Ich bin hier!

Kunst & Design // Artikel vom 31.10.2015

Was früher das „Beweisfoto“ aus dem Urlaub war – Tante Ilse vor dem Eiffelturm, Onkel Emil im Strandkorb auf Sylt – ist heute das Selfie.

Dabei entstehen kuriose Situationen: Menschen, die einen scheinbar freundlich anlächeln, dabei strahlen sie in ihr eigenes Handy, praktischerweise an der Verlängerung, dem Selfie-Stick, auf Überarmlänge weggehalten. Damit steht das Selfie in guter Tradition des Selbstporträts, das eine genuin europäische Kunstgattung ist.

Mit dem Aufkommen von Renaissance und Humanismus wurde damit der Künstler aus der Anonymität geholt und selbst zum bildwerten Subjekt. Von Rembrandt bis heute erstreckt sich die Ausstellung „Ich bin hier!“, mit der die Kunsthalle einen Bogen von der Malerei bis zur Videokunst spannt und deutlich macht, dass das künstlerische Selbstporträt als Ausdruck des Selbstbewusstseins heute vielleicht mehr denn je von Bedeutung ist.

Das zeigt sich dann auch in der Begleitausstellung „Selfies“, in der es speziell um die jugendliche Wahrnehmung – von Selbstbespiegelung und Selbstwahrnehmung bis zur Dauerpräsenz im Internet und dem Gruppenzwang – geht. -ChG

31.10.-30.1.16, Kunsthalle und Junge Kunsthalle, Karlsruhe

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