Home Sweet Home – Stefan Strumbel bei uns daheim

Kunst & Design // Artikel vom 13.07.2012

Geboren 1979 in Offenburg, beginnt Stefan Strumbel in seiner frühen Jugend mit Street Art in seiner Heimat.

Seine Murals brachten ihm zunächst nicht nur Anerkennung, sondern vor allem großen Ärger in Form von Anzeigen wegen Sachbeschädigung durch Graffiti ein. Seit 2001 arbeitet er als freischaffender Künstler und erhielt diverse Stipendien. Inzwischen ist er weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannt, es folgen Einzel- und Gruppenausstellungen in Heidelberg, Düsseldorf, Berlin, Hong Kong, New York, London...

In der New York Times erscheint im Februar 2010 eine Home Story über ihn mit dem Titel „The Clockmaker’s Retreat“, 2011 gestaltet er dann das „New York Times Magazine“, was ihn auch in den USA schlagartig populär macht. Voller Humor und provokant stilisiert er Schwarzwälder Folklore und auch sakrale Devotionalien zu knallbunten Objekten, die zur Auseinandersetzung mit den persönlichen Wurzeln anregen. Bewaffnete und maskierte Bollenhut-Trägerinnen formieren sich zur Heimatarmee, eine fixende Bollenhutfrau propagiert die Heimatdroge.

Kuckucksuhren, die statt Vögelchen und Heimatidyll tote Ratten und Handgranaten in brüllenden Farben zieren. Kruzifixe mit farbigen LEDs als Lichtinstallationen, Hausaltäre mit pinkfarbenen Schweinen und gekreuzten Knochen. Die von ihm umgestaltete Kirche Maria, Hilfe der Christenheit in Kehl-Goldscheuer wurde Anfang Juli 2011 eingeweiht – ursprünglich sollte das Kirchengebäude aus den sechziger Jahren abgerissen werden, da notwendige Sanierungsarbeiten nicht finanziert werden konnten. Der badischste aller Künstler zeigt nun in Karlsruhe und Neuenbürg einen umfassenden Einblick in sein Werk.

Aufsehenerregend ist natürlich die 18 Meter hohe Kuckucksuhr, die seit 15.7. das Eingangsportal des Karlsruher Schlosses bildet. Die Ausstellung im Badischen Landesmuseum – Museum beim Markt ab 28.7. wird eine große Gesamtinstallation; aus Altbewährtem (Objekte, Uhren, Bilder) wird in einer neuen Zusammenstellung wieder etwas völlig Neues. Das Schloss Neuenbürg zeigt ab 5.8. Arbeiten aus den letzten Jahren, die bisher kaum oder noch gar nicht präsentiert wurden. Schwerpunkt in der Galerie Schrade werden Editionen und Multiple sein.

Zur Vernissage am 27.7. vor dem Schloss erscheint ein 120-Seiten-Bildband über Strumbels Werk, fotografiert von Oliver Rath (dessen eigene Brust eine tätowierte Strumbel-Kuckucksuhr ziert), in einer limitierten Auflage von 2.000 Stück. Ende letzten Jahres hatten wir die Gelegenheit, mit dem gänzlich unprätentiösen Künstler im Schoellmanns über den Dächern von Offenburg einen Kaffee zu trinken und mit ihm über eine INKA-Covergestaltung zu sprechen. -nic

Stefan Strumbel. Holy Heimat: Museum beim Markt, Karl-Friedrich-Str. 6, Karlsruhe, www.landesmuseum.de, 28.7.-25.11., Vernissage: 27.7., 18 Uhr mit DJ Rainer Trüby u.a., Eingangsportal Schloss Karlsruhe; Aftershow-Party: Mood In Wood, Linkenheimer Allee 8, www.mood-lounge.de, 23 Uhr mit DJ Rainer Trüby und Shahrokh Dini), Di-Do 11-17 Uhr, Fr-So/Feiertage 10-18 Uhr; Stefan Strumbel. Werkschau: Schloss Neuenbürg, www.schloss-neuenbuerg.de, Vernissage 5.8., 11 Uhr, bis 21.10., Di-Sa 13-18 Uhr, So/Feiertage 10-18 Uhr, Stefan Strumbel. Holy Heimat – wann bist Du daheim: Galerie Schrade, Zirkel 34-40, Karlsruhe, www.galerie-schrade.de, 27.7.-1.9., Di-Fr 11-13 und 14-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr

Das INKA-Interview mit Stefan Strumbel

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