Die ZKM-Zukunft im Blick

Kunst & Design // Artikel vom 14.10.2016


Wenn Ausstellungen bislang die „Kunst in Europa“ in der Nachkriegszeit thematisierten, dann wurden zumeist Kunstwerke aus Westeuropa gezeigt.

Der Osten blieb, getrennt durch den Kalten Krieg und die Blockbildung, weitgehend hinter dem Eisernen Vorhang verborgen. Oder es wurde auf den Sozialistischen Realismus als Gegenpart zum Abstrakten Expressionismus fokussiert. Über 25 Jahre nach dem Fall der Mauer ist es nun möglich, auch die Entwicklung im Osten des eurasischen Kontinents zu zeigen und die Neo-Avantgarden aus Ost und West zusammenzuführen.

In „Kunst in Europa 1945-1968“ wird deutlich, dass viele Kunstformen, die nach 1945 aufkamen, ursprünglich aus Europa stammen oder zeitgleich in West- und Osteuropa, den USA und Russland entstanden, dass sie aus unterschiedlicher Perspektive die „Zukunft im Blick“ hatten – so auch der Untertitel der Schau. „Trans Actions: The Accelerated Art World 1989-2011“ schließt letztlich daran an und zeigt auf einem 8 x 3 Meter großen Panorama-Screen eine mediale Collage globaler Kontaktzonen künstlerischen Schaffens.

Gleichzeitig schlägt es durch die Visualisierung der Standorte einer Ausstellung innerhalb von Städten (wie beispielsweise bei der Biennale di Venezia) den Bogen zu „Frei Otto. Denken in Modellen“. Das hängende Dach war Ottos Lebensmotto, Leichtbauweise seine Passion, seitdem er an der Kathedrale von Chartres die steinerne Leichtbauweise der Gotik hatte studieren können.

Der im letzten Jahr verstorbene renommierte Architekt und Theoretiker, dem sowohl die Überdachungen des Münchener Olympiageländes wie auch die Mannheimer Multihalle zu verdanken sind, erhält mit der Ausstellung im ZKM die bislang umfangreichste Werkschau. -ChG

Trans Actions: Fr, 14.10.-So, 16.10., 11-18 Uhr, ZKM-Medientheater; Kunst in Europa: Eröffnung: Fr, 21.10., 19.30 Uhr, 22.10.-29.1.17, ZKM-Lichthof 1+2; Frei Otto: Eröffnung: 4.11., 19 Uhr, 5.11.-12.3.17, ZKM-Lichthof 8+9, Karlsruhe

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