Hugo-Häring-Preis 2014

Kunst & Design // Artikel vom 22.10.2014

Der Landesverband Baden-Württemberg des Bundes Deutscher Architekten (BDA) verleiht im Abstand von drei Jahren den „Hugo-Häring-Preis“ für vorbildliche Bauwerke in Baden Württemberg.

Im Unterschied zu anderen Architekturpreisen werden hier nicht nur die Architekten, sondern gemeinsam mit ihnen auch die Bauherren ausgezeichnet. So wird dem besonderen Verhältnis zwischen Architekt und Auftraggeber Rechnung getragen: der Tatsache, dass nur beide in vertrauensvoller Zusammenarbeit ein Projekt erfolgreich realisieren und gute Architektur entstehen lassen können. Das Verfahren ist zweistufig; in der ersten haben Bauherren und Architekten im Bereich der Kreisgruppe Karlsruhe (einer der 15 Kreisgruppen des BDA in Baden-Württemberg) gemeinsam 60 Projekte eingereicht.

In der ersten Jurysitzung Anfang Juli wurden von den Jurymitgliedern Prof. Ludwig Wappner, Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, Dipl.-Ing. Arne Barth, Dipl.-Ing. Julia Klumpp und Dipl.-Ing. Uwe Bellm neun Arbeiten ausgezeichnet, die in der am Mi, 22.10. anstehenden Preisverleihung die „Hugo-Häring-Auszeichnung“ erhalten. Die Begrüßung erfolgt durch den Vorsitzenden des BDA Karlsruhe, Robert Krawietz, und Sparkassendirektor Thomas Schroff, Baubürgermeister Michael Obert spricht ein Grußwort, der Jury-Vorsitzende Prof. Ludwig Wappner hält den Festvortrag. In der zweiten Stufe, die im nächsten Jahr stattindet, werden aus allen Preisträgern der 15 Kreisgruppen des BDA in Baden-Württemberg die Preisträger des „Hugo-Häring-Landespreises“ ausgewählt.

Nr. 4: Umbau und Sanierung des ehemaligen Schweinestalls
Alter Schlachthof 15, 76133 Karlsruhe
Bauherr: Karlsruher Fächer GmbH & Stadtentwicklungs-KG
Architekt: zwo-elf, Büro für Gestaltung, Matthias Tebbert, Karlsruhe
Begründung: Die Arbeit überzeugt durch ihre subtilen und feinsinnigen architektonischen Eingriffe in die bestehende Bausubstanz des ehemaligen Schweinestalls. Trotz der gebotenen Zurückhaltung im Bezug auf die denkmalpflegerischen Belange wird die akzentuierte und moderne Haltung der Veränderungen sowohl in der Raumplanung als auch in der Fassadengestaltung von der Jury gewürdigt. Die punktuell eingesetzten Raummodule positionieren sich selbstbewusst als Erinnerungsbaustein und notwendiger Stauraum und fügen sich gleichzeitig nahtlos ein in eine neutral und angemessen gestaltete Großraumkulisse, vergleichbar Schauspielern auf einer Bühne.

Nr. 14: Evangelische Grundschule mit Sporthalle
Sengestr. 7, 76187 Karlsruhe
Bauherr: Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden, Karlsruhe
Architekt: Wulf Architekten, Hans-Juergen Breuning, Stuttgart
Begründung: Der Neubau der Montessori-Grundschule überzeugt die Jury vor allem durch seine unaufgeregte und eindeutige Grundhaltung. Zwei kubische und maßstäblich sehr präzise konzipierte Bauköper fügen sich schlüssig in die gewachsene städtebauliche Umgebung ein und bilden zusammen mit der benachbarten Kirche und dem freistehenden Glockenturm ein campusartiges Ensemble. Die Reduktion auf einige wenige Materialien ist stimmig; im Zusammenspiel mit Lichthöfen wird eine überaus freundliche und kindgerechte Atmosphäre geschaffen, die von den kleinen und großen Nutzern der Schule sichtlich gut angenommen wird. Das durchdachte Farbkonzept der frei positionierten Aluminiumlamellen im Bereich der Fluchtbalkone sorgt für einen eigenständigen und spielerischen Akzent des gesamten Ensembles.

