Ein wenig Ironie zum Stadtgeburtstag

Kunst & Design // Artikel vom 18.03.2015

Zwar hat die Jury des 38. „Kunstpreises der Sparkasse“ ausschließlich Blumenbilder – von fotorealistisch bis abstrakt – zu den diesjährigen Gewinnern gekürt.

Aber neben Jochen Schambecks grandiosem Farbrausch, Gabi Streiles auf die Ferne wirkendem Tulpenstrauß und Birgit Dehns noch in Klarsichtfolie eingepacktem, üppig-floralem Mitbringsel hat die Ausstellung in der Sparkasse einiges zu bieten. Auf dem Gemälde von Davina Krichbaum schweben blaue Kirschen im Farbraum, umschwärmt von bunten Fischen, während Sonja Strengs Schwarzwälder Kirschtorte zum Anbeißen aussieht. Aber nicht zu viel von allem, möchte man der Feiergesellschaft zurufen, sonst ist danach der Kater groß, die „Conversation“, die Marina Sailer über den Titel suggeriert, der Erschöpfung gewichen und findet nicht (mehr) statt.

Gefeiert wird auf der „Love Parade“, im privaten Raum, aber auch Angela Merkel schwingt – ganz Otto Dix‘ „Großstadt-Triptychon“ verpflichtet, wobei die Seitentafeln durch Reißverschlüsse abtrennbar sind – das Tanzbein: Zu Klängen von Mick Jagger, beäugt von Anette Schawan zeigt Theodor Speckert die Kanzlerin auf seiner Neuinterpretation des bekannten Gemäldes, wobei die gierigen Käuferschichten mit Augen im App-Format versehen sind. Den „Jackpot!“ (Richard Williams) müsste man gewinnen, um dann selbst unterm Kronleuchter mal so richtig zu feiern.

Von gediegen bis morbid reicht hier die Palette der Bilder, in denen diese aus einer anderen Zeit stammende Beleuchtungsart zu finden ist. Und morbid – mit einem Schuss Humor – ist auch die richtige Bezeichnung für Hamdi Hattabs anrührendes Gemälde „Der kleine Künstler“: Ein kleiner Knirps, nicht einmal richtig bekleidet, streckt sich kräftig, um mit knallrotem Stift einem der grauen Herrn, die einen der Ihren (auf dem Bild im Bild) zu Grabe tragen, einen roten Lachmund zu malen.

Die Karlsruher Baustellen-Situation – verbunden mit dem ironischen Hinweis, dass zur 300-Jahr-Feier die Stadt eben nicht herausgeputzt sein wird, sondern ihre „gute Stube“, der Marktplatz, den Titel derzeit nicht verdient – zeigt Milenko Mociljanin. Während hinter dem Bauzaun die Honoratioren, angetan mit Fastnachtshütchen, vor der eingehausten Pyramide auf den nächsten Bauabschnitt anstoßen, muss die Bevölkerung draußen bleiben. Und so bleibt das etwas zwiespältige Gefühl, dass ein Fest eben doch nicht nur die große Feier (zum Beispiel unterm Kronleuchter, mit schickem Glitzerkleid) ist, sondern bei zu viel Exzess, dem falschen Timing am nächsten Tag Katerstimmung herrscht. –ChG

bis 1.4., Sparkasse Karlsruhe, Filialdirektion Mitte/Europaplatz

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 8 und 3?

WEITERE KUNST & DESIGN-ARTIKEL





Kunst & Design // Tagestipp vom 28.11.2020

Nachdem der in Berghausen lebende kubanische Skulpturenkünstler den Oktober über anlässlich des 30. Jubiläums der Wiedervereinigung im Café Grundrechte unterm Titel „Menschenrechte – Presse- und Meinungsfreiheit“ ausgestellt hat, lädt er an zwei Wochenenden in den Park hinter seinem Atelier.





Kunst & Design // Tagestipp vom 27.11.2020

Die Vorbereitungen für den Aufbau der Ausstellung waren längst in vollem Gang und die Transporttermine für die zahlreichen Leihgaben größtenteils vereinbart.



Kunst & Design // Tagestipp vom 26.11.2020

Bis jetzt hat die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe ihren Studierenden trotz der Pandemielage unter strengen Hygienevoraussetzungen die Arbeit in den Ateliers und Werkstätten der Hochschulgebäude im WS 2020/21 weiterhin möglich gemacht.





Kunst & Design // Tagestipp vom 20.11.2020

Wie menschliche und nichtmenschliche Akteure zu einem produktiven Zusammenleben finden, zeigt aktuell die Latour-Ausstellung „Critical Zones“ im ZKM.





Kunst & Design // Tagestipp vom 18.11.2020

Im Rahmen dieses „How Do We Care?“-Onlinevortrags gibt Marinella Senatore Einblicke in ihre Arbeit an der nomadisch reisenden School of Narrative Dance.