„Die ‚Galerientage‘ haben null Außenwirkung“

Kunst & Design // Artikel vom 14.09.2019

Peter Weyden

Ein Gast-Kommentar zum „Galerientag“ & zur Schließung des Artlet Studios von Peter Weyden

Dazu haben viele Faktoren beigetragen, die allgemeine Entwicklung am Kunstmarkt sowie die Steigerung der Kosten für Mieten und Logistik. Wir haben uns neben unserer physischen Präsenz in Münster entschlossen, unsere Aktivitäten insbesondere in unserem neuartigen Onlineprojekt artlet.online, der virtuellen Galerie zu verstärken. Zu einer gewissen Unzufriedenheit mit dem Karlsruher Standort haben u.a. auch die konzeptlosen „Galerientage“ und die Mitarbeit am Karlsruher „Spektrum“ beigetragen. Wie Frau Burster in der vergangenen Ausgabe der Kunstzeitschrift „Artmapp“ schon sagte: Die „Galerientage“ haben null Außenwirkung, ein nicht so kleines Problem für neue Galerien, die somit kaum Chancen haben, andere Besucher begrüßen zu dürfen, als die Alteingesessenen. Und die gehen natürlich lieber dahin, wo sie sich schon auskennen.

Auch hier verweise ich auf das Interview mit Frau Burster im Hinblick auf das Thema Schwellenangst. Interessanterweise können wir einen guten Vergleich ziehen. Gerade stehen wir in den umfangreichen Vorbereitungen zu einer „Nacht der Galerien und Museen“ in Münster, die eingebettet in den dreitägigen Schauraum der Kulturschaffenden nicht nur die einheimischen Interessenten, sondern viele Menschen aus dem Umland – und das heißt, in diesem Falle bis 250 Kilometer und mehr – anlockt. Da verirren sich selbst Interessenten aus Aachen, Düsseldorf, Hannover und Hamburg nach Münster.

Die Stadt entspricht in etwa einwohnerzahlmäßig aber auch in Hinsicht auf die Kaufkraft ziemlich genau Karlsruhe. Wenn ich nun betrachte, dass wir uns hier auf einen Samstag vorbereiten, bei dem wir im Durchschnitt mindestens 400 bis 500 Besucher am Tag zu erwarten haben, wo wir mit rund sechs bis acht Mitarbeitern ein eigenes Programm von circa sechs Stunden mit Ausstellungen, Vorträgen, Musik und so weiter zu bewältigen haben, so ist dies im Vergleich zum Karlsruher „Galerientag“ schon etwas ganz anderes. Aber dafür wird ein offizielles Programmheft erstellt, der Bürgermeister eröffnet in einer großen Open-Air-Lounge im Rathausinnenhof bereits am Donnerstagabend die ganze Show, es gibt offizielle Führungen und Bustouren usw.

Nun haben wir das allvierteljährliche Drama der Erstellung des Karlsruher „Spektrums“ – dem Karlsruher Programmheft – am eigenen Leib miterlebt, da wir jede zweite Ausgabe im Wechsel mit der Galerie Burster redaktionell übernommen haben. Aber selbst da reicht die Energie der Beteiligten nicht aus, sodass noch in der Nacht vor der Drucklegung die wichtigen Galeristen der Stadt mit mündlichen Texten rüberkamen, da sie des Digitalen nicht mächtig seien. Herr Schrade z.B., ein um die Kunst in Karlsruhe sehr verdienter Mann – ich verweise auch hier auf ein Interview in der letzten „Artmapp“, wo er deutlich macht, dass es zwischen seinem öffentlichen Engagement bei der Organisation der „art Karlsruhe“ und seiner Tätigkeit als dortiger Galerist mit ebenfalls teilnehmendem Sohn keinerlei Interessenkonflikt geben würde – gehört wie anscheinend viele andere auch zu denen, die einfach den Sinn eines gemeinsamen, intensiven Auftretens der Kunstvermittelnden Betriebe sowohl im Zusammenhang mit dem Kunstkalender „Spektrum“ als auch dem „Galerientag“ nicht so richtig sehen können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für uns zum einen die Stadt kunstmarkttechnisch uninteressant geworden ist. Zum anderen sollte man in Karlsruhe vollständig auf diesen „Galerientag“ verzichten, solange das Engagement von Stadt und Galerien sich nicht weiter intensivieren lässt. Stattdessen wäre es an der Zeit, das Ganze neu zu konzipieren – auch auf die Gefahr hin, dass es den „art Karlsruhe“-Machern ein paar Besucher wegnimmt, die vielleicht nur einmal im Jahr zu einer intensiven Kunstbetrachtung bereit sind.

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