Nr. 15: KITA des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
Karl-Wilhelm-Str. 1, 76133 Karlsruhe
Bauherr: Vermögen und Bau Baden Württemberg, Amt Karlsruhe
Architekt: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin
Begründung: Ein fünfgeschossiger Kindergarten mit höchst individuellem Außenbezug zum direkten städtischen Umfeld schien bislang eher eine ungewöhnliche Bauaufgabe und eher schon eine typologische Herausforderung. Der Ort des Hauses im dichten städtebaulichen Kontext in der Karl-Wilhelm Straße in Karlsruhe erforderte einen intelligenten urbanen Baustein, den der monolithisch wirkende Betonkubus heute sehr funktional und hervorragend gestaltet erfüllt. Den Architekten ist es gelungen die einzelnen Gruppen und Funktionsräume selbstverständlich, gar spielerisch auf allen Ebenen jeweils um eine zentrale Mitte mit Tageslicht zu platzieren. Im Erdgeschoss bildet dieser Empfangs- und Zentralraum eine großzügige Raumkomposition welche als Foyer und Versammlungsraum zwischen der Betriebsamkeit der Stadt und den geschützten Einzelräumen vermittelt. In allen Stockwerken gelingt ein Spiel mit unterschiedlichen Raumproportionen, divergierenden Raumhöhen und famosen Freiluftfenstern und schafft so kindgerechte Räume für vielfältigste Nutzungen in Verbindung mit einer vorzüglichen Architektur.

Nr. 16: Empfangsgebäude mit Sitzungssaal des Bundesgerichtshofs
Herrenstr. 45 A, 76133 Karlsruhe
Bauherr: BRD vertreten durch Staatliches Hochbauamt Baden-Baden, Außenstelle Karlsruhe
Architekt: Harter + Kanzler, Ludwig Harter, Freiburg
Begründung: Die städtebauliche Situation in der Kernstadt Karlsruhes ist heute geprägt durch eine heterogene Baustruktur diverser Jahrzehnte, von prägnanten Bauten der Gründerzeit bis zu den der 80er Jahren. Dennoch verortet sich der neue Sitzungsbau im Kontext mit dem quartiersprägenden Schellingbau und den anderen Bauten der Bundesgerichtsbarkeit in seiner mehrfach gefalteten monolitischen Form als sichtbares bauliches Zeichen für eine neue Adressierung. Der neue Sitzungssaal mit exzellenten Blickbezügen in die angrenzenden Stadträume schafft eine gänzlich neue Nähe von Stadt und Gerichtsbarkeit ohne die notwendige Intimität einer Verhandlung aufzugeben. Aufgrund des angemessenen Maßstabs, eines eindeutigen baulichen Volumens und einer ausgesuchten handwerklich bearbeiteten Materialität gelingt die ursprünglich im Wettbewerb gesuchte städtebauliche Verzahnung. Trotz der leider heutzutage sehr hohen Sicherheitsanforderungen ermöglicht das Haus Einblicke in die Arbeit der Gerichtsbarkeit. Die vor Ort erlebte Atmosphäre zwischen „Drinnen und Draußen“ hinterließ bleibenden Eindruck bei der Jury.

Nr. 19: Neubau einer 6-gruppigen Kindertagesstätte
An der Tagweide 27, 76139 Karlsruhe- Hagsfeld
Bauherr: Laurentiusgemeinde Karlsruhe Hagsfeld
Architekt: Prof. Dipl. Ing Gert Gassmann, Karlsruhe
Begründung: Skandinavisch heiter erscheint die neue Kindertagesstätte zwischen einem Gewerbegebiet in Autobahnnähe und einem angrenzenden Wohngebiet. Die Architektur besticht durch die Reduktion auf wenige Materialien, durch die angenehme Belichtung mit Oberlichtern und Atrien sowie durch gut durchdachte und handwerklich sauber ausgeführte Details. Die Zurückhaltung der Mittel ist äußerst wohltuend und trägt dazu bei der allgemeinen Reizüberflutung der Kinder aber auch des derzeit medial vermittelten Architekturschaffens entgegen zu wirken. Nach Auffassung der Jury haben sowohl die Architekten für ihre Ideen und ihr handwerkliches Können als auch die Bauherrin und deren derzeitige Leiterin für Ihre Beharrlichkeit bei deren Umsetzung und Nutzung eine Auszeichnung verdient.

Nr. 36: Umbau und Innenrenovierung Evangelische Kirche
Kirchstraße, 76703 Kraichtal Menzingen
Bauherr: Evangelische Kirchengemeinde Menzingen
Architekt: Büro für Architektur, Peter Krebs, Karlsruhe
Begründung: Mit der subtilen und handwerklich hervorragend ausgeführten Renovierung des Innenraums dieser Kirche ist es gelungen, einen identitätsstiftenden Ort der Kirchengemeinde in Menzingen zeitgemäß zu transformieren. In der überaus atmosphärisch gelungenen Kombination von Erinnerung und dem Neuem entstand ein besonderer Ort der Stille und Kontemplation, aber ebenso auch eine hervorragende Plattform des vitalen Dorflebens. Mit viel Liebe zum Detail insbesondere in Zusammenhang mit der angemessenen Gestaltung der vom Architekten selbst gestalteten liturgischen Orte und einem nachvollziehbar guten Gefühl für Raum kann diese Renovierung in allen Belangen die Jury auch vor Ort überzeugen.

