Imperium der Götter

Kunst & Design // Artikel vom 01.01.2014

In Abwandlung der Bezeichnung „Imperium Romanum“ versteht sich die Ausstellung „Isis – Mithras – Christus“ als tiefes Eintauchen in 500 Jahre römischer Alltagsgeschichte, die eng mit dem dicht bevölkerten Götterhimmel verwoben war.

Dieser polytheistische und pluralistische Götterhimmel lebte von der Veränderung, der regionalen Vielfalt und dem zeitlich bedingten Wandel. Gleichzeitig war dieses Nebeneinander der Götter integratives Moment im Vielvölkerstaat, denn in der Religion waren die Konflikte weitgehend bereinigt. Dass Kult, Religion und Alltag eng miteinander verbunden waren, dass damaliger Auffassung zufolge das Leben von den Göttern gesteuert wurde und unter deren Schutz stand (weshalb sie auch bei Laune gehalten werden mussten), davon erzählt die Ausstellung ebenfalls.

Einige echte Highlights sind zu entdecken: Ob es die vier bildreichsten Steinreliefs aus der römischen Provinz sind, die hier erstmals (und wohl auch zum letzten Mal) zusammengetragen worden sind, oder eine vollplastische Bacchus-Skulptur aus Bronze, die in ihrem unglaublich guten Erhaltungszustand an ihrem Alter von 1.900 Jahren zweifeln lässt, oder jenes frühchristliche Graffiti, auf dem ein gekreuzigter Esel das noch junge Christentum verspottet – auf vielen verschiedenen Ebenen, mit zahlreichen Exponaten, Modellen sowie dem Nachbau eines Mithras-Heiligtums und einer Katakombe wird der Frage nachgegangen, wer die jeweilige Gottheit ist, woher sie kommt, wie der Kult und die Heiligtümer aussehen und woher die Priester und Anhänger stammen.

Dass diese Götter – für die Isis, Mithras und Jesus als Hauptgottheiten Stellvertreterposition einnehmen – auch heute noch in unseren Alltag „einbrechen“, davon zeugt beispielsweise der Kybele-Politikpreis mit einer modernen Interpretation der Erdenmutter Magna Mater Kybele, der dieses Jahr an Angela Merkel verliehen wurde. -ChG

bis 18.5., Badisches Landesmuseum, Karlsruhe

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