachung von Geschichte auf dem Körper auseinander.

Welche Spuren hinterlassen Begegnungen mit anderen Menschen auf und in uns? Was wäre, wenn jede Begegnung sichtbar würde, wie aufgedruckt auf unseren Körpern? Mathilde Humbert arbeitet hierzu mit verschiedenen Stoffen, Formen und Techniken: Sie bemalt Stoffe, bedruckt sie mit Digitaldruck und näht Bilder auf Watte. Aus den so bearbeiteten Stoffen schafft sie surreale Textilskulpturen mit übertriebenen Längen, großen Kapuzen und Keramikmasken, die das Gesicht bedecken. Zudem zeigt sie Skulpturen aus Keramik.

Das Schmuckdesign-Stipendium erhielt Elwy Schutten, 1996 geboren, aus Maastricht. Sie geht mit ihren Schmuckstücken dem Verhältnis zwischen Schmuck, Kultur und Identität nach, wobei sie insbesondere die Frage der Übertragung von vergangenen Kultur­erzeugnissen und deren Nachvollzug in der Gegenwart umtreibt. Deshalb entschied sie sich für das Arbeiten mit dem Fallhammer, mit dem sie Muster auf Metallplatten prägt und damit ein Stück Pforzheimer Industriegeschichte in die Gegenwart holt.

Sie prägt mit alten Gesenken Muster auf Messing- und Silberplatten, die sie dann, teilweise kombiniert mit Speckstein, zu Schmuckstücken weiterverarbeitet. Miriam Bohnenkämper (Brilon, D) und Or Shachar (Jerusalem, IL) sind Produktdesigner und nutzen das Stipendium zur gemeinsamen Entwicklung eines „intelligenten Kissens“ – ein guter Freund der beiden war im Schlaf an einem epileptischen Anfall gestorben. In ihrem Konzept wird das Kissen als lebensrettendes medizinisches Hilfsmittel neu gedacht: Durch seine Beschaffenheit soll es epileptischen Anfällen im Schlaf vorbeugen.

Aus luftdurchlässigem Material gefertigt schützt es den Nutzer vor dem Ersticken, die Form verhindert gefährliche Kopfbewegungen. Darüber hinaus soll es als Frühwarnsystem funktionieren: Misst es Symptome, die auf einen epileptischen Anfall hinweisen können, wird ein Notfallkontakt benachrichtigt, der gegebenenfalls den Notarzt alarmieren kann. „Unser Ziel ist es, das Projekt während der Zeit in Pforzheim so weit wie möglich zu entwickeln und Projektpartner zu finden, mit denen wir das Kissen realisieren können“, erklären die beiden. -rw/ChG

Eröffnung: Mi, 28.6., 19 Uhr, 29.6.-9.7., Emma – Kreativzentrum, Pforzheim; Folgeausstellung: 26.9.-26.10., Haus der Wirtschaft, Willi-Bleicher-Str. 19, Stuttgart

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