Die Kunst des Serviettenbrechens

Kunst & Design // Artikel vom 16.12.2018

„Die Kunst des - bitte, was?!“

So dürfte es vielen gehen, die den Titel der aktuellen Ausstellung in der Beletage des Bruchsaler Schlosses lesen. Den stehenden Begriff des Serviettenbrechens kennt man möglicherweise noch; er stammt aus der Zeit, in der Stoffservietten aus harter Baumwolle oder Leinen noch ohne Weichspüler gewaschen wurden und schlicht so fest waren, dass man sie nur mit viel Kraft falten konnte – „brechen“ eben. Doch was für eine Kunst ist das, die es in eine eigene Ausstellung schafft? Tatsächlich können beeindruckende Formen aus den gestärkten Tüchern gefaltet werden. Der spanische Faltkünstler Joan Sallas verblüfft mit einer seltenen Kunst. Die Bandbreite seiner textilen Kunstwerke ist enorm und reicht von filigranen Blüten oder Früchten bis zu meterhohen Tischbrunnen und Tierskulpturen.

Seine Arbeiten beruhen auf historischen Vorlagen des 16. und 17. Jahrhunderts, denn im Barock erlebte das Serviettenbrechen eine Blütezeit. Kunstvoll gefaltete Servietten waren damals Teil einer aufwendigen Tafelkultur. Der Tischschmuck aus weißem Leinen war Teil des prächtigen Dekors, mit dem die Herrscher Macht und Reichtum demonstrierten. Die Tafeln wurden nach komplizierten Plänen regelrecht komponiert. Zahlreiche Traktate und Lehrbücher verbreiteten die Techniken und Vorlagen an den Höfen. In Bruchsal kann man auf verschwenderisch inszenierten Tafeln etwas von diesem Leben an europäischen Höfen in den vergangenen Jahrhunderten erahnen.

Der Katalane Joan Sallas forscht seit 18 Jahren intensiv auf dem Gebiet der historischen Faltkunst und sammelt sämtliche Literatur zum Thema Faltkunst. Er veröffentlicht Bücher zur Papier- und Serviettenfaltkunst und stellt seine Werke weltweit aus. Er nutzt gestärktes Leinengewebe und faltet etwa hunderte Meter Stoff zu Schlangen, Nilpferden, Schlössern, Schiffen oder menschlichen Figuren. Der Blick in das umfangreiches Begleitprogramm lohnt sich: Joan Sallas bietet mehrere Workshops und Vorträge zu seiner Kunst an. -sk

bis 3.2., Schloss Bruchsal

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