Gudrun Zoller: Skulpturen im Garten von Schweigen-Rechtenbach

Kunst & Design // Artikel vom 15.08.2021

Skulpturengarten Schweigen-Rechtenbach

Eine der wohl begeisterungsfähigsten Personen, die ich kennengelernt habe, lebt im schönsten Schulhaus der Pfalz.

Von 1950 bis ’70 war hier Schulbetrieb. Als die ehemalige Referentin für Schulkunst am Landesinstitut in Stuttgart das Haus 2011 besichtigt, kauft sie es direkt. Als Vegetarierin in Schweigen-Rechtenbach, einem Ort mit deftiger Küche und lauter Weingütern, habe sie es aber zuerst nicht leicht gehabt. Essengehen fiel schon mal weg, um die neuen Nachbarn kennenzulernen. Aber davon unbeeindruckt begann sie, aus ihrem Garten einen Skulpturengarten und so Kunst für Einheimische wie Tagestouristen frei zugänglich zu machen. Jedes Jahr von Mai bis Oktober lädt Zoller elf Kunstschaffende – je neun aus der Pfalz, einen aus Ba-Wü und einen aus Frankreich – ein, um den kleinen Park am Schulhaus zu bestücken. Dieses Jahr ist das Herzstück eine Arbeit von Guntram Prochaska. Den Titel „Eine Palette Schafe“ wurde um den Zusatz „betrunken“ erweitert. Vielleicht um zu erklären, warum die hölzernen, mit Schaffell überzogenen Skulpturen blau sind, vielleicht als kleine Spitze gegen die Weinregion, erklärt mir Zoller, die dieses Jahr ihren 80. Geburtstag feiert, augenzwinkernd.

Überhaupt hat sie viel zu erzählen; man merkt, dass sie sich wirklich mit jeder Arbeit beschäftigt. Mich haben besonders die Frauenskulpturen von Christine Hach begeistert. Ihre „Goldpechmarie“ windet sich in Ektase im Blumenbeet. Die „Daphne 1“ ist schon halb ein Lorbeer, gerade in Verwandlung, schmerzgeplant und dennoch voller Stärke. Das Haar löst sich auf zu Ästen und Zweigen, sie ist im Ort verwurzelt, dennoch nicht ganz Teil davon. Wir sehen uns den ganz realen Ort ebenfalls noch an, denn seit kurzem veranstaltet Zoller jedes Jahr auch einen „Kunstparcours“ im Dorf. In den edlen Weinstuben, den schönen alten Höfen der Anwesen, im kleinen englisch anmutenden Café La Fleur gibt es das unterschiedlichste Arbeiten zu sehen, verbunden mit Events wie den „Klappstuhllesungen“. „Die Leute kommen zahlreich“, freut sie sich.

Zum Abschluss unseres Rundgangs stehen wir auf dem Hof und betrachten die „Landschaft 3“ von Susanne Wadle an der Hauswand. Die Siebdruckplatten erzählen eine fantastische Geschichte von Fliegenpilzen und Flamingos, aber auch von unserem Umgang mit Medien. Ein QR-Code als Portal führt die Arbeit von dort aus weiter in die digitale Welt. Während ich mit dem Handy scanne, erzählt Zoller, ihr Neffe sei vor kurzem in Klasse fünf bis sechs gezogen, sie lebe in Klasse eins bis vier. Und gut lebt sie, hell und umgeben von der Kunst, die sie liebt und sammelt. Von der Terrasse aus sieht sie direkt in den Skulpturengarten. Sie nimmt mich am Arm und sagt: „Ich schaue dann durch den Oleander den Besuchern zu und gucke, wie sie gucken.“ -viva

Skulpturengarten & Kunstparcours, Schweigen-Rechtenbach: Mai-Oktober, Eintritt frei

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