Nr. 37: Abriss und Neubau eines Einfamilienwohnhauses
Stettiner Str. 8, 76139 Karlsruhe
Bauherr: Frau Hichert
Architekt: Reich +Seiler Architekten, Roman Seiler, Karlsruhe
Begründung: Das nach Abriss neu errichtete private Wohngebäude in Form eines Atriumhauses nimmt unter Verzicht eines großen, in der Wohngegend nicht unüblichen größeren Garagenanbaus die eigentliche Körnung der großzügigen ursprünglichen Bebauung in der Stettiner Straße auf. Die Architekten schaffen es die weitläufige, in der Raumhöhe mehrfach der örtlichen Topografie angepasste und rhythmisierte eingeschossige Wohnebene die sich um einen wohl proportionierten Lichthof fügt, bestens nutzbar und Licht durchflutet zu gestalten. Die Wahl der überwiegend natürlichen Baumaterialien ist angenehm reduziert, überaus haptisch für das tägliche Wohnen und schafft einen angenehmen Rahmen der handwerklich präzise entworfen und gefügt wurde. Die eher geschlossene Fassade zur Straße lässt zunächst nicht den im Inneren erlebbaren hellen und offenen Grundriss erwarten, der sich konsequent bis über den schön angelegten Garten hin öffnet und diesen schwellen los und selbstverständlich in die Wohnung mit einbezieht.

Nr. 50: Neubau Wohnhaus W
Parkring 19, 76307 Karlsbad Spielberg
Bauherr: Familie W.
Architekt: Ulrich Langensteiner Architekten Ettlingen
Begründung: Ein zunächst einfach wirkendes bescheidenes Wohnhaus für eine junge Familie, welches mit einer grandiosen Inszenierung im Inneren und viel Gefühl für Raumgestaltung und Licht die Jury vor Ort restlos überzeugen konnte. Mit viel architektonischem Geschick, einem guten Gefühl für Raum und einfachen Details und nicht zuletzt begeisterungsfähigen Bauherrn, entstand auch auf Basis eines überschaubaren Budgets welches bestmöglich zu besonderem Wohnen eingesetzt werden sollte ein bemerkenswertes Kleinod mit Vorbildcharakter im Einerlei des ländlichen Raums.

Nr. 60: Erweiterung der Büroflächen für das Institut für Transurane ITU
Herrmann-von-Helmholtz-Platz 1, 76344 Eggenstein
Bauherr: Europäische Kommission, Joint Research Center, Institut für Transurane
Architekt: MGF Architekten GmbH, Jan Kliebe, Stuttgart
Begründung: Die umfassende Überformung des bestehenden Institutsgebäudes im Campus Nord des KIT hat funktional und gestalterisch zu einer überzeugenden Symbiose von Altbau und Neubau geführt. Es ist ein höchst eigenständiger fein gestalteter Baukörper entstanden, der die Jury durch eine konsequente funktionale und räumliche Zuordnung im Inneren, eine handwerklich überzeugende Wahl der verwendeten Materialien für alle Fassaden mit oder ohne den prägnanten vertikalen Sonnenschutz als auch für die Gestaltung der Innenräume mit dunklen Natursteinbelägen und dem Wechsel von Sichtbeton und hellen Flächen überzeugt. Eine klare Grundrisskonzeption und der Wechsel von Innen- und mehrgeschossigen Atrien erzeugt eine besondere Eleganz im täglichen Erlebnis eines Forschungsgebäudes. Der Anspruch und die inhaltliche Bedeutung des Gebäudes wird durch diese klare und sachliche Architektursprache nach Meinung der Jury bestmöglich abgebildet. Trotz der hoher Sicherheitsvorkehrungen und einer leider nur begrenzten Zugänglichkeit ist diese Arbeit beispielhaft für den Umgang mit solchen Forschungseinrichtungen und gerade auch im Kontext mit den vielen Zweckbauten am Campus Nord.

Mi, 22.10., 19 Uhr; 23.-31.10., Mo+Do 8.30-18 Uhr, Di/Mi/Fr 8.30-16 Uhr, Sparkassen-Kundenzentrum, Karlsruhe

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