Dieter Hacker

Kunst & Design // Artikel vom 16.09.2018

Volkskunst – darunter versteht der Künstler Dieter Hacker nicht geklöppelte Spitze oder bemalte Keramikteller, sondern Fotografien und Zeichnungen, die als Dokumente des Alltags von Nicht-Künstlern geschaffen wurden.

1971 eröffnete er die 7. Produzentengalerie, mit der er 13 Jahre lang dem nachging, was Joseph Beuys mit seiner bekannten Deklarierung „Jeder ist ein Künstler“ anstieß: dem Amateur eine Plattform bieten. Die nun ausgestellten Installationen, zum Teil aus der hauseigenen Sammlung des ZKM, überraschen aus der heute von Datenschutz und Digitalisierung geprägten Perspektive. Zu sehen sind Ansammlungen unzähliger Erinnerungsfotografien, damals in Fotoalben, heute auf Smartphones archiviert. Kleinteilige Fotocollagen und Magazinsammlungen bestimmen die Ausstellung.

Ein Sammelsurium aus Notizen und skurrilen Alltagsobjekten fügen sich zu einem detaillierten Bild der 70er Jahre. Hackers „Volkskunst“ galt nicht dem freizeitlichen Vergnügen, sondern manifestiert das konkrete Interesse privater Themen. Tausende Fotoschnappschüsse und Alltagsbilder tapezieren die hohen Ausstellungswände. Dazwischen tauchen immer wieder die Plakate der Produzentengalerie und Ausgaben der von Hacker und seinem Kollegen Andreas Seltzer publizierten Zeitung „Volksfoto“ auf. Mit ironischen Forschungsfragen untersuchten die beiden Künstler Phänomene der privaten Fotografien, die bis heute zu beobachten sind: „Millionen Touristen fotografieren den schiefen Turm von Pisa. Wie viele halten ihren Fotoapparat schief?“

Heutigen Richtlinien des Datenschutzes war der 1942 in Augsburg geborene Hacker nicht ausgesetzt; stattdessen konnte er aussortierte Fehlschüsse aus den Laboren der Filmentwickler ohne Wissen der Dargestellten in sein Archiv aufnehmen. Die versteckten Informationen hinter den privaten Fotos werden dadurch wie ein Dokument der Erinnerung zugänglich gemacht. -hju

bis 16.9., ZKM, Karlsruhe

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