Double Vision

Kunst & Design // Artikel vom 13.11.2016

Dürer und Kentridge sind zwei Meister der Druckerschwärze, aber keine Zeitgenossen.

Ihre vielfältigen Verbindungen lassen sich auch über das ikonische „Rhinocerus“-Motiv hinaus in der umfangreichen Gegenüberstellung von „Double Vision“ erkennen. Zwei Visionen nämlich, verwandt in der Ästhetik, der Technik sowie den Strukturen der Erkundung von Wahrnehmung. Beide sind eben auch Meister des Optischen, der Perspektive und des Raums, den sie mit wissenschaftlicher Akribie erforschen.

Konturen und Schraffierungen, Holz- und Linolschnitt oder Kupferstich – es dominiert Schwarz-Weiß-Grau. Nur der Gestus ist natürlich nicht gleich: So lässt Kentridge das massige Nashorn, das bei Dürer in brillant detaillierter Ausarbeitung etwas trübe in die Gegend starrt, beschwingt über eine rote Linie hüpfen. Trotz feinsinnigem Humor ist die politische und soziale Komponente bei Kentridge nie weit.

Gerade seine mühselig produzierten Filme, bei denen er Zeichnungen abfotografiert, um sie im Anschluss zu radieren und zu überzeichnen, thematisieren in poetischer Bildabfolge immer wieder die schwierige Geschichte Südafrikas. Allerdings kann er bei aller Melancholie auch anders: Ambivalente Schattenwesen prozessieren fröhlich auch in dem scheinbar nie endenden Totentanz „More Sweetly Play The Dance“, der als intermedialer Crossover aus u.a. Zeichnung, Collage, Scherenschnitt, Computeranimation und Film allabendlich im Subraum des ZKM-Kubus parallel projiziert wird. -hub

So, 13.11.: Tag der Grafik mit Kurzführungen; Ausstellung bis 8.1.2017, Kunsthalle und Junge Kunsthalle Karlsruhe

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