Ensemble

Kunst & Design // Artikel vom 15.04.2019

Maurice Tabard, Georges Pomiès, 1929, Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/ Georges Meguerditchian/Dist. RMN-GP

Skeptisch schaut er aus dem Spiegel auf den Betrachter, verletzlich und am Sinn des Lebens zweifelnd.

Gemalt zwischen 1939 und 1945 ist das späte Bild von Pierre Bonnard ein genauer Ausdruck der Zeit. In Baden-Baden trifft er jetzt auf Pablo Picasso. Beiden Vätern der französischen Moderne stehen deutsche Expressionisten wie August Macke gegenüber, der 1914 in der Champagne gefallen ist. 15 Jahre besteht das Museum Frieder Burda. Das kleine Jubiläum wird mit einer Ausstellung gefeiert, die Brigitte Léal, stellvertretende Direktorin des Centre Pompidou, kuratierte. Schon lange pflegt Burda freundschaftliche Beziehungen zu diesem Museum, in dessen Ankaufskommission er als erster und einziger Deutscher vertreten war. Die Ausstellung „Ensemble“ reflektiert vor allem die Zeit- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, indem sie die Meisterwerke in einen Dialog zwischen deutschen und französischen Positionen verwickelt.

Neben der klassischen Moderne ist auch u.a. das poetisch-spirituelle Gemälde „Le Dimanche“ von Marc Chagall zu sehen, mit einem schwebenden Liebespaar und dem romantisierten Paris aus den 1950er-Jahren, komplett mit Eiffelturm, Notre Dame und der Seine. Aber dann - vor allem als brutaler, realistischer Kontrast - Bilder von Baselitz, Polke, Richter und Kiefer, die sich mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen und damit der deutschen Nachkriegsmalerei zu einer neuen Qualität verhalfen. Aus dem Centre Pompidou kommen für die Ausstellung spektakuläre Werke wie Kiefers gigantisches Tableau „Das Geheime Leben der Pflanzen“ oder Baselitz‘ berühmt-berüchtigtes Frühwerk „Ralf III“. Als besonderes Highlight zeigt Burda eine eigene Sektion mit Fotografien, vor allem von Fotografinnen wie Germaine Krull, Marianne Breslauer, Ilse Bing oder Florence Henri. -gepa

bis 29.9., Museum Frieder Burda, Baden-Baden

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