Essence

Kunst & Design // Artikel vom 28.11.2011

„Essence“ lautet der Titel eines erstmals in Europa präsentierten Werkes von Anselm Kiefer, das auch den Titel für die Ausstellung geben könnte.

Denn die 18 im Museum Frieder Burda gezeigten Arbeiten (17 davon aus der Sammlung Grothe) sind Prototypen für ausgewählte Serien und nehmen insofern eine Schlüsselstellung im Werk Kiefers ein. Ebenfalls zum ersten Mal zu sehen ist „Der fruchtbare Halbmond“, in dem Kiefer mit dem Turmbau zu Babel künstlerische Bilanz zieht.

Und die Ausstellung ist aus noch anderem Grund eine Premiere: Seit seiner ersten Einzelausstellung in Karlsruhe 1969 war Kiefer, der in Rastatt aufwuchs, erst dreimal in der Region zu sehen – kleiner, weniger umfangreich und zuletzt 1980. Was an diesen wenigen Arbeiten auf den ersten Blick besticht: So hell und licht war Kiefer nie. Das von Star-Architekt Richard Meier erbaute Haus scheint sich zu voller Größe aufzurichten.

Tageslicht durchflutet die meisten Räume und zaubert eine Lebendigkeit auf die Riesenformate, deren Mischung aus Material und Malerei dadurch noch greifbarer wird. Kiefer erzählt in seinen Bildern Geschichten, doch ist er kein Historienmaler. Der Holocaust – zwar ein zentrales Thema für ihn, doch aus der Geschichtsperspektive heraus, die fragt, was mit uns passierte und mit uns passieren wird.

Insofern bewegt er sich in zwei Richtungen gleichzeitig: in die Vergangenheit und in die Zukunft. In Titeln wie „Böhmen liegt am Meer“ scheint dies ganz deutlich auf: Kiefer thematisiert hier die Vertreibung der Sudetendeutschen an die Ostsee. Aus dem scheinbaren Paradoxon wird bei Betrachtung der menschlichen Schicksale, die hinter der Geschichte stehen, eine wahre Aussage. So laden die Bilder, die immer zwischen Abstraktion und Figuration changieren, zum Verweilen, zum Entdecken ein! -ChG

bis 15.1.2012, Museum Frieder Burda, Baden-Baden

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