Designers In Residence 2019

Kunst & Design // Artikel vom 27.06.2019

Designers In Residence (Foto: Winfried Reinhardt)

Eine überdimensionale Brosche mit politischer Botschaft, 3D-gedruckte Kleidung und Objekte, die sich aus den Beobachtungen der Umgebung ableiten.

Das sind die 2019er Ergebnisse des von der Stadt Pforzheim in Kooperation mit der Hochschule und dem Design Center Baden-Württemberg alljährlich ausgeschriebenen Stipendienprogramms „Designers In Residence“, die nun im Emma-Kreativzentrum Pforzheim ausgestellt werden. Dort waren die drei Designer Dabin Lee (geb. 1991 in Südkorea), Ganit Goldstein (geb. 1992 in Israel) und Sheng-Hung Lee (geb. 1987 in Taiwan) von April bis Juni zu Gast, um an ihren Projekten zu arbeiten; aber auch, um sich mit Kreativschaffenden und Unternehmen vor Ort auszutauschen und zu vernetzen.

Die in Belgien lebende Schmuckdesignerin Dabin Lee arbeitete an großformatigen Stücken, die die Grenzen zwischen tragbarem Schmuck und Objekten verwischen. Für Lee sind sie außerdem ein Mittel, um Botschaften zu transportieren; ihr aktuelles Projekt prangert die durch Plastikmüll verursachten Umweltschäden an. Das Stipendium nutzte Lee, um an ihrem bisher größten Stück zu arbeiten, einer 120 mal 120 Zentimeter großen Brosche. Wie schon in ihren bisherigen Werken, setzte sie die Tufting-Technik ein: Feine, bunte Metalldrähte werden wie beim Teppichknüpfen verarbeitet, sodass eine Struktur entsteht, die den Betrachter an Fell erinnert. Modedesignerin Ganit Goldstein bewegt sich an der Schnittstelle von Tradition und Zukunftstechnologien: Ihre Kollektionen, die neben Kleidungsstücken auch Schuhe umfassen, vereinen traditionelle Handwerkstechniken mit 3D-Druck. So arbeitet sie etwa gewebte und mithilfe eines Bodyscanners auf den Träger zugeschnittene Elemente in Teile aus dem Drucker ein; weiter experimentierte sie mit dem neuen Verfahren, das es ermöglicht, dreidimensional direkt auf Stoff oder Leder zu drucken.

Industriedesigner Sheng-Hung Lee kreierte derweil „Small Things With Big Heart“: Bei seinen Entdeckungstouren durch Pforzheim beobachtete er die Umgebung und die Menschen in der Stadt und dokumentierte Situationen oder Gegenstände, die ihn inspirierten. Beim Besuch des lokalen Geschäfts Stempel Weeber fiel ihm auf, dass es öfter Schwierigkeiten bei der korrekten Ausrichtung des Stempels gibt und er entwickelte eine Lösung für das Problem. Das Ergebnis ist zusammen mit weiteren aus seinen Beobachtungen abgeleiteten Produkten und einem Buch, das den Arbeitsprozess dokumentiert, in der Ausstellung zu sehen. Der 3D-Druck verschafft Sheng-Hung Lee die kostengünstige Möglichkeit, seine Produkte direkt vor Ort als Prototypen auszudrucken und zu testen.

Alle drei Stipendiaten zeigten sich begeistert von der Möglichkeit, drei Monate an einem Projekt zu arbeiten, das ihnen am Herzen liegt und sich darüber hinaus mit Designern aus anderen Ländern und Disziplinen auszutauschen. „Wir haben super als Team zusammengearbeitet, uns gegenseitig Feedback zu unseren Projekten gegeben und auch viel gemeinsam unternommen“, erzählt Ganit Goldstein. Und Sheng-Hung Lee ergänzt: „Gerade wenn man wie ich aus dem Berufsalltag kommt, ist ein solches Stipendium eine tolle Chance, sich auf seine eigene Arbeit zu konzentrieren, anstatt Auftragsarbeiten zu erledigen.“ Die an Nachwuchsdesigner aus den Bereichen Schmuck-, Mode-, Accessoire- und Industriedesign gerichtete Ausschreibung für den „Designers In Residence“-Aufenthalt 2020 startet Mitte September. -pat

Vernissage: Do, 27.6., 19 Uhr, 28.6.-7.7., Mi-Fr 13-19 Uhr, Sa+So 11-19 Uhr, Emma-Kreativzentrum Pforzheim; 17.9.-17.10., Haus der Wirtschaft, Stuttgart

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