Ein Jahr Neue Kunst Gallery

Kunst & Design // Artikel vom 23.09.2007

Frech, munter und erfolgreich.

Vor einem Jahr eröffnete Michael Oess seine Neue Kunst Gallery in der Gablonzer Straße und kam damit beim Karlsruher Publikum sehr gut an. Oess, der seine Kindheit und Jugend in dieser Ecke der Fächerstadt verbrachte, ist ausgebildeter Restaurator. Sein Beruf im Denkmalpflegebereich führte ihn bis nach Estland. Sechs Jahre lang leitete der dynamische Mann die Restaurierungsarbeiten ottonischer Wandmalereien in der Sankt-Georg-Kirche Reichenau. Danach blieb er am Bodensee hängen und eröffnete 1998 in Konstanz neben dem Restaurierungsatelier seine erste Galerie. Schon zu Beginn der 90er Jahre hatte Oess selbst zu sammeln begonnen: Werke von Thitz, Moritz Götze oder Thomas Baumgärtel.

"Seine" Künstler ermunterten ihn zu dem Schritt, eine Galerie zu betreiben und schnell stellten sich erste Erfolge ein. "Ich bin sehr früh auf internationale Messen gegangen und habe dort mit der scheinbar leichten figurativen Muse der Pop-Art gepunktet", erinnert sich der aufgeweckte Kunstvermittler. Gemeinsam mit seiner griechischen Ehefrau betrieb er zwischen 2001 und 2005 zusätzlich eine Galerie in Athen. "Die junge griechische Kunstszene ist eher im Mittelmeerraum bekannt als bei uns. Es gibt sehr spannende Tendenzen. Ich habe nach wie vor Kontakt zu einigen Künstlern und präsentiere in Karlsruhe demnächst Ana Mathiou, eine konstruktiv abstrakte, sehr farbfreudige Künstlerin, sowie die in Australien geborene von griechischen Eltern abstammende Malerin Ioanna Efthimiou", erzählt Oess.

Die Fächerstadt sei ein angenehmes Pflaster, auch die art Karlsruhe habe eine Rolle gespielt bei der Entscheidung, wo er einen Neuanfang wage. Die Räume in der Gablonzer Straße bieten ein ideales Ambiente. Man betritt die Galerie über eine bereits als Ausstellungsfläche genutzte Brücke mit markantem Charakter und kommt dann in große Räume, die an New Yorker Lofts erinnern. Oess wohnt selbst hinter der Galerie, genießt die gute Nachbarschaft zum Gotec, wo er auch als "Grufty" gern gesehener Gast ist. Nach der überaus erfolgreichen Thitz-Ausstellung, bei der alle Exponate verkauft wurden, zeigt Oess ab 14. September den Schweizer Künstler M.S. Bastian. Seine fantastisch-freche Welt besteht aus Comics oder Mangas und huldigt großen Vorbildern. Im bunt wuselnden "Bastropolis" begegnet man Superman nebst Popeye ebenso wie Munch oder Warhol. Seine Figuren winken, weinen, glotzen oder schielen und sprengen immer wieder ihre Proportionen. Muntere Patchworkfamilien erzählen auf einzigartige Weise humorvoll bissige Geschichten aus dem Leben gigantischer Städte. In Bastians Bildern ist die Überbevölkerung definitiv ein großes Glück für den Betrachter. -ub

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