Impressionismus in Russland

Kunst & Design // Artikel vom 01.06.2021

Valentin Serow Im Sommer, 1895; Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau

Alltagsszenen, Spaziergangseindrücke, Lichtstudien.

Der russische Impressionismus zehrt zunächst stark von seinen französischen Vorbildern, um wenig später den Boden für die Avantgarde zu bereiten. Erstmals zeigt eine Ausstellung die vielen Gesichter der impressionistischen Malerei aus Russland. Initiiert hat sie der 2019 gestorbene Verleger Frieder Burda. Er wusste, wie bedeutend Baden-Baden seit dem späten 19. Jahrhundert als Reiseziel für viele russische KünstlerInnen auf der Suche nach Ruhe und Inspiration war. Deren größter Sehnsuchtsort zu dieser Zeit war Paris, wo Kasimir Malewitsch, Natalja Gontscharowa oder Michail Larionow die Themen und Techniken französischer Impressionisten studierten – Alltagseindrücke aus Boulevards und Cafés etwa, oder die Inszenierung von Licht, ob in Landschaften oder nächtlichen Straßenzügen.

Zurück in Russland wandten sie ihre Erfahrungen auf die Motive ihres Landes um. Die russischen Impressionisten wie Ilja Repin, Igor Grabar oder Alexei von Jawlensky malten draußen – „en plein air“ –, fingen flüchtige Szenen des Alltags ein, verarbeiteten Spaziergänge durch ländliche Wiesen und übten sich in Stillleben. Bemerkenswert sind die Interieur-Darstellungen von Malern wie Stanislaw Shukowski und Valentin Serow. Im Gegensatz zu den französischen Vorbildern inszenierten sie Innenräume durch lebendige Darstellungen des einfallenden Tageslichts. Die leuchtenden, flächigen Malereien von Nicolas Tarkhoff und David Burljuk oder die impressionistische Lichtmalerei aus dem Moskau vor dem Ersten Weltkrieg, die bereits in avantgardistische Lichtmetaphorik kippt, verdeutlichen das Spektrum der vielseitigen Ausstellung. Alla Chilova und Ortrud Westheider haben sie kuratiert. -fd

bis 15.8., Museum Frieder Burda, Baden-Baden

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