Eunique 2014

Kunst & Design // Artikel vom 13.05.2014

Als wichtigste kontinentaleuropäische Messe für Unikate und Kleinstserien ist die „Eunique“ in den vergangenen Jahren selbst ein unverwechselbares Einzelstück geworden.

Zum sechsten Mal stehen vom 16. bis 18.5. in Halle 1 der Messe Karlsruhe Gestaltungsideen im Fokus, die sich außergewöhnlicher Materialien und Materialkombinationen bedienen und zugleich durch technische Finessen oder exzellente Verarbeitung überzeugen; darunter Interior Design, Glas, Mode, Leuchten, Gefäßkunst, Wohnaccessoires oder auch Schmuck in jeder Preisklasse vom Zehn-Euro- bis zum 50.000-Euro-Produkt. Über 300 jurierte Gestalter aus 19 Ländern, etablierte Ateliers, junge Labels, vielversprechende Talente, internationale Galerien und Landesverbände präsentieren ihre neuen Kreationen, darunter zahlreiche Gewinner hochkarätiger Designpreise.

Die hiesige Gestalterszene wird vertreten durch „Eunique“-Dauerbrenner Michael Schwarzmüller und seine aus Borosilikat-Röhren geblasenen farbakzentuierten Trinkbecher, Flakons, Schalen und Vasen, Monika Assems Macharten-Taschen, Eva Kaiser, die unter dem Label Lumikello ausrangierte Baumwollstoffe zu Wohnaccessoires verwertet, den Hutlinde-Kreationen von Dietlinde Ambos, Glasmacher Cornelius Réer mit seinen Upcycled Glass Products Marke Samesame sowie den Schmuckgestalterinnen Susanne Goldbach und Gabriele Heinz, Stefanie Prießnitz aus Pforzheim und Wiebke Goos’ gewissenhafter Galerie Goldaffairs. Ausgebaut wurde das Segment Interior Design: 19 Möbelmacher stellen auf zwei großen Sonderflächen ihre Arbeiten vor.

Partnerland Dänemark
Tradition auf der „Eunique“ hat inzwischen die Sonderpräsentation eines europäischen Partnerlandes. Nach Belgien, Frankreich, Finnland und den Niederlanden heißt es 2014: „Hjerteling velkommen!“ Schließlich wird im Gastland Dänemark seit Jahrzehnten Gestaltungsgeschichte geschrieben. Den Grundstein dafür haben in den 50er Jahren vor allem die Möbeldesigner mit ihrer klaren Linienführung und Experimentierfreude hinsichtlich Material und Farbe gelegt. Längst sind die Entwürfe als Klassiker in Museen und Sammlungen eingezogen, von ihrer Modernität haben sie jedoch bis heute nichts eingebüßt: Noch immer wird auf den Y-Stühlen eines Hans J. Wegner und in den Sesseln Schwan oder Ei von Arne Jacobsen Platz genommen; gleiches gilt für den Safari-Stuhl vom Vater des modernen dänischen Möbeldesigns, Kaare Klingt, und für Verner Pantons S-Chair. Dass Möbel und Wohnaccessoires bis heute bedeutende Themen für dänische Gestalter sind, verwundert bei diesen Vorbildern nicht. Auf der „Eunique“-Sonderschau präsentiert sich das Gastland aber vor allem mit Schmuck und Objekten aus Glas und Keramik, wobei die Gestalterszene der Ostseeinsel Bornholm den Mittelpunkt der Ausstellung bildet. Seit Jahren zieht es Kunsthandwerker, Designer und Künstler aus der ganzen Welt gleichermaßen hierher. Insbesondere Svaneke im Norden ist zum Inbegriff der Kreativität geworden. Der auf dem Eiland ansässige ACAB – Arts & Crafts Association Bornholm vertritt Dänemark mit der Sonderschau „Havet“ (zu Deutsch „Das Meer“). Dabei zeigt der als anspruchsvoll bekannte Verband für Gestalter der Gewerke Keramik, Glas, Textil, Metall und Holz Arbeiten von Pete Hunner, Kumiko Kimbara Asti (Keramik) und Charlotte Thorup (Objekte).

Sonderschau „Just Paper“
Dass sich Papier und Pappe nicht nur zum Beschreiben und Verpacken eignen, weiß man in Japan und China schon seit Jahrtausenden. Während das Material dort einen traditionsreichen Platz in der Innenraumgestaltung hat, musste es in unseren Breitengraden bis zum 20. Jahrhundert warten, um seinen Einzug in die Wohnzimmer zu feiern: Zu Zeiten der 60er Jahre eroberte Otto, der modulare Wellpappsessel des Designers Peter Raacke, die Herzen der jungen Wohnungseinrichter; Designklassiker wie der Stuhl Schwanensee JA 31P von Jan Armgardt und der Wiggle Chair von Frank O. Gehry folgten ihm nach. Auch die kuratierten Objekte auf der „Eunique“ beweisen, dass die scheinbar so instabilen Materialien durchaus dem täglichen Umgang standhalten, gebrauchsfähig und benutzerfreundlich sein können: Das Gestaltungsspektrum vom Sitzmöbel bis zur Lampe, vom Regal bis zur Bekleidung loten 22 Künstler aus Deutschland, Großbritannien, Japan, den Niederlanden und der Schweiz in der zweiten Sonderschau aus. So zeigt „Just Paper“ Teppiche, Lampen und Tische, die für den Gebrauch bestimmt sind und keineswegs nur objekthaften Charakter haben. Auch der Bereich Mode ist mit einem Strickkleid und einem Kimono, mit Hüten, Schmuck und Taschen vertreten. Exemplarisch für das Ausstellungsspektrum steht Mari Watanabe aus Japan, die für ihre kunstvoll gestalteten Kissen und Lampenschirme das aus der Rinde des Maulbeerbaumes hergestellte Kozo-Papier verwendet. Neben Arbeiten von acht Ausstellern sind Künstler und Designer wie Hanna Lobley (England), Nela Tréšková (Tschechische Republik) oder Marian Sturkenbroom (Niederlande) dabei, deren Werke einen wichtigen Beitrag zum Gesamtbild der aktuellen Szene der Papierschaffenden leisten. Dabei wurde bewusst weitgehend darauf verzichtet, die klassischen Anwendungsfelder der Papierverarbeitung wie Drucktechniken, grafische Produkte und Buchbinderarbeiten vorzustellen; vielmehr soll die Sonderschau den innovativen Umgang mit Papier und Pappe im Alltag dokumentieren.Viermal am Tag (12/14.30/16/17.30 Uhr) tragen professionelle Models Fashion und Accessoires wie Taschen, Schmuck, Gürtel und Hüte auf dem Catwalk zur Schau. Künstler, deren Arbeiten sich durch Funktionalität, handwerkliche Qualität und die dem Objekt entsprechend passende Materialwahl hervortun, werden schlussendlich vom Bundesverband Kunsthandwerk mit dem „Eunique Award für Angewandte Kunst und Design“ ausgezeichnet. -pat

Fr-So, 16.-18.5., 11-19 Uhr, Messe Karlsruhe, Tageskarte 15 Euro (erm. zwölf Euro), Nachmittagsticket ab 16.30 Uhr neun Euro, Dauerkarte 25 Euro
www.eunique.eu
www.facebook.com/eunique.messe

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